Jahrgang 
1895
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3. Ubersicht über die während des abgelaufenen Schuljahres durchgenommenen Lehrauſgaben.

Oberprima.

Klassenvorstand: Professor Stange. Wöchentlich 30 Stunden(ohne Turnen und Gesang). Lehrgang einjährig.

Religion. 2 Std. Prorektor Prof. Heuser. Eyvangelische Glaubens- und sittenlehre unter Anknüpfung an die Artikel 1 bis 16 des Augsburgischen Glaubensbekenntnisses nach voraus- gegangener kurzer Einleitung über die drei alten Symbole. Erklärung des Römerbriefs und der wiehtigsten Teile des Hebräerbriefs. Wiederholungen aus dem ganzen Gebiet der Kirchen- geschichte. Hollenberg, Hilfsbuch für den evangelischen Religionsunterricht.

Deutsch. 3 Std. Direktor Dr. Wittich. Aus den Proben mittelhochdeutscher Dichtung, welche das Lesebuch von Hopf u. Paulsiek, II, 2, enthält, wurde gelesen, übersetzt und besprochen: Parzival, Tristan und Isolt, der arme Heinrich, Barlaam und Josaphat, der Stricker, Boner, Thomasin von Zirkläre, Fridanks Bescheidenheit, der Winsbecke, der Renner, Lieder von Sper- vogel, von Heinr. v. Veldeke, Hartmann v. d. Aue, Reinmar d. Alten, Walther v. d. Vogelweide; Reinke de Vos; Hans Sachs. Von letzterem wurde ausserdem das Stück: die ungleichen Kinder Evä gelesen; die Durchnahme dieser Gedichte schloss sich an einen Uberblick über des Dich- ters Leben an, der an seinem Gedächtnistage gegeben wurde, wie dies in gleicher Weise bei Bürger geschehen war. Gelesen wurde ferner der Talisman von Fulda, Gedichte von Kail. Stieler, der Fechter von Ravenna, v. Halm. Ganz ausführlich durchgenommen wurde Lessings Nathan der Weise und Göthes Torquato Tasso. Die Geschichte der deutschen Litteratur bis zum Schlusse des Mittelalters wurde nach Übersichten und Einzelbetrachtungen in freien Vor- trägen der Schüler wiederholt, ebenso hatten die Schüler Vorträge über die von ihnen gele- senen Rollen aus Lessings Nathan und Göthes Tasso zu halten. Es kam auf jeden Schüler in jedem Halbjahr ein Vortrag. Die Besprechung der Aufsätze bei der Rückgabe bot neben dem Lesen besonders Gelegenheit zur gelegentlichen Berücksichtigung der verschiedensten Ge- biete der Sprachlehre. Wiederholung einiger Gedichte aus Schillers Gedankenlyrik.

Aufsätze: 1. Catos Rede über die Bestrafung der Catilinarier. 2. Tadeln, schelten, schimpfen, schmähen, spotten, höbnen und ähnliche Ausdrücke. 3. Ans Vaterland, ans teure, schliess dich an, das halte fest mit deinem ganzen Herzen(Rede zur Feier des 2. September oder Abhandlung; Probearbeit). 4. Gang der Handlung in Les- sings Nathan. 5. Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist. 6. Das Leben ist der Güter höchstes nicht(Probearbeit). 7. Inhalt von Tassos Befreitem Jerusalem. 8. Vgl. Reifeprüfungsarbeit.

Aufgabe für die Reifeprüfung: Warum wäre es für die Menschen nicht gut, wenn sie die Zukunft vorauswüssten?

Latein. 3 Std. Direktor. Gelesen wurde der Schluss von Sallusts Catilina, Ciceros vierte Cati- linarische Rede, Livius, Buch XXIII, sowie ausgewählte Oden des Horaz. Mit den vorkommenden Versmassen wurden die Schüler bekannt gemacht, einzelnes aus der Grammatik kam gelegentlich zur Besprechung. Von Zeit zu Zeit wurde eine schriftliche Übersetzung ins Deutsche geliefert.