Jahrgang 
1898
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Zu derselben Zeit wurde Kaplan Jestädt, der vom 1. Februar 1894 bis Ostern 1897 an der Anstalt als Religionslehrer thätig war, als Pfarrer nach Steinhaus bei Fulda berufen. Auch er erfreute sich der Hochachtung der Lehrer und der Liebe seiner Schüler, und unsre besten Wünsche begleiten ihn in sein neues Amt.

Das neue Schuljahr begann Montag den 26. April mit der Aufnahmeprüfung.

Dienstag den 27. April wurden die neu eintretenden Schüler nach der Morgenandacht von dem Unterzeichneten mit der Schulordnung bekannt gemacht und zu deren Befolgung sowie überhaupt zu pünktlichem Gehorsam durch Handschlag verpflichtet.

Montag den 2. Mai wurde der Kandidat des höhern Schulamts Franz Pellens vor der versammelten Schulgemeinde in sein Amt(vergl. Verfügungen S. 24) eingeführt und an demselben Tage vor dem Lehrerkollegium von dem Unterzeichneten vereidigt.

Am 4. Mai trat der an Stelle des jetzigen Herrn Pfarrers Jestädt(vergl. Ver- fügungen S. 24) mit der Erteilung des katholischen Religionsunterrichts an der Anstalt be- auftragte Kaplan Löbbel seine Thätigkeit an.

Am 15. Juni wurde in herkömmlicher Weise des Heimgangs weiland Kaiser Friedrichs III. gedacht. Die Ansprache hielt Oberlehrer Winchenbach.

Am 24. Juni beehrte Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident Magdeburg die An- stalt mit seinem Besuche. Er besichtigte alle Klassenzimmer, die Aula, die Turnhalle, die Badeanstalt und den vor der Stadt liegenden Spielplatz.

Mittwoch den 30. Juni und Donnerstag den 1. Juli machten 110 Schüler der oberen Klassen in Begleitung des Direktors und fünf andrer Lehrer eine Turnfahrt nach dem Thüringer Wald. Der Weg führte über Eisenach, die Wartburg, die Hohesonne, den Hirsch- stein, den Alexanderturm nach Ruhla, wo in dem die herrlichste Aussicht gewährenden Gasthof Bellevue Nachtquartier genommen wurde. Am andern Morgen ging es zum Insels- berg, dann durch den Thorstein, den Lauchagrund nach Großtabarz, wo der Wirt zum Schießhaus gegen mäßigen Preis ein vortreffliches Mittagsmahl für uns bereit gehalten hatte. Von Großtabarz führte der Weg über die Marienhöhle, die von allen Schülern besucht wurde, nach Friedrichroda und von dort über Fröttstedt und Eisenach nach Hersfeld zurück. Die Turnfahrt verlief in allen Beziehungen in durchaus befriedigender Weise und wird allen Teilnehmern als ein Höhepunkt im Schulleben in angenehmster Erinnerung bleiben.

Die Sommerferien dauerten von Sonnabend dem 3. Juli bis Montag den 2. August.

Am 1. August erwiesen Lehrer und Schüler der Anstalt dem am 29. Juli verstorbenen Oberlehrer a. D. Oheim die letzte Ehre. Es trat auch bei diesem betrübenden Anlaß wieder zu Tage, wie großer Liebe und Anhänglichkeit der Heimgegangene auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amte sich bei den Kollegen und seinen Schülern erfreut hatte.

Vom Wiederbeginn des Unterrichts bis zum 11. September war Oberlehrer Stern zu einer Dienstleistung einberufen und wurde während dieser Zeit in der Mehrzahl seiner Stunden von dem Wissenschaftlichen Hülfslehrer Pellens vertreten.

Am 13. August verstarb in Bebra bei seinen Eltern der Unterprimaner Julius Vaternahm nach langen und schweren Leiden. Eine Abordnung seiner Klassengenossen unter Führung einiger Lehrer geleitete ihn zu Grabe. Er war stets ein braver Schüler und ein