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37) Verf. K. Prov.-Schulk. 18. Febr. 1890 S. 776. Auf Grund Ministerial-Erlasses vom 20. Dezember 1889 rücken vom 1. April ab die Oberlehrer Ricker, Dr. Wackermann und Schaub in die nächst höheren Oberlehrerstellen ein. Zugleich wird der dem wiss. Hülfslehrer Becker erteilte Auftrag mit Ende März d. J. zurückgezogen.
38) Verf. K. Prov.-Schulk. 4. März 1890 S. 558. Der Pfarrer Zimmermann wird auf seinen Antrag vom 1. April d. J. ab von der Erteilung des ihm bisher übertragenen Unterrichts in Religion und im Hebräischen ent- bunden. Der Direktor wird gleichzeitig beauftragt, demselben für die der Anstalt geleisteten Dienste den Dank und die Anerkennung der vorgesetzten Behörde auszudrücken.
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III. Chronik der Anstalt.
Nachdem am Vormittage des 29. April von 7 Uhr an die Prüfung der neuangemeldeten Schüler stattgefunden hatte, wurde nachmittags um 4 Uhr das neue Schuljahr mit einer gemein- samen Andacht eröffnet. Bei der Eröffnung gedachte der Direktor derjenigen Lehrer, welche mit dem Schlusse des Schuljahres von unserer Anstalt abberufen waren. Ausser dem nach Frank- furt a. M. versetzten Oberlehrer Dr. Wolff(vrgl. das vorjährige Programm) hatte auch der wissen- schaftliche Hülfslehrer Heinrich Zimmermann einer Berufung an das Königliche Wilhelms- Gymnasium zu Cassel folgend unsere Anstalt verlassen. Die besten Wünsche seiner dankbaren Schüler und der Kollegen, deren aufrichtige Zuneigung er sich während seiner wenn auch nur kurzen Thätigkeit am hiesigen Gymnasium in vollem Masse erworben hat, begleiteten ihn.
Neben diesen Lehrern fehlte bei Beginn des Schuljahrs von den vorjährigen Lehrern der schwer erkrankte Oberlehrer Professor Krause, welchem zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit von der vorgesetzten Behörde ein halbjähriger Urlaub bewilligt worden war. Nur mit schwerem Herzen, der Weisung des Arztes folgend, trennte er sich von seiner Berufsthätigkeit, welche ihm zum notwendigen Bedürfnis geworden war, und noch manchmal führten ihn, so lange er konnte, seine Schritte auch wührend seines Urlaubs in die ihm liebgewordenen Räume der An- stalt zurück. Seine stille Hoffnung, dass es ihm vergönnt sein werde, noch weiter unter uns zu wirken, sollte sich nicht erfüllen. Am 6. September machte der Tod seinem langen, schweren Leiden ein Ende. Am 8. September geleiteten Schüler und Lehrer der Anstalt den Verstorbenen zur letzten Ruhe. Das Andenken des allzeit pflichtgetreuen Lehrers und stets freundlich gesinnten Kollegen wird an unserer Anstalt in Ehren bleiben.
Mit der durch die Beurlaubung des kranken Professor Krause notwendig gewordenen Aushülfe im Unterricht wurde der wissenschaftliche Hülfslehrer Heinrich Beckerr) betraut. Auch nach dem Tode jenes führte er sein Amt im Winterhalbjahre weiter fort. Der Direktor hiess ihn
*) Heinrich Becker, geboren am 2. August 1857 zu Erbach, Kreis Limburg, katholischer Konfession, ab- solvirte das Kaiser-Wilhelms-Gymnasium zu Montabaur Herbst 1876 und studierte in Tübingen, Würzburg und Strass- burg Naturwissenschaften und Mathematik. Er genügte seiner militärischen Dienstpflicht von April 1877 bis dahin 1878 und bestand sein Examen pro facultate docendi 15. Juli 1881 in Strassburg. Das pädagogische Probejahr absol- vierte er an der Wöhlerschule(Realgymnasium) zu Frankfurt a. M. von Herbst 1881 bis Herbst 1882. Später war er als unbesoldeter Hülfslehrer an derselben Anstalt bis Ostern 1889 thätig, während er gleichzeitig von Herbst 1882 bis Ostern 1889 eine Hauslehrerstelle in Frankfurt a. M. bekleidete.


