Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

14

Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde die durch den Abgang des Herrn Oberlehrer Dr. Hunke erledigte Oberlehrerstelle durch Herrn Oberlehrer Dr. Ludwig Lauer besetzt. Dieser berichtet über seinen Lebensgang folgendes:

Dr. Ludwig Lauer, am 3. Juni 1883 in Köln geboren, als Sohn des Professors Dr. Wilhelm Lauer, besuchte die Volksschule und das Oymnaum daselbst und studierte darauf von Ostern 1902 bis Ostern 1907 in Göttingen Mathematik. Dort promovierte er am 2. November 1907, bekleidete dann am Physikalisch-Chemischen Institut daselbst eine Assistentenstelle bis Ostern 1008 und legte am 26. Februar 1000 die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab. Vom Herbst 1008 bis zum Herbst 1900 genügte er seiner Dienstpflicht im 2. Kurh. Inf.-Reg. No. 82 in Göttingen. Das Seminarjahr absolvierte er von Michaelis 1900 bis dahin 1910 am Königl. Gymnasium zu Göttingen, im darauffolgenden Jahre das Probejahr am Königl. Andreas-Realgymnasium nebst Realschule in Hildesheim.

Herr Kandidat Lendle, der bisher die Vertretung des Herrn Dr. Hunke wahr- genommen hatte, wurde auf ein halbes Jahr zur Verwaltung einer Oberlehrerstelle am hiesigen städtischen Lyzeum beurlaubt. Zu gleicher Zeit wurden der Anstalt von Königl. Provinzial- Schulkollegium überwiesen die Kandidaten des höheren Lehramts Herr Wilhelm Mehmel zur Fortsetzung des Probejahres und zugleich zur Erteilung von 10 Stunden Hilfsunterricht, an Stelle des an das Goethe-Gymnasium in Frankfurt a. M. versetzten Herrn Kandidaten Pinterich, und Herr Philipp Nicolay zur Ableistung des Probejahres. Weihnachten schied aus dem Kollegium Herr Prof. Dr. Suchier, nachdem seine Wahl zum Direktor des hiesigen städtischen Lyzeums die Allerhöchste Bestäatigung gefunden hatte. Seit Ostern 1889 hat Herr Direktor Dr. Suchier ununterbrochen an der Anstalt in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue gewirkt. Da der Mangel einer Aula seine Entlassung in einer Versammlung der ganzen Schulgemeinde leider unmöglich machte, mußte sich der Direktor darauf beschränken, Herrn Dr. Suchier in engerem Kreise, in einer Versammlung des Lehrerkollegiums und der 4 oberen Klassen, aus seinem bisherigen Amte zu entlassen. Mit der Entlassung verband er den Ausdruck schmerzlichen Bedauerns über die notwendige Trennung und des aufrichtigen Dankes für alles, was der Scheidende während seiner 23 jührigen Wirksamkeit der Anstalt geleistet habe, und knüpfte daran die wärmsten Wünsche für eine gesegnete Tätigkeit des neuen Direktors auf dem ihm nunmehr zugewiesenen größeren Arbeitsfelde. Der Name Suchier wird in der Geschichte der Anstalt immer mit Ehren genannt werden. Zur Verwaltung der durch das Scheiden des Herrn Dr. Suchier erledigten Oberlehrerstelle wurde der Kandidat des höheren Lehramts Herr Dr. Gustav Schad der Anstalt überwiesen.

Den Herren Oberlehrern Hofmann und Schlegel wurde durch Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten vom 19. Juli der Charakter als Professor und durch Allerhöchste Order vom 31. Juli der Rang der Râte IV. Klasse verliehen.

Herr Professor Hofmann nahm vom 6. bis 14. Juni an einem archäologischen Ferienkursus in Frankfurt a. M., Mainz und Trier, Herr Lehrer am Gymnasium Abel vom 4. bis 23. September an einem Fortbildungskurses für Turnlehrer in Berlin teil.

Vom 16. bis 18. November beteiligte sich der unterzeichnete Direktor an der ersten Direktoren-Versammlung der Provinz Hessen-Nassau in Cassel.

Die Dauer der Ferien war folgende: Pfingsten: Samstag, den 3. Juni bis Montag, den 12. Juni; Sommer: Samstag, den 22. Juli bis Montag, den 21. August; Herbst: Sonntag, den 8. Oktober bis Mittwoch, den 18. Oktober; Weihnachten: Freitag, den 22. Dezember bis Mittwoch, den 3. Januar. Infolge der großen Hitze mußte wâhrend des Sommers der Unterricht mehrmals von 12 Uhr ab, zuweilen sogar von 11 Uhr ab ausgesetzt werden. Im Januar und Februar wurden mehrere Nachmittage zum Eislaufe freigegeben. Am 18. Mai wurden von sämtlichen Klassen Schulausflüge veranstaltet, teils nach dem Rhein und der Nahe, teils nach dem Spessart, der Bergstraße und dem Taunus. Auch der WandervereinWander- vogel unternahm kürzere und längere Wanderungen.

Die Erinnerung an den Tag von Sedan wurde am 2. September in herkömmlicher Weise durch einen öffentlichen Festakt begangen, wobei der Oberprimaner Schmitt einen Vortrag hielt überMoltke.

Am 30. September wurde in den einzelnen Klassen des 100 jährigen Geburtstags Ihrer Majestät der Hochseligen Kaiserin und Königin Augusta gedacht. Am 27. Januar beging die Anstalt unter zahlreicher Beteiligung die Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers