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3. Übersicht der während des Schuljahres 1896 97 behandelten Lehraufgaben.
Prima.
Ordinarius: Direktor Dr. Peters.
Religionslehre: a) kath.: Sittenlehre. Zusammen- fässende Wiederhol. aus d. früheren Lehraufgaben. Lehrbuch von Dreher. 2 St. Dr. Bertram.
b) evang.: In der Klasse sass kein evang. Schü- er.
Deutsch: a) Häusliche u. Klassenaufsätze. Vor- iräge über Leben u. Werke v. Dichtern. b) Lebens- bilder aus der deutschen Litteraturgeschichte vom Be- ginn des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. ) Schullektüre: Lessings Laokoon, Goethes Jphigenie, einige Oden Klopstocks, Schillers Gedankenlyrik. Pri- vatlektüre: Shakespeares Macbeth, Kleists Prinz v. Homburg. 3. St. Dr. Vomberg.
Taemata der Aufsätze: Wie verhalten sich Neid u. Nacheiferung?(I2)— Wie widerlegt Lessing den Vorwurf Voltaires, dass das Corneillische Stück Graf Essek gegen die hist. Wahrheit verstosse(Ii.)— Aus welchen Gründen durften die rhodischen Künstler den Laokoon nicht schreiend darstellen? Wie gelingt es Okt. Piccolemini, Jsolani u. Buttler zum Abtall von Walleustein zu bewegen’— Walleustein u. Macbeth— Dass wir Menschen uur sind, der Gedanke beuge das llaupt dir ete.— Hat Homer recht, wenn er sagt: Der Tag der Knechtschaft raubt dem Manne die Hälf- ie seiner Tugend-— Die gelinde Macht ist gross.— Welche Bedeutung hat der erste Monolog Jphig. für das ganze Drama?
Tnema fr die schriftliche Reifeprüfung: Welchen Einfluss pflegen grosse Gefahren auf die Entwicklung der Völker auszuüben?
Latein: a) Hor. carm. I u. II. Epist. u. Epod. mit Ausw. Uebung im unvorbereiteten Uebersetzen. Aus- wendiglernen einzelner Gedichte u. Stellen. 2 St.
Dr. Vomberg.
b) Tac. Ann. I. Cic. epist. Ausw.— Inhaltsanga- ben, Uebungen im unvorbereit. Uebers. aus Liv. XXI. Ableit. stilist. Lehren u. synon. Begriffe. 3 St.) Wie- derh. aus d. Gramm: Temporn und Modi. 1 St. d) Ue- bersetzungen ins Lat. nach Dikt. alle 14 Tage als Klassen- od. Hausarb. 1 St. Der Direktor.
Griechisch: a) Thuc. l. VI. Plat. Protag. b) Hom. II. XIX— XXIV, XIII— XIV mit Ausw. Memorieren einzelner Stellen.— Soph. Oed. tyr.— Gelegentl. gramm. Wiederh. c) Schriftl. Uebersetz. aus d. Griech. in d. Kl. alle 4⸗Wochen. 6 St. Der Direktor.
Französisch: a) Molière, le Misanthrope; Guizot, Washington; Leitritz. la France. b) Zweiwöchentl. Klassenarbeiten. Uebersetzen in das Deutsche u. Dik-
tate. 2 St. Dr. Bertram. Engliscn: Syntax nach Deutschbein§ 73— 109;
26— 40. Uchung im Uebersetzen. Jrving— Macaulay-
Lescbuch: Selections from the Sketch Book of Wa-
shington Jrving. Dikens: A Christmas Carol. 2 St. Dr. Vomberg.
Hebräisch: Beendig, u. Wiederhol. der Formen-
lehre, bes. der schwachen Verba. Ausgew. Abschnitte- aus der hl. Schrift. 2 St. Dr. Bertram.
Geschichte: Deutsche Geschichte bis zum 30 jähr. Kriege. Lehrbuch: Pütz-Cremans. 3 St. Hillebrand.
Matnematik: a) Arithmet.: Zinseszins- und Ren- tenrechnung. Die imaginären Grössen. Binomischer Lehrsatz. b) Planimetrie: Wiederh. und Uebungs- aufg. Der Koordinatenbegriff. c) Trigonometrie: Abschluss derselben. d) Stereometrie. Lehrbücher:
Koppe und Heis. 4 St. Hesse. Pnyslk: Meschanik. Rep. aus der Elektricität. Lehr- buch: Krebs 2 St. Hesse.
Aufgaben füur d. schriftl. Reifeprüfung:
1) Jemand hat eine Erbschaft von s= 30 000 M ge- macht, die aber erst nach Verlauf von 10 Jahren fällig ist. Er wünscht statt derselben sofort 25 Jahre hindurch eine am Antange eines jeden Jah- res zahlbare Renteer zu beziehen. Wie hoch ist diese, wenn der Zinsfuss p= 3 1³½% ist?
2) Ein Dreieck zu zeichnen aus: a, b † c, a.
3) Ein Dreieck zu berechnen aus s= 464m, G—= 570 0 47„, 9= 63m.
4) Eine eiserne Hohlkugel, welche einen Durchmesser 2r= 8em hat, wird auf Wasser geworfen und sinkt bis zur Hälfte ein. Wie stark ist die Dicke der Wandschicht, wenn das sp ecifische Gewicht des Eisens s= 7 1½2 ist?
Ober-Sekunda.
Ordinarius: Hillebrand.
Religionslehre: a) kath.: Glaubenslehre, nach Dreher; eingehende Daurchnahme der Controversleh-
Professor
ren. 2 St. Dr. Bertram. b) evang.: Confessio Augustana. Brief aun die
Römer. 2 St. Spiess. Deutsch: Einzelnes aus d. Poetik. Literaturge-
schichtl. Uebersicht, altdeutsche Proben, Nibelungen- lied im Auszug neu-hochdeutsch, einiges über Edda. Gudrun, Gralssage, Woltram v. Eschenbach, Walther v. d. Vogelweide mit Proben; dann Egmont u. Wal- lenstein gelesen. Dispositionsäbungen, Aufsätze u. kleine Vorträge. 3 St. Hillebrand.
Tnemata f. d. Aufs itze: 1. Das Buch heutzutage. 2. Lob der Erdkunde. 3. Welche vorteilhaften u. welche nachteiligen Wirkungen hatten die Perserkrie- ge für Athen? 4. Benehmen, Aufnahme d. Behandlung der Fremden u. Gäste im Nibelungenliede. 5. Hoff- nung belebt und spornt an, täuscht aber auch und verleitet. 6. Wate im Gudrunliede mit vergleichen- der Berücksichtigung des Hagen von Tronge im Ni- belungenliede. 7. Die verschiedenen Lebenszwecke der Studierenden. 8. Warum sollen wir klein und warum auch gross von uns denken?
a) Verg. Aen. III, IV, VI. 2 St.
Im S. Hillebrand, i. W. Bosing.
b) Liv. XXVI mit Auswahl; Cic. pro Lig. u. pro Deiot.;, Sall. bell. Jug. Memorieren einzelner Stellen.-
Lateln:


