Jahrgang 
1902
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Herr Geheimer und Oberregierungsrat D. Dr. Lahmeyer wohnte als Direktor des Pädagogischen Seminars zum letzten Male am 18. September dem Unterricht der Seminarkandidaten der Herren Dr. Holle und Dr. Frank bei. Da sich seine Amts- geschäfte durch die Ubertragung des Direktorats des Königlichen Provinzialschul- kollegiums wesentlich erweitert haben, sah er sich genötigt die Leitung des Pädagogischen Seminars abzugeben, die zunächst Herrn Provinzialschulrat Dr. Kaiser übertragen worden ist. Auch die persönliche Aufsicht über unsere Anstalt hat Herr D. Lahmeyer an Herrn Dr. Kaiser abgegeben, nachdem er derselben 18 Jahre hindurch wohlwollendste Fürsorge und Förderung hatte zuteil werden lassen.

Die städtische Verwaltung bethätigte in gewohnter Weise ihre Fürsorge für die Schule. Namentlich sei erwähnt, dass beschlossen wurde die Bestimmungen des 4. Nachtrags zum Normalbesoldungsetat vom 4. Mai 1802 betr. die Besoldung der Lehrer und Leiter an den hõheren Unterrichtsanstalten vom 1. April 1901 an bei den drei höheren Schulen städtischen Patronats zur Einführung zu bringen, und dass betreffs der Schulgeldzahlung für erkrankte Schüler eine Anderung dahin getroffen wurde, dass künftig nicht ein Kranksein von mindestens 2 vollen Kalendermonaten den Schulgeld- erlass bedingt, sondern dass dieser eintreten kann, wenn die Krankheit die Dauer von 2 Monaten erreicht, d. h. wenigstens 60 Tage umfasst. Ganz besonders dankenswert war die Einstellung eines Betrages von 1000 Mark in den städtischen Grundetat zur Gewährung von Reiseunterstützungen an neusprachliche Oberlehrer, von dem je ein Drittel einem Lehrer des Realgymnasiums, der Oberrealschule und der Realschule überwiesen wurde. Von unserer Anstalt war es diesmal Herr Dr. Krüger, der dann für 4 Wochen nach England ging. Es lässt sich hoffen, dass die für die Schulen so wertvolle Einrichtung eine dauernde wird.

Zu Störungen im regelmässigen Gange des Unterrichts gab es ziemlich zahl- reiche Veranlassungen. Prof. Dr. Hornstein hatte einen vierwöchigen Urlaub zu einer Badekur. Oberlehrer Dr. Meyer musste vom 19. April bis zum Schluss des Sommerhalb- jahres wegen eines schweren Nervenleidens der Schule fernbleiben und hat nun wieder seit dem 24. Februar für einige Monate seine Lehrthätigkeit einstellen müssen. Oberlehrer Dr. Krüger hatte eine achtwöchige militärische UÜbung abzuleisten und bedurfte noch etwa 12 Tage Urlaub zu seiner Reise nach England. Oberlehrer Dithmar und Dr. Knatz wurden dem Schuldienst je 9 Tage durch eine militärische UÜbung entzogen. Kaplan Weber hatte im Mai und Juni und während des Winterhalbjahres bis zum 13. Februar Urlaub zum Besuche der Universitätp. Durch eigene Krankheit oder durch Krankheit in der Familie wurden im Laufe des Jahres mehr als 20 Stunden von der Schule ferngehalten: Prof. Stange, Prof. Dr. Ulrici, Prof. Völler, Oberlehrer Heydenreich, Oberlehrer Grebe, Oberlehrer Dr. Fuckel. Herr Karbiner musste sich gegen Schluss des Winterhalbjahres einer schweren Operation unterziehen. Der Direktor war genötigt sich die Pfingst- wie die Herbstferien jedesmal durch einen viertägigen Urlaub zu verlängern; wenn er damit auch in der Zahl der zu vertretenden Unterrichtsstunden die Zahl 20 nicht erreichte, so war doch jedesmal volle Vertretung in den Direktorgeschäften notwendig. Der für das Jahr entworfene Stundenplan konnte infolge dieser zahlreichen und teilweise sehr ausgedehnten Verhinderungen im Sommerhalbjahr auch nicht in einer einzigen Woche zur vollen Geltung kommen.

Für die Vertretungen war es eine grosse Erleichterung, dass die noch geteilten oberen Klassen schwach besucht waren. Wie schon durch Zusammenlegungen in der Ober