— 1
3. UÜbersicht über die während des abgelaufenen Schuljahres erledigten Lehraufgaben.
A) Hauptanstalt.
I. Gymnasium. Oberprima.
Ordinarius: Der Direktor.
1. Religionslehre. 2 St. a) evangelische: Glaubens- und Sittenlehre im An- schluß an ausgewählte Schriftabschnitte des N. T. und die Confessio Augustana. Wiederholung der Kirchengeschichte, insbesondere Reformationsgeschichte und neuere Zeit. Gelesen(nach dem Urtext) der Römerbrief. Schmitt.— b) katholische: Die christliche Sittenlehre. Dazu Wiederholung der Apologetik und der Glaubenslehre. Kirchengeschichte: Die christ- liche Neuzeit, dazu Wiederholung der wichtigsten Ereignisse aus dem Altertum und dem Mittelalter. Bellinger.
2. Deutsch. 3 St. Lessings Nathan der Weise. Shakespeares Julius Cäsar und Macbeth. Goethes Leben und wichtigste Werke; Dichtung und Wahrheit; seine Gedankenlyrik; Tasso. Kleists Prinz von Homburg. Zusammenfassende Rückblicke auf die Arten der Dich- tung. Philosophische Propädeutik: Begriff, Urteil, Schluß. Uebungen im Disponieren von Aufsätzen. Gelegentliches Auswendiglernen von Stellen aus Dichtungen. Uebungen in frei- gesprochenen Berichten. Martin.
Themata der Aufsätze. 1. Inwiefern läßt sich auf Markus Brutus in Shakespeares„Julius Cäsar“ das Dichterwort anwenden:„Ein anderes Antlitz, eh' sie geschehn, Ein anderes zeigt die vollbrachte Tat“? 2. Warum ist Schiller der Liebling des deutschen Volkes? 3.„Unglück selber taugt nicht viel, doch es hat drei gute Kinder: Kraft, Erfahrung, Mitgefühl“(Klassenaufsatz). 4. Welches Bild entwirft uns Goethe in Dichtung und Wahrheit von seinem Vater? 5. Inwiefern wirkt
der dramatische Dichter sittlich bildend? 6.„Der Uebel größtes ist die Schuld“(Klassenaufsatz). 7.„Wenn ich nicht wirke mehr, bin ich vernichtet“.
Aufsatz der Reifeprüfung Herbst 1906. Warum hat der Deutsche Grund, auf seinen Namen stolz zu sein?
Aufsatz der Reifeprüfung Ostern 1907. Inwiefern können glücklich bestandene große Gefahren eine Wohltat für die Völker werden?
3. Latein. 7 St. Horaz, Oden III—IV, Satiren und Episteln mit Auswahl.(2 St.) Bis Ende August Hafner, darauf Brötz. Ciceros Briefe mit Auswahl; Tacitus, Germania und Annalen III—IV mit Auswahl. Privatlektüre und Extemporierübungen nach Livius. Grammatische Wiederholungen und Uebungen im mündlichen Uebersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische. Zusammenfassung und Ergânzung früher gelernter Phrasen und synony- mischer Unterscheidungen. Alle 14 Tage eine Uebersetzung ins Lateinische als Klassenarbeit,
in jedem Vierteljahre eine Uebersetzung aus dem Lateinischen ins Deutsche als Klassen- arbeit.(5 St.) Brötz.
4. Griechisch. 6 St. Homer, Ilias XV— XXIV mit Auslassungen; Sophokles, König Oedipus; Thukydides, Auswahl aus Buch II—IV; Plato, Apologie. Alle 2—3 Wochen eine Uebersetzung aus dem Griechischen ins Deutsche als Klassenarbeit oder eine Hausarbeit aus dem Deutschen ins Griechische. Grammatische Wiederholungen. Hafner.


