Jahrgang 
1895
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ihrer Leistungen wie den Wert der Realgymnasien überhaupt für die höhere Bildung. Unmittelbar nach Schluss der Rede traf ein Telegramm aus Kiel ein:Als chemaliger und dankbarer Schüler sei es mir vergönnt meine Glückwänsche auszusprechen zum 25jährigen Bestehen des Realgymnasiums. Heinrich, Prinz von Preussen. An die Verlesung dieser Depesche reihte sich die Mitteilung manches anderen Glückwunsches an, deren am Abend noch viele folgen sollten..

Schon am 31. Januar hatten sich ehemalige Schüler der Anstalt in grösserer Anzahl zusammengethan,um auch ihrerseits zu einer würdigen Gestaltung der Feier des 25jährigen Bestehens des Realgymnasiums beiau- tragen. Sie hatten den Direktor wesentlich unterstützt in der Auffindung der Adressen ehemaliger Schüler. Sie hatten überallhin die Kunde von der beabsichtigten Feier gelangen lassen, sie hatten den Stadtparksaal glänzend geschmückt und einen grossartigen Kommers vorbereitet, der an Reden, Aufführungen und Vorträgen den äusserst zahlreichen Gästen, wozu auch die Primaner und Obersekundaner der Anstalt gehörten, in mannigfaltiger Ab- wechselung fesselnde Unterhaltung bis zum Morgen bot. Am Mittag des 15. April vereinte ein Frühschoppen die Festteilnehmer, am Abend hielt ein Tanzvergnügen auf Wilhelmshöhe die grossen Reste derer zusammen, die sich an der Nachmittagsfahrt dahin betheiligt hatten. Es würde zu wéit führen, auf das einzelne der Veranstal- tungen einzugehen. Besonderes Verdienst hatten sich die Regierungsbaumeister Jllert und Kegel, Bauinspektor Röse, die Zahnärzte Schröder und Förster, die Kaufleute Berg, Schnell und Timäus, Hofschauspieler Kothe und mancher andere alte Schüler erworben, dazu von den Lehrern der Anstalt Prof. Dr. Hornstein., von dem der Prolog zur Vorfeier wie zum Kommersabend, der neue Text desHeil dir, o Kaiser, womit die Gedächtnisfeier schloss, ein Festspiel für den Kommersabend und mehrere der von Baumeister Jllert so schön ausgestatteten Festlieder stammten. Allen Beteiligten sci hier noch einmal der herzlichste Dank ausgesprochen.

Zur fünfzigjährigen Jubelfeier des Gymnasiums zu Wiesbaden wurde eine Adresse über- sendet. An den Aufführungen des Trellerschen Gustav-Adolf-Festspiels beteiligte sich unser Sän- gerchor abwechselnd mit dem des Wilhelmsgymnasiums. Amn Reformationstage erhielten 18 Schüler der 7 Sekunden und Primen je eins der vom Ministerium überwiesenen Schriften über die Erneuerung der Schlosskirche zu Wittenberg. Anfangs Dezember wurden die evangelischen Schüler in den Religionsstunden auf die Bedeutung des Lebens und Wirkens Gustav Adolfs für die evan- gelische Kirche hingewiesen. Am 30. März fand von 11 12 ½ Uhr eine Bismarckfeier statt, mit welcher die Abiturientenentlassung verbunden wurde.

Nach dem Choral:O dass ich tausend Zungen hätte hielt der Direktor die Festrede; dann folgte ein Knabenchor:Ich bin ein Sohn aus deutschem Blut, hierauf die französische Abschiedsrede des Abiturienten

Fischmann und die deutsche des Abiturienten Jürgens und sodann eine kurze Ansprache des Direktors bei der UÜbergabe der Reifezeugnisse. Das MendelssohnscheComitat schloss die Feier.

An dem Fackelzug, welchen die Stadt am 31. März zu Ehren Bismarcks veranstaltete waren etwa 120 Schüler der Sekunda und Prima sowie unser Trommlercorps beteiligt, das hier seine Tüchtigkeit einmal vor der ganzen Stadt bewähren konnte.

Am 5. April, nachmittags, fand ein Abturnen der Klassen V, III, 2. II, 2 und II, 1 unter Leitung der Herren Jürgens, Erdmann und Dr. Krüger statt; am 6. April, vormittags 9 Uhr, die Schlussfeier.

Auf den Chorgesang:Herr, wie du willst, so schick's mit mir, folgten Schülervorträge:Der kleine Hydriot, von W. Müller: Konr. Salzmann, VIb;Des Knaben Berglied, v. Uhland: Otto Deichmann, VI a; Des deutschen Knaben Robert Schwur, v. Arndt: Otto Knapke, V;La petite hirondelle, par Rambert: Gustav Röse, IVb;Das Lied von den deutschen Strömen, v. Büchner: Heinr. Jürgens, IV a. An den Knabenchor; Wie lacht der goldne Sonnenschein schlossen sich wieder Schülervorträge:Dialogue entre l'empereur Charles- Quint et un moine: Heinr. Laspe und Rich. Klapp, III, 2 b;The Miller of the Dee: Ernst Strunck, III, 2a: De Catilinat: Wilh. Leithäuser, III, 1 b;Les animaux malades de la peste. par Lafontaine: Herm. Habicht, III, 1a;Casabianca, by Felicia Hemans: Hans Ruppert, II, 2 b. Dem Knabenchor:Die Abendglocken rufen, v. Fr. Abt, folgten dann weitere Schülervorträge:Hermann u. Dorothea, v. Göthe, I, 150: Herm.

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