Jahrgang 
1914
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Aber mit Bezug auf das höhere Lehramt dürfen wir den Eltern nicht vorenthalten, daß nach eingehenden, auf sicheren statistischen Unterlagen beruhenden Untersuchungen in einigen Jahren eine U'berfülk von Kandidaten des höheren Lehramts zu erwarten ist. Während sich in den Jahren 1893 bis 1911 die Gesamtzahl der reichsdeutschen, auf preußischen Universitäten imma- trikulierten Studierenden verdoppelte, hat sich die Zahl der Studierenden der Schulwissen- schaften ungefähr versechsfacht. Im Winterhalbjahr 1910/11 widmete sich fast die Hälfte aller auf Grund eines Reifezeugnisses immatrikulierten reichsdeutschen Studierenden der preubischen Universitäten(46 47%) den zum höheren Lehramte führenden Wissenschaften.

Danach werden die Abiturienten, die von jetzt an in dieses Studium eintreten, sich auf eine lange unbesoldete Wartezeit gefabt machen müssen. Auch bei der Annahme einer günstigen wirt- schaftlichen Entwicklung werden Angebot und Nachfrage voraussichtlich in einem solchen Mib- verhältnisse stehen, dab die Reifeprüflinge, die Ostern 1913 das Studium der Schulwissenschaften beginnen und etwa 6 Jahre später das Seminarjahr antreten, nach Erledigung des Seminar- und Probejahres mindestens 6, wahrscheinlich 78 Jahre bis zur festen Anstellung werden warten müssen.

Ferner ist mit Sicherheit anzunehmen, daß demnäechst mit der Praxis gebrochen wird, alle Kandidaten, die die Anstellungsfähigkeit erlangt haben, der Reihe nach einzustellen. Vielmehr werden diejenigen mit ungünstigen Zeugnissen, wenig brauchbaren Lehrbefähigungen und mangel- haften Leistungen darauf zu rechnen haben, daß der Staat auf ihre Dienste überhaupt verzichtet. Es ist deshalb dringend geraten, daß nur wirklich tüchtige, für das höhere Lehramt voraussichtlich geeignete junge Leute, die auch in der Lage sind, eine längere unbesoldete Wartezeit auszuhalten, sich einem zum Oberlehrerberufe führenden Studium zuwenden.

Durch eine am Schlusse des Schuljahres 1911/12 von dem Vorstande des Landesverbandes preussischer Landmesservereine an die Direktoren sämtlicher preußischen höheren Lehranstalten gerichteten Mitteilung wurde auf die Uberfüllung des Landmesserberufes hingewiesen und von der Ergreifung dieses Berufes abgeraten. Die Verhältnisse werden sich mittlerweile kaum erheblich geändert haben.

8. Der Vormittagsunterricht beginnt im nächsten Schuljahre, im Sommer und Winter, um 8, der Nachmittagsunterricht um 2 ½Uhr.

9. Sprechstunden des Direktors und der Lehrer.

a) Der Direktor ist an den Schultagen von 11 ½ 12 ½ Uhr im Schulhause zu sprechen. b) Jeder Schüler ist in der Lage, seinen Eltern die Sprechstunden der einzelnen Lehrer anzugeben.