Jahrgang 
1874
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soust mehrfach schon ausgesprochene Bedürfniss nicht. Es ist seit längerer Zeit der Wunsch des Unterzeichneten mit ein paar Lektionen unseres Lehrplans der Fachklasse, bei welehen es mehr auf eine geistige Anregung zum eigenen Nachdenken und Be- obachten, sowie auf eine Anleitung hierzu, als auf eine Ansammlung von neuen Kennt- nissen ankommt, aus unserem Stundenplan herauszurücken, um sie so auch einem grösseren Kreise zugünglich zu machen, dabei das Interesse unserer Schüler durch Massnahmen, durch welche das ungehinderte Fortschreiten des Vortrags in jenen Dis- ziplinen nicht beeinträchtigt wird, in geeigneter Weise zu wahren. Ich habe dabei namentlich an Handelsgeschichte, an Volkswirthschaftslehre und an deutsche Literatur- geschichte gedacht. Die Ausführung dieses Wunsches hat insofern Fortschritte gemacht, als die Schwierigkeiten wenigstens in Betreff der Handelsgeschichte soweit beseitigt sind, dass dieser Vorlesungszyklus im Winter 75/76 voraussichtlich beginnen und dann regelmässig sich fortsetzen kann.

Als eine Art Einleitung zu diesen Vorlesungs-Zyklen hatte das Lehrer-Kollegium im vergangenen Nachwinter einen Turnus von Vorträgen veranstaltet, die an 6 Freitag Abenden vom Februar bis Anfang April Statt fanden. Es lasen

Dr. Rathke, über die Kohle,

Professor Speyer, über Dante Alighieri unddie göttliche Comödie,

Dr. Gerland, über die Art, wie die Pflanzen die wirkungsfähige Kraft des Sonnenlichts mechanisch nutzbar machen,

Ingenieur Ebel, über Gewinnung der im Wasser, Wind und Dampf enthaltenen Triebkraft durch die Wasserräder, Windflügel und Dampfmaschinen,

Dr. Möhl, über Erdbeben und Vulkane,*) Architekt Narten, über Wesen und Anwendung des Ornaments.

Ausserdem hatte Herr Regierungs- und Baurath Müller die Güte, dem Vor- lesungs-Publikum an einem Abende Mittheilnngen über die Kaiserburg=u Gelnhausen zu machen.

lch kann nicht unterlassen Diejenigen, welche den von uns gemachten Ver- such durch Ihr Interesse unterstützt haben, unserer Erkenntlichkeit zu versichern.

2) Iu die durch den Abgang des Herrn F. Lincke un das Grossherzogl. Hessische Polytechnikum in Darmstadt erledigte Stelle des Lehrers für Maschinenkunde und Maschinenzeichnen trat bei Beginn des Kursus Herr Ingenieur Max Ebel aus Lauter- bach. Derselbe war, nachdem er theoretisch durch Besuch der polytechnischen Schule in Zürich und später der Universität Giesseu sich zu seinem Berufe vorgebildet, mehre Jahre als Ingenieur praktische Beschäftigung gefunden, dann aber aus Gesundheits-

2 Dieser Vortrag ist nachträglich in derSammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge, herausgegeben von Virchow und v. Holtzondorft unter Nr. 202 im Druck erschienen. 4

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