Jahrgang 
1895
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Von vielen Seiten sind aus den Kreisen der Angehörigen unserer Schüler an mich Anfragen gerichtet worden über die voraussichtliche weitere Entwicklung der Neuen Realschule und insbesondere über ihre weitere Unterbringung nach dem Aufgeben der jetzigen Räume. Daher beehre ich mich folgendes mitzuteilen.

Die jetzigen Räume sind der Stadt zum Zwecke der Unterbringung der Realschule vom Staate bis längstens Ostern 1898 leihweise überlassen worden. Inzwischen ist indes von seiten des Königlichen Handelsministeriums der Plan angeregt und eifrig betrieben worden, eine Bau- gewerkschule am hiesigen Orte zu errichten und dieselbe der Leitung des jetzigen Direktors der hiesigen Gewerblichen Zeichen- und Kunstgewerbeschule zu unterstellen. Für die Zwecke der Baugewerkschule sollen auch die jetzt von der Neuen Realschule benutzten Räume verwandt werden.

Im Interesse der Realschule liegt es, die Räume am Friedrich-Wilhelmsplatz erst dann zu verlassen, wenn dieselbe in der Lage ist, ein dauerndes anderes Heim zu beziehen. Dies wird sie erst dann können, wenn nach Fertigstellung des Neubaues der Ober-Realschule auf dem Gelände zwischen der Kölnischen Stralse und Parkstralse das Schulgebäude in der Hedwigstraſse frei wird. Das kann frühestens Michaelis 1896 oder Ostern 1897 der Fall sein.

Ein Wechsel des Gebäudes vor diesem Zeitpunkte auf kürzere Zeit würde dem Schul- interesse widerstreiten.

Ist der Neubau fertiggestellt, so würde die Ober-Realschule in die Kölnische Stralse, die Realschule in die Hedwigstraſse übersiedeln, und zwar würde dann jede der beiden Anstalten die 6 unteren Klassenstufen als Doppelklassen einrichten, während die räumlichen Verhältnisse es bis jetzt bedingten, dass die genannten Klassenstufen in der Hedwigstraſse dreifach, am Friedrich- Wilhelmsplatz einfach vorhanden waren.

Auf diese Weise kommt diejenige Schule, welche infolge ihrer Lage bis dahin ihre Schüler mehr aus den neueren westlichen Stadtteilen bezogen hatte, näher an die Altstadt; während die Ober-Realschule in eine Gegend verlegt wird, welche der Wohnung der Mehrzahl ihrer Schüler ferner liegt.

3 Diese Umstände machen eine gänzliche Umbildung des Schülerbestandes der beiden Schulen zur Zeit des Umzuges notwendig. Eswird dann jeder Schüler der Ober-Realschule und jeder Schüler der Realschule neu vor die Wahl gestellt werden, an welche von beiden Schulen er übergehen will.

Cassel, am 6. März 1895. Der Direktor der Neuen Realschule:

Dr. Quiehl.