Jahrgang 
1904
Einzelbild herunterladen

3. UÜbersicht über die während des abgelaufenen Schuljahres durchgenommenen Lehraufgaben.

Oberprima.

Klassenvorstand: Professor Völler. Wöchentlich 31 Stunden(ohne Turnen und Gesang). Dazu 2 Stunden wahlfreier Unterricht im Linearzeichnen. Lehrgang einjährig.

1. Religion. 2 Std. Professor Dr. Siebert I. Einleitung zu den drei alten Symbolen. Er- klärung des Augsburgischen Bekenntnisses bis Art. 20. Erklärung des Römerbriefs. Wieder- holungen einzelner Abschnitte aus dem Neuen Testament und aus der Kirchengeschichte. Hollenberg, Hilfsbuch für den ev. Religionsunterricht.

2. Deutsch. 3 Std. Direktor Dr. Wittich. Zunächst wurden die Schüler kurz auf die Unter- schiede der neuen Rechtschreibung aufmerksam gemacht, dann wurde zur eigentlichen Lehr- aufgabe der Klasse übergegangen. Im Sommer wurden hauptsächlich Gedichte von Schiller und von Gôthe sowie wissenschaftliche Abhandlungen aus dem Lesebuche je nach Bedürfnis eingehend besprochen oder kurz durchgenommen; so von Schiller: die Künstler, das Lied von der Glocke, der Spaziergang, das Eleusische Fest, die Ideale und kleinere Gedichte; von Göthe: Mahomeths Gesang, Gesang der Geister über den Wassern, Prometheus, Meeres- stille, Glückliche Fahrt, Wanderers Nachtlied, Grenzen der Menschheit, das Göttliche, Künstlers Abendlied, Hans Sachsens poetische Sendung, Euphrosyne, Epilog zu Schillers Glocke, Zueignung. Die Abhandlungen aus Muffs Lesebuch, VIII, waren: Palleske, die Jungfrau von Orleans; Riehl, das Standesbewusstsein der Armut; Jäger, die Vaterlandsliebe als kulturschaffendes Moment im Leben der Völker; Kirchhoff, wie Nationen entstehen; Bellermann, das Drama; Freytag, was ist tragisch? Im Winterhalbjahr wurde Lessings Nathan der Weise und Gôöthes Torquato Tasso gelesen und eingehend besprochen. Dazu kamen Wiederholungen aus den Lehraufgaben früherer Klassen, namentlich der Gedichte, die auch den Primanern gegenwärtig gehalten werden sollen. Endlich wurde die Klasse mit Lienhards Heinrich von Ofterdingen bekannt gemacht. Es wurden Gedichte, zum Teil nach freier Wahl, auswendig gelernt und freie Vorträge über die grossen Gedichte aus Schillers Gedankenlyrik und über den Inhalt von Lessings Nathan der Weise und die handelnden Personen dieses Stückes gehalten. Die Besprechung der Aufsätze, namentlich bei deren Rückgabe, bot Gelegenheit zu mancherlei Belehrungen aus dem Gebiete der Grammatik, Rhetorik und Logik.

Aufsätze: 1. Euch, ihr Götter, gehört der Kaufmann. Güter zu suchen Geht er, doch an sein Schiff knüpfet das Gute sich an. 2. Ein Morgenspaziergang in der Karlsaue. 3. Gedankengang von Schillers GedichtDie Ideale. 4. Hat Schiller recht mit dem Ausspruch:Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabne in den Staub zu ziehen?(Probearbeit.) 5. Die Wartburg in Geschichte und Sage. 6. Der Aufbau von SchillersLied von der Glocke.(Klassenarbeit.) 7. Hat der Tempelherr in Lessings Nathan mit seinem Ausspruch recht:Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten? 8. Gang der Ereignisse im deutschen Freiheitskrieg des Jahres 1813.(Probearbeit.)