Jahrgang 
1912
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hinterlaſſen hat, gab er dem Boote den NamenSturio. Er wies zugleich darauf hin, daß Sturio die lateiniſche Bezeichnung eines Fiſches, des Störes ſei, der den Atlantiſchen Ozean, die Nord⸗ und Oſtſee bewohne, ſelbſt bis an die Mainmündung bei Mainz komme und ſo gleichſam die Wege für das neue Boot vorzeichne. Denn der Ruderſport ſolle auf der einen Seite den Körper der Jugend ſtählen, ihren Geiſt erfriſchen und zu ſeiner Arbeit befähigen, er ſolle die jungen Leute zu Willenskraft, Beſonnenheit, Unterordnung unter andere, zu Nüchternheit und Mäßigkeit hinführen, es ſollten aber auch die Rudervereinigungen eine ſtille Pflege⸗ und Pflanzſtätte für den ſeemänniſchen Beruf unſeres Volkes bilden. So flögen bei dieſem Weiheakt die Gedanken von der Kinzig und dem Main zum Rheine und von da zum weiten Meere, auf das auch das deutſche Volk ſein Anrecht geltend mache. Mit einem Hoch auf Seine Majeſtät, den erhabenen Schirm⸗ herrn unſerer deutſchen Flotte, und mit dem Abſingen der Kaiſerhymne und einem weiteren Vortrag des Schülerchors ſchloß die Einweihung, worauf das Boot zu Waſſer gelaſſen und zum erſten Male benutzt wurde.

Wenige Tage darauf überſandte Herr Verlagsbuchhändler Max Alberti einen Betrag von 10 Mark für denSturio, der als Grundſtock für einen Ruderbootſonds zur Unterhaltung des Bootes und zur Förderung des Schülerruderns verzinslich angelegt wurde. Dem freundlichen Geber ſage ich namens der Anſtalt herzlichen Dank. Möge der Fonds recht bald wachſen!

Am 30. Mai machten ſämtliche Klaſſen den üblichen Schulausflug. Für die Klaſſen Prima und Oberſekunda, die ſich die Rhön zum Ziel genommen hatten, wurde auch noch der 31. Mai zu dieſem Zwecke freigegeben.

Am 2. September fand eine nichtöffentliche Sedanfeier in der Aula ſtatt.

Am 10. September beteiligten ſich unſere Schüler mit ihrem RuderbootSturio an dem Wettrudern, das von der Rudergeſellſchaft 1879 auf dem Maine bei ihrem Bootshauſe abgehalten wurde.

Am 17. September nahmen die Schüler aller Klaſſen nahezu vollzählig an dem allgemeinen Turnfeſt für ſämtliche hieſige Schulen in Wilhelmsbad teil.

Am Schluſſe des Sommerhalbjahrs(22. und 23. September) unterzogen ſich neun Nicht⸗ chüler der Anſtalt der Reifeprüfung, die unter dem Vorſitze des Direktors abgehalten wurde. Sechs von ihnen, nämlich Eduard Hochhuth, geb. in Datterode, Kreis Eſchwege, Rudolf Jordan, geb. in Eſſen a. d. R., Paul Kehl, geb. in Bieber, Kreis Gelnhauſen, Walter Meurer, geb. in Wiesbaden, Ariſt Pander, geb. in Riga, und Hermann Zeich, geb. in Wetter, Bezirk Caſſel, beſtanden die Prüfung.

Bei der Schlußfeier am 30. September hielt der Direktor eine Anſprache, in der er der hochſeligen Kaiſerin und Königin Auguſta, der Samariterin auf dem Throne, aus Anlaß der hundertſten Wiederkehr ihres Geburtstages gedachte.

Am 16. Dezember fand ein zahlreich beſuchtes Schülerfeſt in den Räumen der Turnhalle der hieſigen Turngemeinde ſtatt.

Anfang Dezember ſchrieben unſere Abiturienten ihre Tentamensarbeiten.