Jahrgang 
1880
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II. Chronik des Gymnasiums.

Der Kursus des Schuljahres 1879 80 begann am 22. April 1879.

An demselben Tage wurde der durch Verf. Kgl. Prov. Schulc. vom 16. April 1879 dem hiesi- gen Gymnasium zur Ableistung des Probejahrs überwiesene und zugleich mit Erteilung einer grös- seren Stundenzahl beauftragte Schulamts-Kandidat Johannes Rittau in seine Funktionen eingeführt.

Johannes Rittau, geboren am 22. Apri 1852 zu Rybuik in Ober-Schlesien, besuchte bis Ostern 1874 die Fürstenschule zu Pless, studierte dann bis Herbst 1877 in Strassburg und Marburg Philologie, Geographie und Geschichte, bestand im Januar 1879 das Examen pro facultate docendi und wurde zu Ostern desselben Jahres vom Königl. Prov.-Schulc. zu Cassel, welchem er sich zur Disposition gestellt, zur Ableistung des Probejahres sowie zur Aushülfe dem hiesigen Gymnasium überwiesen.

Am 11. Juni feierte die Anstalt das Fest der goldenen Hochzeit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin. Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Heussner.

Die Sommerferien dauerten vom 5. Juli bis zum 2. August.

Bei der Sedanfeier am 2. September hielt die Festrede Gymnasiallehrer Schaub.

Am 12. September wurde unter dem Vorsitze des Königlichen Commissarius, Herrn Provin- zial-Schulrat Dr. Rumpel die mündliche Prüfung der Abiturienten vom Sommerhalbjahr 1879 vor- genommen, nachdem die schriftliche Prüfung vom 19. bis 25. August stattgefunden hatte.

Durch Erlass des Herrn Finanz-Ministers und des Herrn Ministers der geistlichen etc. Ange- legenheiten vom 26. Juli 1879 wurde der erste Oberlehrer und Prorector, Herr Professor Dr. Kon- rad Fliedner vom 1. October 1879 ab auf sein Nachsuchen in den Rubestand versetzt, nachdem derselbe mehr als 50 Jahre im Staatsdienst und 23 Jahre als Lehrer an dem hiesigen Gymnasium thätig gewesen war. In der Verf. vom 9. August, durch welche Kgl. Prov. Schulc. jenen Ministerial- Erlass mitteilte, benutzte die hohe Behörde diesen Anlass, demselben für die langjährigen treuen Dienste, welche er dem Gymnasium geleistet hat, ihre Anerkennung und ihren Dank auszusprechen. In der Schlussfeier am 20. September entliess der Unterzeichnete den scheidenden Kollegen unter Ueberreichung des durch die Huld Sr. Majestät des Kaisers und Königs demselben verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klasse feierlich aus seinen bisherigen Funktionen.

Durch Erlass des Herrn Ministers der geistlichen etc. Angelegenheiten vom 22. Juli(mitgeteilt durch Verf. Kgl. Prov.-Schulc. vom 12. August) wurde der 1. Oberlehrer und Prorektor am Real- gymnasium zu Wiesbaden Friedrich Krause zum 1. Oktober in die 1. Oberlehrerstelle am hiesigen Gymnasium versetzt. Derselbe wurde beim Beginn des Wintersemesters am 7. Oktober in seine hiesigen Funktionen eingeführt.

Friedrich Krause, geboren am 15. Aug. 1824 zu Sontra, besuchte bis Ostern 1845 das Gymnasium zu Hersfeld und studiorte dann zu Marburg und Berlin. Nachdem er im Sommer 1848 die theoretische Prüfung für Be- werber um ein ordentliches Lehramt an Gelehrten-Schulen bestanden hatte, trat er Ostern 1849 als Praktikant am Gymnasium zu Marburg ein, wurde dann in gleicher Weise dem Gymnasium in Hersfeld zugewiesen uud mit Versehung des mathematischen und physikalischen Unterrichts beauftragt. Seit dem 15. Januar 1851 übernahm er die Leitung der jetzigen höheren Bürgerschule zu Hattingen a. d. Ruhr, wurde Ostern 1854 mit der Versehung einer ordentlichen

Lehrerstelle am Gymnasium zu Rinteln beauftragt und bestand im Jahre 1854 zu Fulda die praktische Prüfung in der Mathematik, der Geschichte und den alten Sprachen. Mit dem 1. Juli 1857 wurde er an das Gymnasium zu Marburg

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