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Mit Ende des Sommerhalbjahres ward Herr Prof. Gießelmann auf seinen Wunsch an das Gymnasium zu Hersfeld versetzt. Die besten Wünsche begleiteten den lieben Kollegen. Seinen Unterricht übernahm der Kandidat des höh. Lehramts Dr. Hermann Widmann bis Ostern 1908.
Da die wöchentliche Stundenzahl des Prof. Dr. Otto auf 12 herabgesetzt wurde, erteilte vom 11. Nov. 1907 bis 31. März 1908 Seminarkandidat Dr. Braum aus Frank- furt diese 12 Stunden, sowie anderen Unterricht, während der über das Haus Ottos ver- hängten Sperre auch griech. Unterricht in OIII.
7. Die erledigte seither durch Aushilfe versehene Stelle des Schuldieners wurde am 1. Okt. 1907 den Bestimmungen gemäß dem Militäranwärter Robert Sliwitzki über- tragen.
8. Unter der außergewöhnlich ungünstigen Witterung, die das ganze Jahr hindurch herrschte, litt der Gesundheitszustand bei den Schülern und den Lehrern. Im Winter gesellte sich zur Influenza das Scharlachfieber, an dem 4 Schüler der Klassen UI. UII u. OIII erkrankten. Am 24. Febr. fehlten 31 Schüler, davon aus UII 9, aus UIII S8, also rund 32% bezw. 30% in diesen Klassen. Am 4. März erlag der Untertertianer Joseph Corvers aus Rüdesheim den Folgen der Influenaa. Um den durch und durch braven, ebenso liebenswürdigen als gewissenhaften Knaben trauerten mit den hartge- prüften Eltern, die in ihm ihren einzigen Sohn verloren, die Kameraden, deren Lieb- ling er war, und alle seine Lehrer. Am 6. März geleitete die Schule den Entschlafenen zur Bahn, bei der Beisetzung in der Heimat erwiesen ihm sein Religionslehrer Herr Regens Dr. Hilfrich, zugleich als Vertreter des Gymnasiums, und eine Anzahl von Alum- nen des Konvikts die letzte Ehre. Tags darauf wohnten sämtliche katholischen Lehrer und Schuler der Anstalt dem von Herrn Professor Dr. Bertram zelebrierten Seelenamte bei; vor dessen Beginn gedachte er in warmen Worten des lieben Schülers, dessen Abberufung aus dem Lenze des Lebens alle mahne, an das Seelenheil zu denken.
Das Scharlachfieber ergriff auch den einen Sohn des Herrn Professors Dr. Otto, der, da die vorgenommene Trennung nicht für ausreichend erklärt wurde, auf Anordnung der zuständigen ärztlichen Behörde vom 6. Febr. an die Schule nicht mehr betreten durfte bis zum 23. März.
Da auch andere Lehrer erkrankten, mußten zeitweilig zugleich 2, ja 3 Herren ver- treten werden. Die Lehrer hielten sich aus Pflichteifer aufrecht, so lange sie konnten und mehrere hatten es zu büßen, daß sie im Hinblick auf die Notlage wieder zu früh den Dienst aufnahmen. Besondere Anerkennung verdient die Bereitwilligkeit u. Unverdrossen- heit. mit der die erst in das Kollegium eingetretenen Kollegen den Direktor durch Ubernahme von Vertretungsstunden unterstützten. Es fehlten: 3.— 8. Juli Prof. Stemmler als Geschworener; v. 8.— 19. Juli Prof. Dr. Bertram(zur Erholung beurlaubt); 2. Inli nachmittags Oberlehrer Dr. Schmitthenner wegen einer notwendigen Reise; am 15. Juli Lehrer Krekel wegen Beteiligung bei einem Turnfest als Kampfrichter; v. 26. bis 28. Sept. Oberlehrer Bosing wegen Krankheit; am 18. u. 19. Okt. Prof. Stemmler wegen Sterbfalls in der Familie; am 16. Nov. und zum Teil am 18. u. 22. Nov. Prof. Gund- lach wegen Unwohlseins; 11. Dez Lehrer a. G. Krekel wegen notwendiger Reise; am 13. Dez. Lehrer a. G. Rentz wegen Unwohlseins; am 6. Febr. Oberlehrer Weißenstein wegen Unwohlseins u. Prof. Dr. Otto wegen Ausbruchs des Scharlachs in seiner Familie; am 14., 15., 18., 19. 20. Kandidat Dr. H. Widmann wegen Krankheit; am 27., 28., 29. Febr. Prof. Stemmler wegen Erkrankung; am 28. auch Prof. Hesse; am 4. März z. TI. Prof. Stemmler, vom 30. März nachmittags an Prof. Gundlach wegen Krankheit.
Unter diesen betrübenden Zuständen war es höchst bedauerlich, daß Dr. Jung vom 3. März an bis zu Ende des Schuljahres zu einer achtwöchigen militärischen Ubung ein- gezogen wurde. In der Woche vom 3. März bis 7. März mußten also Prof. Otto und Dr. Jung vertreten werden. Vom 9. März an erfuhr der Lehrverteilungsplan u. der Stundenplan abermalige Aenderung und wieder vom 1. April an.


