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7. Chronik der Anstalt.
Das neue Schuljahr begann am 30. April mit der Prüfung der neuangemeldeten Schüler, deren Zahl diesmal eine ungewöhnlich hohe war; lagen doch für Sexta allein 83 und für die übrigen Klassen 9 Aufnahmegesuche vor, die infolge der zahlreichen Auswei- sungen aus den besetzten Gebieten im Laufe der folgenden Wochen auf 29 anstiegen. Auf behördliche Anordnung vollzog sich heuer die Prüfung in anderen Formen wie bisher, inso- fern als nach einer mit Herrn Kreisschulrat Kern am 12. April gepflogenen Vorbesprechung neben Lehrern unserer Anstalt auch mehrere der Grundschule daran teilnahmen. Auf Grund eines Zeugnisses einer preußischen Schule wurden noch 3 Schüler übernommen. Dem Unter- richtsbeginn am 1. Mai ging eine Eröffnungsfeier voraus, in der der Direktor der Anstalt in einer Ansprache unter Zugrundelegung des 90. Psalms die Schüler ermahnte, ihre Zeit durch treue Pflichterfüllung zu nutzen, um schließlich zur feierlichen Aufnahme der Neuangemel- deten zu schreiten und diese durch Handschlag auf die Befolgung der ihnen ausgehändigten Schulordnung zu verpflichten.
Die erste Gedenkfeier, welche die Schule durch einen besonderen Aktus in der Turn- halle beging, war die der 200. Wiederkehr von Klopstocks Geburtstag. St.-R. Klemme entwarf in längerer Rede ein treffendes Bild des großen Dichters und schilderte dessen Verdienste um die deutsche Literatur.— Der 11. August brachte die Verfassungsfeier. Der Redner, der sich ausführlich über den„Geist von Weimar“ verbreitete, war St.-R. Kasper.— An- läßlich des Gedenktages für die Opfer des Weltkrieges legte der Direktor am 28. Februar nach einer Ansprache an die versammelte Schülergemeinde zwei Kränze an dem Ehrenschrein unserer Anstalt nieder.— Wenige Tage später, am 4. März, versammelten sich abermals Lehrer und Schüler an derselben Stelle zu einer Trauerfeier. Sie galt dem Gedächtnis des verstorbenen Herrn Reichspräsidenten. Die eindrucksvolle Rede, die die Verdienste Friedrich Eberts um das Deutsche Reich eingehend würdigte, hielt O.-St.-Dir. Dr. Schönemann.— Die Schlußfeier mit Entlassung von 13 Abiturienten und 12 Realsekundanern fand, durch Chorgesang und Deklamationen verschönt, am 3. April nachm. 4 ½ Uhr in der Turnhalle statt. Herr Zeichenlehrer Herbold hatte zugleich eine wohlgelungene Ausstellung von Schülerar- beiten im Zeichensaal veranstaltet.— Aus Anlaß der 25. Wiederkehr des Tages, an dem unser Gymnasium die erste Reifeprüfung zu Ostern abhielt, vereinigten sich die diesjährigen Prüflinge mit den von ihnen geladenen und zahlreich erschienenen früheren Abiturienten, sowie den Lehrern der Anstalt am 4. April 25 zu einer schlichten Feier vor dem Ehren- schrein, um in pietätvoller Dankbarkeit ihrer für das Vaterland gefallenen Kameraden zu ge- denken. Die tiefempfundenen u. wirkungsvollen Gedächtnisworte sprach stud. theol. W. Nagel. Daran schloß sich ein gemeinsamer Gang auf den F riedhof, um die seit jener Zeit verstor- benen Mitglieder des Lehrerkollegiums durch einen Besuch ihrer Grabstätten zu ehren. Am Abend fanden sich alle zum fröhlichen Kommerse im„Schützenhof“ ein.— In den einzelnen Klassen wurde im Laufe des Jahres noch des 40. Jahrestages der Gründung unserer früheren Kolonien in Afrika(Lüderitz), der 50. Wiederkehr des Todestages von Fritz Reuter, des 60. Gedenktages des Roten Kreuzes und des 400 jährigen Jubiläums des evangelischen Ge- sangbuches in mehr oder weniger ausführlicher Weise gedacht.
Die charitativen Bestrebungen, die schon seit einer großen Reihe von jJahren eine treue Heimstätte an unserer Anstalt haben, fanden am 24. November ihren Ausdruck durch eine in der Erlöserkirche veranstaltete geistliche Musikaufführung, die von der verständnis- vollen und eifrigen Musikpflege an unserer Schule rühmend Zeugnis ablegte. Der ansehnliche Reinertrag wurde an den Vaterländischen Frauenverein abgeführt. Der Selbsthilfe, nämlich der Anschaffung von Lehrmitteln, dienten die beiden, am 9. Februar und 2. März im Küur- haus veranstalteten„musikalischen Elternabende“, die Gelegenheit boten, die vortrefflichen Leistungen unseres Schülerorchesters zu würdigen. Bei dieser Gelegenheit darf auch nicht verschwiegen werden, daß während des ganzen Schuljahres am Dienstag einer jeden Woche eine nicht stundenplanmäßige Orchesterprobe abgehalten wurde.—


