Jahrgang 
1909
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Und endlich mußte sich Prof. Müller am 15. Januar einer Blinddarmoperation unterziehen die ihn für den Rest des Schuljahres verhinderte seinen Dienst aufzunchmen. Die Religions- stunden des Oberlehrers Bellinger wurden mit Genehmigung des Königl. Provinzial-Schul- kollegiums und mit Zustimmung des Bischöflichen Ordinariats in dankenswerter Weise von den Kaplänen Eufinger und Hippacher übernommen; seine französischen Stunden wurden dem Kandidaten des höheren Lehramts Franzen aus Frankfurt a. M. übertragen. Zur Vertretung des Prof. Müller wurde von der vorgesetzten Behörde der Kandidat des höheren Lehramts Dr. Schäfers der Anstalt überwiesen. Es wurden hierdurch mannigfache Ver- schiebungen in der Unterrichtsverteilung notwendig, wie sie aus der vorgedrucktenUber- sicht über die Unterrichtsverteilung im Winterhalbjahr ersichtlich sind.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. Dezember bis zum 6. Januar.

Am 27. Januar beging die Anstalt unter äußerst zahlreicher Beteiligung der Be- hörden, sowie der Eltern unserer Schüler und sonstiger Freunde der. Schule die Feier des Geburtstags Sr. Majestät des Kaisers und Königs in herkömmlicher Weise mit Ge- sang, Deklamationen und Vorträgen des Schülerorchesters. Die Festrede hielt Oberlehrer Schlegel über die Bedeutung der Araber. Auch in diesem Jahre war auf Befehl Sr. Majestät der Anstalt ein Werk als Prämie verliehen worden, Bohrd, deutsche Schiffahrt in Wort und Bild, außerdem hatte der Herr Minister der geistl. usw. Angelegenheiten 2 Exemplare von Berner, Geschichte des Preußischen Staates, der Anstalt überwiesen. Im Anschluß an den Festakt wurde das erstgenannte Werk dem Oberprimaner Hofmann, die beiden anderen dem Oberprimaner Schubert und dem Schüler der ersten Realschulklasse Flick von dem Direktor mit einer kurzen Ansprache überreicht.

Am 7. Februar wurde von Schülern der Anstalt, hauptsächlich der Unterprima, Paul Heyses historisches SchauspielKolberg aufgeführt und von dem überaus zahlreich erschie- nenen Publikum mit großem Beifall aufgenommen. Prof. Dr. Sieke hatte die Einübung des Stückes übernommen und mit nie erlahmendem Eifer durchgeführt und sich dadurch um das Gelingen der Aufführung besonders verdient gemacht; ihm gebührt der Dank der Anstalt in vollem Maße. Auch Frau Direktor Blecken, die die Güte hatte, einigen Proben beizu- wohnen und wertvolle Winke für das Zusammenspiel und die bühnengerechte Aufführung zu geben, sowie den beiden Damen, die durch ihre freundliche Mitwirkung die Aufführung des Stückes ermöglichten, Fräulein von Achenbach und Fräulein Ebert, sei an dieser Stelle nochmals der aufrichtige Dank der Anstalt ausgesprochen. Der Reinertrag der Auf- führung wurde dem Verein für das Deutschtum im Auslande überwiesen.

Die schriftliche Reifeprüfung fand vom 5. bis zum 10. Februar statt; es unter- zogen sich derselben 12 Oberprimaner. Die mündliche Prüfung wurde am 17. März unter dem Vorsitz des mit den Geschäften des Königl. Kommissars beauftragten Direktors und in Gegenwart des Herrn Bürgermeisters Palleske als Vertreters des Kuratoriums abgehalten. Sämtlichen 12 Oberprimanern wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt, darunter 5 Prüflingen unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.

Die Schlußprüfung an der Realschule, die am 23. März unter dem Vorsit⸗ des Direktors stattfand, bestanden 20 Schüler der ersten Klasse.

Wie im vorigen Winter, veranstaltete auch in diesem das Streichorchester des Gym- nasiums unter Leitung des Vorschullehrers Linder eine musikalische Abendunterhaltung, die sich des Beifalls der zahlrcichen Hörer zu erfreuen hatte. Herr Linder, der sich mit lebhaftem Interesse und regem Eifer der Pflege des musikalischen Sinnes unter den Schülern annimmt, darf des Dankes der Anstalt versichert sein. Auch ist es mir eine angenehme Pflicht, Fräulein Lotti Blecken und Fräulein von Achenbach für ihre liebenswürdige Mitwirkung den verbindlichsten Dank der Anstalt auszusprechen.

Im vorigen Jahresberichte hatte der Unterzeichnete an dieser Stelle den städtischen Kollegien den Dank der Anstalt abgestattet für den Beschluß, die Turnhalle umzubauen und in Verbindung damit dem schon lange vorhandenen Bedürfnis einer der Größe der Anstalt entsprechenden Aula durch den Neubau einer solchen abzuhelfen, wodurch zugleich neue Räâume für die Erfordernisse des Unterrichts gewonnen werden sollten. Seine Hoffnung, in