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Die Gedenktage wurden mit Gesang und festlichen Ansprachen der Gymnasial- lehrer Kraatz, Winchenbach und Burhenne geſciert.
Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen befriedigend. Leider läßt sich in betreff des Gesundheitszustandes der Lehrer nicht dasselbe sagen. Abge- sehen davon, daß mehrere Lehrer häufiger einen oder einige Tage durch Krankheit am Unterricht verhindert waren, mußte schon 14 Tage nach Beginn des Schuljahres Gym- nasiallehrer Oheim dem Unterzeichneten erklären, daß es ihm unmöglich sei, den ihm übertragenen Unterricht durchzuführen. Er wurde daher von allen Stunden mit Ausnahme der griechischen in Untersekunda entbunden. Die IV a wurde im Lateinischen und
Deutschen mit der IV'b zusammengelegt, die Geschichtsstunden— 3 in II 2 a und 3 in VI— hatte schon vorher Kandidat Jensen übernommen. Im Laufe der Zeit konnte
er einen Teil der Stunden wieder selber geben. Doch ist sein Gesundheitszustand immer noch so, daß er großer Schonung bedarf.
Gegen Ende November wurde Oberlehrer Bender von einer schweren Krankheit ergriffen, welche den anscheinend so kräftigen Mann in der Vollkraft seines Alters inner- halb weniger Wochen zum Tode führte. Am 13. Dezember erlag er seinen Leiden. Am folgenden Montag nach der Morgenandacht hielt ihm der Unterzeichnete vor der versam- melten Schulgemeinde eine Gedächtnisrede, und am 16. gab die ganze Anstalt dem Hin- geschiedenen das letzte Geleite.
Der Hingang des Oberlehrers Bender wirkte wahrhaft erschütternd; denn wenn man auch wußte, daß seine Krankheit eine schwere sei, so dachte doch niemand daran, daß sie zu so betrühendem Ausgang führen würde.
Nur 44 Jahre alt war der Verstorbene geworden. Er wurde geboren den 2. Mai 1846 zu Kirberg, wo sein Vater Gutsbesitzer war. Im Juni 1870 bestand er— nachdem er ein halbes Jahr, von Herbst 1868 bis Ostern 1869, mit Versehung einer Lehrerstelle am Gymnasium zu Wiesbaden betraut gewesen war— zu Marburg die Oberlehrerprüfung, genügte von Herbst 1870 bis Herbst 1871 seiner Militär-Dienstpflicht und trat im Herbst 1871 als candidatus probandus am Gymnasium in Kassel ein. Schon zu Ostern 1872 an das hiesige Gymnasium berufen, hat er demselben ohne Unterbrechung bis zu seinem Tode seine Dienste gewidmet.
Während dieser langen Reihe von Jahren ist die Anstalt ihm großen Dank schuldig geworden. Zwar war ihm nicht die glückliche Gabe verliehen, durch die Art seines Ver- kehrs mit der Jugend, durch Vertrauen in ihre Offenheit und ihr Pflichtgefühl sowie durch Heiterkeit des Geistes, sich leicht die Liebe seiner Schüler zu gewinnen. Sehr schwere Schickungen hatten seine ganze Jugendzeit zu einer außergewöhnlich ernsten und freud- losen gestaltet und seinem ganzen Wesen den Stempel der Strenge und der Zurückhal. tung aufgeprägt. Selten nur ließ er andere als seine nächsten Angehörigen ahnen, daß


