Jahrgang 
1875
Einzelbild herunterladen

10

Denen dankbar, welche dafür mitwirken. Zu bedauern bleibt aber, daß die Schule keine eigene Fonds beſitzt, auf welche ſie ſich ſtützen kann; und bei der Ungunſt der Verhältniſſe und bei der Mißgunſt Einzelner, mit welcher die Anſtalt zu kämpfen hat, könnte man nei⸗ diſch werden, wenn man hört, wie anderwärts das Schulweſen warm gepflegt wird, und wie bereitwillig freigebige Hände ſich aufthun um Schulfonds zu gründen, wo keine ſind.

Indeß dankbar muß die Anſtalt ſchon allen Denen ſein, welche ihr auch Nichts weiter als ihre warme Sympathie zuwenden. Es iſt ja keine Frage, daß eine höhere Schule für Herborn ein Bedürf⸗ niß iſt. Und wenn es Hände gäbo, die ſie heute niederreißen woll⸗ ten, es würde andere geben, die ſie morgen wieder aufbauten.

Es iſt freilich wahr, daß ſich die Schule nicht ſelbſt unterhal⸗ ten kann. Aber diejenigen täuſchen ſich, welche eine beträchtliche Er⸗ ſparniß beim Verſchwinden der Realſchule glauben machen zu können.

Geſetzt, die Realſchule würde beſeitigt, die unmittelbare Folge würde ſein, daß der Staatszuſchuß zurückgezogen und die Zahl der Elementarlehrer und die Ausgabe für die Elementarſchule vermehrt würde.

Um der kleinen Erſparniſſe willen, welche dabei vielleicht her⸗ auskommen könnte, der Realſchule den Untergang zu wünſchen, wer⸗ den ſelbſt Diejenigen Bedenken tragen, welche nichtz weniger als Gönner derſelben ſein mögen.

Herborn war ehemals eine Stadt blühenden Schulweſens. Ne⸗ ben einer Knaben⸗ und Mädchenſchule beſtand eine lateiniſche Schule, und ein Pädagogium bereitete auf die ſeiner Zeit blühende Univer⸗ ſität vor.

Wer ſchaut jetzt von den umliegenden Höhen auf die Stadt herab, ohne daß ihn wehmüthige Gefühle beſchleichen, wenn er der Zeiten gedenkt, wo in den Straßen dieſer Stadt lernbegierige Jüng⸗ linge wandelten, die von nah nnd fern herbeiſtrömten, um hier welt⸗ berühmten Lehrern zu Füßen zu ſitzen.

Solche Zeiten ſind vorbei.

Aber wer möchte dieſe Stadt zum Dorf herabſinken ſehen! Und wenn bekannt iſt, daß allerwärts in großen urd kleinen Städten der Sinn für Förderung der Schule ſich hebt, wenn es keinem Zwei⸗ fel unterworfen iſt, daß die Anſprüche an junge Leute hinſichtlich ihrer Bildung von Taa zu Taa wachſen, daß bei der Ueberfüllung