Jahrgang 
1907
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Desgleichen erhielten bei der Sedanfeier und nach Neujahr die Schüler Ferdinand Weier(OII), Joseph Berg(UII), Johann Duchscherer(OIII), Karl Rieth(OIII), Peter Dahlen(UIII) und Alois Hartmann(CIII) Bücher, welche das Königliche Provinzial- schulkollegium der Anstalt als Preise zugewiesen hatte.

Am 19. Juli empfing das Gymnasium als Anerkennung für die von Schülern der Anstalt aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares(27. Febr. 1906) aus eigenem Antriebe bekundete vaterländische Gesinnung durch Gnade Seiner Majestät ein Gedenk- platt mit der Allerhöchsteigenhändigen Namens-Unterschrift zum Geschenke; der Direktor pat das Ober-Hofmarschall-Amt, dem Allerdurchlauchtigsten Spender den ehrfurchtsvollen Dank des Gymnasiums zu übermitteln..

6. Im Laufe des Jahres erhielten wieder mehrere Lehrer der Anstalt den Professor- titel und den Rang der Räte vierter Klasse, Oberlehrer Dr. Heinrich Otto(12/6/06 u. 28/6/06), Oberlehrer Herm. Gießelmann(18/12/06 u. 21. Jan. 1907).

Der wissenschaftliche Hilfslehrer Joseph Weißenstein!) wurde durch Bestallung vom 1. Juni zum Oberlehrer ernannt und zwar vom 1. April d. Js. ab.

In das Lehrerkollegium kehrte nach Beendigung des zu Studien und wissenschaft- licher Tätigkeit erteilten zweijährigen Urlaubs von Rom zurück Herr Kollege Otto.

Die durch den Tod des Herrn Professors Bosing*)(6. Okt. 1905) erledigte Ober- lehrerstelle wurde dem aus Beuthen in die Heimat zurückversetzten Oberlehrer Oskar Bosing am 1. April übertragen.

Sieben katholische Religionsstunden in den Klassen UIII bis VI übernahm Herr Konviktsregens Dr. theol. et phil. Hilfrich. ³)

Mit Ende des Schuljahres scheidet Herr Professor Borzucki aus dem hiesigen Lehr- kollegium, da er auf seinen Wunsch nach Schlesien berufen und zwar an das Kgl. Gym- nasium zu Leobschütz versetzt ist. Nur ungern sieht der Unterzeichnete den pflicht- treuen Lehrer, der 19 Jahre an der hiesigen Anstalt tätig gewesen ist, scheiden und vegleitet ihn zugleich im Namen der Kollegen mit den herzlichsten Wünschen für die Zukunft in die Ferne.

7. Der schon länger kränkelnde Schuldiener Paul Keller mußte am 9. April um Urlaub nachsuchen und erhielt diesen zunächst bis Ende Juni, dann bis zum 1. Oktober, worauf er, außerstand den Dienst wieder aufzunehmen, in den wohlverdienten Ruhestand trat, der dem schwer leidenden Greise keine Genesung brachte. Am 14. Jan. 1907 erlöste ihn der Tod von seinen Schmerzen. Am 16. d. M. geleitete die Schule ihn zur letzten Ruhestätte. Die treue Pflichterfüllung des braven Mannes, eines ehemaligen nassauischen Soldaten, hatte wiederholt die Anerkennung seiner vorgesetzten Behörde gefunden. Noch am 28. Sept. konnte der Direktor dem an das Schmerzenslager gefesselten Beamten im

Auftrage des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums das ihm von Seiner Majestät dem Kaiser

1) Joseph Weißenstein, geb. 6. Juli 1880 zu Dingelstädt(Eichsfeld) besuchte von Herbst 1893 bis Ostern 1900 das Gymnasium zu Heiligenstadt und studierte in Münster und Paris neuere Sprachen und Germanistik. Nach bestandenem Staatsexamen 30. Januar 1904 wurde er zur Ableistung des Seminarjah- res der Klinger-Oberrealschule in Prankfurt a/M und im Herbst desselben Jahres zur Vertretung eines Ober- lehrers der Oberrealschule zu Schmalkalden üherwiesen. Seit April 1905 ist er an hiesiger Anstalt tätig, erst als Probekandidat, seit 1. April 1906 als Oberlehrer.

2) Oskar Bosing, geb. 7. Febr. 1872 zu Fulda, Sohn des Gymnasialprofessors in Hadamar Joh. Franz Bosing, besuchte die Gymnasien zu Hersſeld u. Hadamar; studierte an den Universitäten Marburg und Berlin Philologie u. legte in Marburg 29. Jan. 1897 die Prüfung für das höhere Lehramt ab. Nach einjähriger Zugehörigkeit zum pädagogischen Seminar in Weilburg und nach Ableistung des Probejahres am Goethegymnasium zu Frankfurt a/ M.(1896 1898) wirkte er als wissenschaftl. Hilfslehrer an einer privaten höheren Schule in Hamburg sowie am Gymnasium zu Limburg, bis er am 1. April 1903³3 als Oberlehrer an das Königl. Gymnasium in Beuthen 0/S berufen wurde. Auf seinen Wunsch ward er am 1. April 1906 an das hiesige Gymnasium versetzt.

3) Anton Hilfrich, Dr. theol. et phil., geboren 3. Okt. 1873 zu Lindenholzhausen, absolvierte das Gymnasium in Montabaur 1892, studierte zu Fulda und Rom Philosophie und Theologie, wirkte als Kap- lan zu Weilburg 1899, als Domkaplan zu Frankfurt a/M 1900 1902, und ist seit Ostern 1902 Regens des hiesigen Bischöflichen Konvikts.