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4. Mit dem 1. Juni 1911 wurde der Lehrer der katholischen Religion, Herr Kaplan Georg Trageser, als Kuratus nach Wanfried, Kreis Eschwege, versetzt. Zu seinem Nachfolger wurde durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 27. Juni 1911, S. 11 630, Herr Kaplan Theodor Weidner ernannt.
5. Die ungewöhnliche Hitze des letzten Sommers verursachte mehrfache Störung im regel- mäbigen Unterrichtsbetriebe. Nachdem der Nachmittagsunterricht am 30. Juni, am 8. und 9. August hatte ausgesetzt werden müssen, wurden vom 10. bis 15. August auf Anordnung des Königliehen Provinzial-Schulkolleginms(Verf. v. 2. August 1911. S. 14082) nur die 3 ersten Vormittagsstunden gehalten, von Mittwoch dem 16. August an fand der Vormittagsunterricht wieder regelmäbig statt, aber der Nachmittagsunterricht mußte am 21., 28., 29. August und 4. September ausgesetzt werden.
6. Durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 24. August 1911, S. 14 988, wurde genehmigt, daß der seit Ostern 1911 dem Königl. Gymnasium überwiesene französische Lehr- amtsassistent, Herr Emile Colomb aus Aix in der Provence, 8 Stunden an der Oberrealschule erteile.
7. Für das Winterhalbjahr 1911/12 wurde durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schul- kollegiums vom 25. September 1911, S. 16801, der englische Lehramtsassistent Herr Peter L. Kerr aus Glasgow in Schottland der Anstalt zur Abhaltung von englischen Konversationsstunden über- wiesen. Durch stürmisches Wetter an der Überfahrt gehindert, konnte Herr Kerr erst am 6. No- vember hier eintreffen.
8. Der Kandidat des höheren Lehramts Herr Dr. Friedrich Eichhorn verlieb uns mit Ende des Sommerhalbjahres, um eine wissenschaftliche filislehrerstelle an dem städtischen Reform- realgymnasium zu Wiesbaden zu übernehmen. Mit Versehung der von ihm verwalteten Oberlehrer- stelle wurde durch Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 11. Oktober 1911, S. 17816, der Kandidat des höheren Lehramts Herr Karl Vogel beauftragt. Herr Vogel wird uns mit Ende des Schuljahres verlassen, um eine Oberlehrerstelle an der II. städtischen höheren Mädchenschule zu Wiesbaden zu übernehmen. Unsere besten Wünsche geleiten ihn in seinen neuen Wirkungskreis.
9. Durch die Verfügungen des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 12. Oktober 1911, S. 13215 und S. 16136, wurden die Kandidaten des höheren Lehramts Herr Dr. Paul Möller und Herr Dr. Georg Bersch der Anstalt zur Ableistung des Probejahres überwiesen.
10. Durch den Erlaß des Herrn Ministers vom 22. August 1911, U II, Nr. 1853(mit- geteilt durch die Verfügung des Königl. Provinzial-Schulkollegiums vom 22. September 1911, S. 15 788) wurde die sogenannte Kurzstunde von 45 Minuten allgemein angeordnet. Infolge dieser Anordnung war es uns möglich, auch während des Winterhalbjahres den Vormittagsunterricht auf 5 Lektionen auszudehnen, eine Einrichtung, mit der sich die überwiegende Mehrheit der Eltern (von 471 abgegebenen Stimmen waren nur 21 dagegen) einverstanden erklärt hatte und die in- folgedessen von dem Königl. Provinzial-Schulkollegium durch Verf. v. 24. November 1911, S. 20312, genehmigt wurde.
11. Die Vorschule, deren Aufhebung von den städtischen Behörden(von den Stadt- verordneten am 16. Januar 1910, von dem Magistrat am 8. März 1910) beschlossen wurde, umfaßte im Schuljahre 1911/12 nur noch die oberste, von Vorschullehrer W. Hamburger geführte Klasse. Mit dem Ende des Schuljahres wird die Vorschule eingehen, nachdem sie seit 1845 bestanden hat. Die ehemalige Realschule hatte zwar von Anfang an Elementarklassen, aber erst vom Jahre 1845 an wurden die 4 untersten Klassen der Schule als„Vorschulklassen“ bezeichnet.
12. Im Anfange des Schuljahres 1911/12 verlor die Anstalt einen Schüler durch den Tod. Karl Heilmann aus Wasserlos, der zu Ostern 1911 das Zeugnis der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst erhalten hatte und die Schule weiter besuchen wollte, wurde während der Osterferien von einer tückischen Krankheit befallen, die seinem Leben schon am 2. Mai 1911 ein Ziel setzte. Wir haben in ihm einen gutbegabten, fleibigen und braven Schüler verloren und beklagen mit den Eltern seinen frühen Tod.


