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II. Chronik des Gymnasiums.
Der Kursus des Schuljahres 1881— 82 begann am 26. April 1881.
An Stelle des mit dem Schlusse des vorigen Schuljahrs aus seiner hiesigen Stellung geschie- denen Oberlehrers Dr. Heussner(S. Progr. von 1881 pag. 44) wurde durch hohe Ministerial- Verf. vom 21. April 1881(mitgeteilt durch Verf. K. Prov.-Schulk. vom 23. ej.) der Oberlehrer Prof. Dr. von Velsen zum 1. Mai von dem Gymnasium in Saarbrücken in gleicher Eigenschaft an das
hiesige Gymnasium versetzt. Derselbe wurde am 14. Mai in seine hiesige Stellung eingeführt.
Friedrich Adolf von Velsen, geboren am 6. Juni 1832 zu Altena in Westfalen, besuchte von Ostern 1847 an als Alumnus das Joachimsthalsche Gymnasium zu Berlin, von wo er Michaelis 1852 mit dem Zeugnisse der Reife entlassen wurde. Nachdem er dann 4 Jahre in Bonn Philologie studiert, unterzog er sich daselbst gegen Ostern 1857 nach vorausgegangener Promotion als Doctor phil. der Prüfung pro fac. doc. Darauf war er zunächst als commissarischer Hülfslehrer an dem Gymnasium zu Cleve beschäftigt, von wo er Michaelis ej. als Adjunct an die Ritter-Akademie zu Brandenburg berufen wurde. Ostern 1859 übernahm er eine Lehrerstelle am Gymnasium zu Saarbrücken, welcher Anstalt er dann bis zu seiner Versetzung nach Hanau dauernd angehörte. Durch Patent vom 19. Dezember 1874 wurde ihm der Professortitel erteilt.
Dem wissenschaftlichen Hülfslehrer J. Rittau wurde unter dem 20. April 1881 von der philosophischen Fakultät der Universität Marburg die philosophische Doctorwürde erteilt.
Die Sommerferien dauerten vom 4. bis 30. Juli.
Bei der Sedanfeier am 2. September hielt die Festrede Gymnasiallehrer Henkel.
Am 9. September wurde unter dem Vorsitze des Königlichen Commissarius, Herrn Provin- zial-Schulrat Dr. Rumpel, die mündliche Prüfung der Abiturienten vom Sommerhalbjahr 1881 vorgenommen, nachdem die schriftliche Prüfung vom 15. bis 20. August stattgefunden hatte.
Die Herbstferien dauerten vom 26. September bis 8. Oktober.
Während der Ferien, am 6. Oktober, starb am Unterleibstyphus ein wohlbegabter, hoffnungs- voller Schüler, der Obersecundaner Ferdinand Manns, Sohn des Rechtsanwalts und Notars Manns hierselbst. Lehrer und Mitschüler, insoweit sie nicht während der Ferien von hier abwesend waren, gaben ihm am 7. Oktober das letzte Geleit.
Durch Verf. Kgl. Prov.-Schulk. vom 25. August wurde der Schulamts-Kandidat Eduard Wende dem hiesigen Gymnasium zur Ableistung des Probejahrs zugewiesen. Derselbe trat
in seine hiesige Stellung am 10. Oktober ein.
Eduard Wende, geboren am 2. Dezember 1857 zu Rambach im Kreis Eschwege, besuchte von Ostern 1869 an vier Jahre das Progymnasium zu Eschwege und darauf bis Ostern 1876 das Gymnasium zu Hersfeld und studierte dann bis Michaelis 1879 in Marburg und Leipzig Philologie und Germanistik. Im Juni 1880 bestand er auf ersterer Universität das Examen pro facultate docendi.
Am 23. Oktober begingen Lehrer und Schüler gemeinsam die Feier des heiligen Abendmahls.


