3. UÜbersicht über die während des abgelaufenen Schuljahres durchgenommenen Lehraufgaben.
Oberprima.
Klassenvorstand: Oberlehrer Heydenreich. Wöchentlich 31 Stunden(ohne Turnen und Gesang).
Lehrgang einjährig.
Religion. 2 Std. Im S. Prorektor Prof. Heuser, im W. Prof. Dr. Siebert. Wiederholungen aus der Kirchengeschichte. Erklärung der Augsburgischen Konfession bis Art. 20, nach voraus- gegangener Einleitung zu den drei alten Symbolen. Wiederholung der Bergpredigt und anderer Abschnitte aus dem Neuen Testament. Hollenberg, Hilfsbuch für den evangel. Religions- unterricht.
Deutsch. 3 Std. Direktor Dr. Wittich. Gelesen wurden Lieder aus Geibels klassischem Liederbuch, die Quitzows von Wildenbruch, Proben aus Lessings Schriften über dessen Stellung zum Christentum. Ausführlichere Besprechung fanden: Die beiden Musen, von Klopstock, die Künstler, von Schiller, Lieder und Sprüche Walthers von der Vogelweide in mittelhochdeutscher Sprache, Nathan, von Lessing, Torquato Tasso, von Göthe. Die Geschichte der deutschen Litteratur, wie sie das Lesebuch von Hopf und Paulsiek für die Zeit bis 1517 gibt, wurde wiederholt. Die Rhetorik wurde, soweit sie für die Aufsätze in Betracht kommt, eingehend behandelt. Deklamationen nach freier Wahl. Selbstausgearbeitete freie Vorträge der Schüler über: Lessings Leben, Miss Sarah Sampson, Minna von Barnhelm, Emilia Galotti, Nathan und die Personen dieses Stückes: Nathan, Saladin, den Tempelherrn, den Patriarchen, den Kloster- bruder, Al Hafi, Sittah, Recha, Daja. Die Besprechung der Aufsätze bei der Rückgabe gab Veranlassung zu Hinweisungen und Wiederholungen aus den verschiedensten Gebieten der deutschen Sprachwissenschaft.
Aufsätze: 1. Die beiden Musen, von Klopstock. 2. Das Verhältnis der Geschwister in Schillers Braut von Messina und Lessings Nathan dem Weisen. 3. Die Bedeutung des Klosterbruders in Lessings Nathan. 4. Inwiefern kann man das Glück eine Klippe, das Unglück eine Schule nennen?(Probearbeit). 5. Inhaltsübersicht über Schillers Gedicht:„Die Künstler“. 6. Preussens Fall und Erhebung zur Zeit Napoleons I.(Klassenarbeit). 7. Welchen Nutzen können wir aus dem Worte ziehen: Calumniare audacter, semper aliquid haeret? 8. Vgl. Reifeprüfung zum Oster- termin 1897.
Aufgabe für die Reifeprüfung: 1. Zum Herbsttermin 1896: Worin bestehen die Verdienste Philipps des Gross- mütigen um sein Land? 2. Zum Ostertermin 1897: Wodurch begründete der Grosse Kurfürst von Brandenburg seinen Ruhm?
Latein. 4 Std. Im S. Direktor Dr. Wittich, im W. Oberl. Dr. Peters. Gelesen wurde im Sommer eine Reihe von Oden des Horaz, nämlich I, 1, 3, 4, 5, 6, 7, 11, 14, 16, 18, 21, 22, 24, 31, 32, 37, II, 1, 3, 6, 7, 10, 14, 16, 18 in der Zeit bis zu den grossen Ferien, danach 25 Kapitel vom 21. Buche des Livius. Einige Oden wurden auswendig gelernt. Die Vers- masse wurden gründlich besprochen und eingeprägt. Es wurden 8 Ubersetzungen ins Deutsche geliefert. Im Winter wurde das 21. Buch des Livius vom 26. Kapitel an sowie das 22. Buch gelesen. Die schriftlichen UÜbersetzungen ins Deutsche wurden regelmässig fortgesetzt.


