Jahrgang 
1894
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Nach Mitteilung des Herrn Oberbürgermeiſters vom 19. Mai ſind durch Stadtraths⸗ beſchluß vom 24. April zwei bedürftigen und braven Schülern je 100 Mark aus demKerſtin g'ſchen Legat zur Unterſtützung für Waiſen der evangel. Kirche bewilligt worden.

Zu der als bleibendes Andenken an die 50 jährige Jubelfeier der Anſtalt gegründeten Jubiläums⸗ ſtiftung(vergl. oben S. 20) war unter dem 20. April 1893 der nachfolgende Aufruf erlaſſen worden:

Der Tag, an welchem vor fünfzig Jahren die Realſchule in der Hedwigſtraße eröffnet wurde, wird in der Bedeutung des Tages entſprechender Weiſe gefeiert werden. Nicht blos die Lehrer und Schüler der Anſtalt ſind beſtrebt und gewillt, bei dieſer Gelegenheit die Schule, die ſie liebgewonnen haben und die ſie heute hochgeachtet daſtehen ſehen, zu feiern, es ſind namentlich auch die ehemaligen Schüler, die mit Freuden den Anlaß ergreifen, den Gefühlen der Dankbarkeit und der Anerkennung für die Leiſtungen dieſer, ihrer Schule rechten Ausdruck zu geben. Es iſt nun der Gedanke angeregt, an dieſem Tage mit vereinten Kräften ein Denkmal aufzurichten, das für alle Zeiten Zeugnis ablegen ſoll von der Anhänglichkeit und der Treue, die ſie der Anſtalt be⸗ wahrt und die ein Jeder für den Führer in ſeinem Leben haben ſollte, der ihn in die rechte Bahn geleitet, der ihm den rechten Weg gezeigt hat.

Das Denkmal ſoll beſtehen in einer Stiftung, einem in erſter Linie von den ehemaligen Schülern der Realſchule aus freiwilligen Gaben geſammelten Capital, deſſen Zinſen zum Beſten würdiger und bedürftiger Schüler aus hieſiger Stadt, jeglicher Konfeſſion, nach Vorſchlag des Lehrer⸗Kollegiums durch das Kuratorium der Oberrealſchule jährlich verwendet werden ſollen.

In hochherziger Weiſe hat Herr Wilhelm Schmidt in Paris, einer der erſten der ehe⸗

maligen Realſchüler, den erſten Beitrag zu dieſer Stiftung im Betrage von Fünfhundert Mark geleiſtet. Seinem edlen Beiſpiel folgend, haben hoch angeſehene Bürger unſerer Stadt ihre Bereit⸗ willigkeit erklärt, ſich gern an einer ſolchen Stiftung zu beteiligen.

Es ergeht deshalb nunmehr dieſer Aufruf an alle ehemaligen Schüler der Realſchule, bei⸗ zuſteuern, ein Jeder nach ſeinen Kräften, damit wir, der edelſten Pflicht der Dankbarkeit nach⸗ kommend, der Realſchule zu ihrem Fünfzigſten Geburtstage am 4. Mai 1893 ein Geſchenk über⸗ reichen können, das, Empfänger wie Geber in gleichem Maße ehrend, ſegensreich fortwirken wird bis zu den fernſten Tagen.

Heinrich Schäfer. Guſtav Plaut. Conrad Schmidtmann. F. W. Schoppach. Carl Walter. Carl Bünting.

Dieſen Aufruf an die ehemaligen Schüler der Realſchule beantworteten im hochherzigen Gefühle ihrer Angehörigkeit zu derſelben zunächſt außer Herrn Wilhelm Schmidt in Paris, die Herren Geh. Kommerzienrath Henſchel hier und Adolf Worch in Paris mit einer Widmung von je 500 Mark, ferner die Herren Bankier Karl Pfeiffer, Guſtav Plaut, Architekt Heinrich Schmidtmann, Privat⸗ mann Hermann Ludwig Wallach, Kaufmann Friedrich Chartier, Karl Francke und Ernſt Otto Francke mit Spenden von 100 bis 300 Mk. Nicht nur dafür, daß durch dieſe ſchwer wiegenden Gaben dem ganzen Plane eine ſichere materielle Grundlage verliehen worden, gebührt den hochgeehrten Herren der wärmſte Dank, ſondern noch mehr wegen der moraliſchen Wirkung der offenen Anerkennung, daß es ſich um eine edle und für die Schule bedeutungsvolle Sache handle. Und ein edles Beiſpiel weckt Nach⸗ ahmung, reichlich floſſen die Beiträge von allen Seiten, ſo daß ſchließlich die namhafte Summe von 4900 Mk. erreicht war. Sie wurde mir von Herrn H. Schäfer in Geſtalt von fünf Landeskredit⸗ kaſſen⸗Obligationen(Serie XVI, Lit. A No. 3341 2 à 2000 Mk.; Lit. C, No. 9427 à 500 Mk.

und Lit. E, No. 6806 7 à 200 Mk,) übermittelt, die ich ohne Verzug mit den erforderlichen Anträgen 5