von Studienrat Dr. Bechtel und Studienassessor Riebeling. Im Anschluß an die eindrucksvolle Tagung wurde eine mehrtägige Wanderung durch das Riesen- gebirge und die Sächsische Schweiz unternommen sowie Dresden besichtigt. War die 10 tägige Fahrt auch nicht immer von schönem Wetter begünstigt, so wird sie doch wegen der vielen schönen und neuen Eindrücke und nicht zuletzt der glänzenden Stimmung wegen allen Teil- nehmern in gutem Andenken bleiben. An den Veran- staltungen der V. D. A.-Werbewoche beteiligte sich die Gruppeée in angemessener Weise; die von ihr durchgeführte Hilfswerksammlung hatte einen erfreulichen Erfolg.
Für die Turnspiele standen unserer Schule auch in:
diesem Jahre die Plätze zweier Sportvereine zur Ver- fügung, die jedoch längere Zeit unbenutzbar waren; außerdem alle 14 Tage die neue Hessenkampfbahn. Im Winter litten die Turnspiele sehr unter der ungünstigen Witterung. Der Wintersport konnte nur an wenigen Tagen betrieben werden. Der Spielnachmittag war auf- gabenfrei.
Wanderungen. Abgesehen von den monatlichen Wanderungen wurden auch mehrere größere Fahrten unternommen. Studienrat Reese führte in den Pfingst- ferien eine Anzahl Schüler auf dem Rade an den Rhein. Im Anfang der Sommerferien leitete Studienrat Gensch eine dreitägige Wanderung durch Thüringen.
In den Herbstferien besuchten Studienrat Kappe und Studienassessor Wiepken mit einer Anzahl Schüler München und unternahmen von dort Ausflüge in das Gebirge. Studienassessor Sieg wanderte mit Schülern seiner Klasse durch den Spessart und das Maintal, Studienassessor Wiepken bei Beginn der Osterferien an den Rhein.
Einige der Tagesausflüge wurden auch zur Besich- tigung größerer Industriewerke ausgenutzt. Sobesichtigten Primaner die Kaliwerke Wintershall und Bismarckshall. Dem Herrn Generaldirektor Rosterg gebührt der be- sondere Dank der Schule für die vortreffſiche Vorbereitung, sachkundige Führung und gastfreie Aufnahme, die die Schüler fanden. Sekundaner besuchten das Kraftwerk Borken und wurden auch hier auf das beste geführt und aufgenommen.
Da die Stadt Kassel für Wanderungen einen Betrag von 200 RM in ihren Haushalt eingestellt hat, konnte auch bedürftigen Schülern die Teilnahme an weiteren Ausflügen ermöglicht werden.
Seit Ostern 1926 sind alle Schüler des Realgymnasiums bei dem Verband öffentlicher Unfall- und Haftpflicht- versicherungen in Berlin gegen Unfall versichert. Wie wichtig die Versicherung ist, ergibt sich daraus, daß im Laufe dieses Jahres 35, wenn auch meist nur leichtere, Unfälle zur Meldung gekommen sind.
Auch im abgelaufenen Schuljahre war den Schülern die Möglichkeit gegeben, in den Pausen Milch zu trinken. Die Milch wird von der Städtischen Milchküche in ein- wandfreiem Zustand geliefert. Leider nahm jedoch die Zahl der Schüler, die sich beteiligten, von Monat zu Monat ab. Die Stadt Kassel hat für die Speisung be- dürftiger Schüler in anerkennenswerter Weise einen Betrag von 200 RM bewilligt.
14
Eine ärztliche Sprechstunde wurde auch in diesem Jahre von dem Schularzt Dr. med. Steinhardt alle 14 Tage abgehalten. Den Abiturienten hielt er einen hygienischen Vortrag. Die Ferienkolonie ermöglichte drei Schülern den Aufenthalt in einem Solbad, das Städtische Gesundheitsamt acht Schülern den Aufenthalt an der See, in einem Solbad oder auf dem Lande. In der Städtischen Zahnklinik ließen sich 37 Schüler aus den Klassen Sexta bis Quarta behandeln. Der Preis betrug nur 1,50 RM für den Schüler.
i) Das Schulgeld betrug für Einheimische 200, für Auswärtige 250 RM. Bei 2, 3 oder mehr Geschwistern, die eine höhere Schule besuchen, tritt eine Ermäßigung um 25%, 50% oder 100% ein. Die Ermäßigung kommt seit Ostern 1926 auch den auswärtigen Schülern zugute. Freistellen wurden verliehen: im Sommer 51 ganze und 23 halbe; im Winter 55 ganze und 22 halbe. Zwei Schüler erhielten eine Erziehungsbeihilfe von 300 bezw. 200 RM.
k) Die bisher erschienéenen Merkblätter für Berufs- beratung der deutschen Zentralstelle für Berufsberatung der Akademiker(Verlag von Trowitzsch& Sohn, Berlin) wurden angeschafft und den Schülern zugänglich gemacht. Der Ausschuß für Berufsberatung, der an unserer Schule besteht, konnte jedoch bei der UÜberfüllung aller Berufe wenig raten. Viele Eltern lassen ihre Söhne nur aus dem Grunde auf der Schule, weil sie nicht wissen, welchem Berufe sie sie zuführen sollen. Immer wieder wird be- sonders die Klage erhoben, daß in manchen Berufen nur Schüler mit dem Zeugnis der Reife angenommen werden, obwohl nach den bestehenden Bestimmungen eine ge- ringere Schulbildung ausreichen müßte. Dies führt zu einer ungesunden Uberfüllung der oberen Klassen und ist aus wirtschaftlichen Gründen auf die Dauer untragbar.
5. Der Elternbeirat kam zu Beginn des Schuljahres auf Grund einer Einheitsliste ohne Wahlakt zustande; es gehörten ihm seitdem an: Ingenieur Gerdum(Vor- sitzender), Oberstudienrat Dr. Hollstein(Schriftführer) und prakt. Arzt Dr. Jorns, Frau Trost, Lehrer Richter, Frau Imhoff, Postinspektor Wackermann, Landes- obersekretär Klaube, Buchdruckereibesitzer Stöhr, Direktor Stierlen, Frau Dr. Gaebel, Frau Lewan- dowski, Stadtoberinspektor Arnold.
Von der nur geschäftlichen Anfangssitzung abgesehen, trat der Elternbeirat am 7. 1. 27 zu einer Beratung zu- sammen, in der seitens der Schule über den Stand der Schülerbücherei und die Bootshausangelegenheit Bericht erstattet wurde. Der Elternbeirat sprach sich entschieden dafür aus, daß trotz der noch nicht voll aufgebrachten Mittel nunmehr mit dem Bau begonnen werden möge. Bei der Besprechung der besonderen Verhältnisse der Fahrschüler war man in allen wichtigen Punkten mit dem Lehrerkollegium derselben Meinung. Eine Anregung des Direktors, den Fahrschülern bei ungünstiger Zeit der Rückfahrt in der Milchküche ein warmes Mittagessen zu verabreichen, fand vollen Beifall; bei späterer Anfrage meldete sich aber nur ein einziger Schüler, sodaß der Plan aufgegeben werden mußte. Auf den Bericht des Direktors über die Jugendschutz-Bestrebungen wurde vom Elternbeirat ein Vortrag des Leiters der Jugendschutz- Zentrale(Pfarrer Hoppe) gewünscht. Der Vortrag fand am 23. März statt, war aber leider schlecht besucht, obwohl die Eltern unter Hinweis auf den Wunsch des Elternbeirats schriftlich eingeladen worden waren.


