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unbesoldeter Hilfslehrer, Herr Dr. Seelig als Probekandidat; am 13. Oktober trat Herr Boek- holt als Hilfslehrer, Herr Dr. Dreyling als Probekandidat ein. Dem als Proband der hiesigen Anstalt überwiesenen Kandidaten des höheren Schulamts Wittekindt war auf seinen Wunsch gestattet worden den Beginn seines Probejahres noch hinauszuschieben.
Am Schluss des Sommerhalbjahres verliess uns Herr Dithmar nach Beendigung seines Probejahres, um in Tübingen seiner Dienstpflicht als Einjäahrig-Freiwilliger zu genügen und gleich- zeitig noch Vorlesungen an der Universität zu hören. Sein gediegenes Wissen, sein freudiger Eifer im Beruf, sein liebenswürdiges Wesen hatten ihm die Herzen von Lehrern und Schülern gewonnen. Mit Schluss des Schuljahres wird uns, um eine Stelle an der hiesigen Realschule I zu übernehmen, Herr Bethge verlassen, der bei uns allen in gleich gutem Andenken bleiben wird.
Am 7. Januar d. J. starb nach einer ausserordentlich rasch verlaufenen Lungen- und Brust- fellentzündung, mitten aus thatkräftigem Schaffen herausgerissen, der Oberlehrer Dr. Alexander Grebel. Geboren zu St. Goar am 2. März 1842 als Sohn des Friedensrichters Alexander Grebel, vorgebildet auf dem Gymnasium zu Coblenz, besuchte er die Universitäten zu Bonn und München und die Akademie zu Münster. Ursprünglich mit dem Studium der alten Philologie beschäftigt, wendete er sich später dem der neueren Sprachen zu und hielt sich auch ein Jahr in Paris und ein halbes Jahr in London zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse in der französischen und der eng- lischen Sprache auf. Nachdem er vier Jahre am Institut Hofmann zu St. Goarshausen als Lehrer mit bestem Erfolg thätig gewesen, trat er Ostern 1875 als Probekandidat an der Realschule I. O. zu Aachen ein und erhielt Herbst 1875 eine Stelle als ordentlicher Lehrer an der hiesigen Anstalt, der er über 14 Jahre lang, bis zu seinem Tode, gewissenhaft und treu mit Geschick und Thatkraft seine Dienste widmete. Die Beerdigung fand am 10. Januar statt; die zahlreiche Beteiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung legte Zeugnis von der allgemeinen Teilnahme ab. Von der Beliebtheit des Dahingeschiedenen bei seinen früheren Schülern gab auch eine Reihe von Schreiben, aus Marburg, Cassel, Berlin und Göttingen, im ganzen mit 17 Unterschriften ehemaliger Realgymnasiasten ver- sehen, den Beweis. Dankbares Gedenken aller, mit denen er es wohlgemeint, in Schüler- wie in Lehrerkreisen, wird ihm folgen; sein Name wird unvergessen bleiben.
Auch zwei frühere Mitglieder des Lehrerkollegiums sind im Laufe des Schuljahres aus dem Leben geschieden. Am 20. Mai starb zu Gersfeld der dortige Pfarrer Joseph Hoffmann, am 8. September zu Cassel Dr. phil. Alexander Boss, geprüfter Königlich Bayrischer Archiv- praktikant zu München; an beiden Todesfällen nahm das Lehrerkollegium herzlichen Anteil und sprach denselben den Angehörigen aus.
Die Gesundheitsverhältnisse liessen im Lehrerkollegium viel zu wünschen übrig. Pro- fessor Hornstein musste im Anfange des Schuljahres einen fünfwöchigen Urlaub zur Wieder- herstellung seiner Gesundheit nehmen; wenn er später, und namentlich im Winterhalbjahr, seinen Unterricht wenig unterbrochen hat, so hat er doch seinen Pflichten nur unter den grössten körperlichen Beschwerden nachkommen können. Oberlehrer Dr. UIrici war durch ein Fussleiden mehrere Wochen ans Zimmer gefesselt. Herr Karbiner bedurfte eines 14tägigen Urlaubs im Anschluss an die Sommerferien, um seiner Gesundheit leben zu können. Herr Dr. Danker musste sich einer Augenoperation unterziehen, da sich plötzlich das Vorhandensein von grünem Staar auf dem linken Auge herausstellte. Sonst waren noch die Herren Professor Heuser, Professor Grebe, Oberlehrer Dr. Siebert, Völler, Jürgens, Erdmann durch ihr Befinden mehr als 20 Stunden während des Schuljahres von Erteilung ihres Unterrichts abgehalten.


