Aufgaben für die schriftliche Reifeprüfung: a. der hiesigen Aspiranten:
1. Ein Kapital von 20000 M, welehes zu 4% auf Zin-
seszinsen steht, soll in eine 20 Jahre lang jährlich
zu zahlende Rente verwandelt werden. Wie gross wird diese sein? Vorher Entwickelung der Formel für den gegenwärtigen Wert und daraus für die
Rente.
Die Peripherie eines Kreises mit dem Radius r
5 cm sei im Verhältnis von 3: 4: 5 geteilt und
zu den Bogen seien die zugehörigen Sehnen ge-
zogen. Es soll der Radius p des dem entstandenen
Dreieck einbeschriebenen Kreises berechnet werden.
3. Bei einem schiefen Cylinder sei die Seitenlinie s= 60 em, ihr Neigungswinkel zur Grundfläche be- trage 19⁰ 28 17“ und der Umfang der Grund- fläche sei 5 mal so gross als die Höhe. Es soll die Kante eines Würfels berechnet werden, welcher mit dem Cylinder gleiches Volumen hat.
4. Von einem Parallelogramm ABCD sei gegeben: die Entfernung zweier gegenüberliegender Ecken A und C von einander, diejenige einer dritten Ecke B von der Mitte M einer der ihr gegenüber- liegenden Seiten, sowie die Entfernung h dieser Ecke und Seite von einander. Das Parallelogramm zu konstruieren.
b. der Extraneer:
1. In einer arithmetischen Reihe sei das fünfte Glied 24, das zwölfte 59. Zu berechnen das erste Glied, die Differenz der Reihe, das zwanzigste Glied und die Summe der ersten zwanzig Glieder. Zuvor Entwickelung einer Formel für das nte Glied und die Summe der ersten n Glieder.
2. Die Seite s eines regulären Achtecks zu berechnen, wenn der Inhalt desselben 6495 dem beträgt.
3. Die Mantelflächen(Mund Ma) eines gleichseitigen Kegels und eines quadratischen Oylinders seien gleich gross. Zu bestimmen das Verhältnis der Radien(ri und ra) und der Volumina(VI u. Va).
4 Ein gleichschenkliges Dreieck zu konstruieren, von welchem gegeben sind: die Höhe uud die Mittellinie für eine Seite.
Physik: Mechanik.(Krebs' Leitfaden der Experi- mentalphysik für Gymnasien.) 2 St. Schenck.
Ober-Sekunda. Prof. Hillebrand'“
Ordinarius: Oberlehrer
: a. katholische: Glaubens- lehre(nach Dreher, II. Teil) Kirchengeschichte von Gründung der Kirche bis Bonifaz VIII. 2 St.
Dr. Bertram.
b. evangelische: Erklärung des Jacobusbriefes aus dem Grundtext. Lektüre und Inhaltsangabe der Lehrbücher und der prophetischen Bücher des A. T. Auswendiglernen etlicher Psalmen und wichtiger Stellen aus den Propheten. Schäfer II§ 20—§ 30. Kirchengeschichte bis zur Reformation und Refor- mationsgeschichte Deutschlands. Schäfer I§ 17—38. 2 St. Pfarrer Paul.
Deutsch: Einzelnes aus der Poetik und Stilistik, Dispositionsübungen, Aufsätze und kleine Vorträge.
Religionslehre
Lektüre und Erklärung der ersten vier Gesänge von Klopstocks Messias und der Jungfrau von Orleaus von Schiller. 2 St. Hillebrand.
Themata für die Aufsätze: 1. Lob der Berge. 2. Wie kam es, dass das Lateinische so lange Sprache der Gebildeten war? 3. Das Vorleben Dorotheens in Göthes Hermann und Dorothea. 4. Des Menschen Engel ist die Zeit. 5. Wie sind die Engel bei Klop- stock dargestellt? 6. Was waren dem Mittelalter die Burgen? 7. Sizilien lange ein vielumstrittener Zank- apfel. 8. Lebensgeschichte der Jungfrau von Orleans nach dem Prolog und dem ersten Akt von Schillers Drama. 9. Das Leben eine Schule. 10. Die Ent- wickelungsstufen der Schuld bei der Jungfrau von Orleans.
Latein: a. Verg. Aen. III, IV und V. 2 St.
Bosing.
Liv. XXX, 1—17; Cic. or. pro Sestio§ 1—71. 3 St.
b. Wiederholungen, hauptsächlich aus der Lehre von den Tempora und Modi; die Eigentümlichkeiten des Lateinischen im Gebrauch der Substantiva. Ad- jectiva, Pronomina u. Partikeln, sowie der Perioden- bau, nach Meiring-Fisch. 2 St.
c Mündliches Uebersetzen ins Lat. nach Süpfle II. Wöchentliche Exercitien oder Extemporalien. Unge- führ monatlich ein Aufsatz. 1 St. Hillebran d.
Themata, für die Aufsätze: 1. De bello Samni- tico primo(Liv. VII, c. 30— 38). 2. De eo, quod Cae- sar adversus Venetos gessit, bello. 3. Quae de Calli- cratida a Xenophonte tradantur(Hellen. I, 6). 4. De Syphace a Scipione victo et capto.(Liv. XXX.) 5. Oratio Appii Claudii de pace cum- Pyrrho facienda dissuadentis. 6. De T. Manlio Torquato Latinorum victore. 7. CQur et quomodo CGlodium tribunum plebis a consulibus eius anni adiutum esse Cicero in ora- tione Sestiana dicat. 8. Quibus de causis Hannibal non potuisse Romanos vincere videatur. 9. Quibus artibus Romani usi sint in populis et gentibus subi- gendis.
Griechisch: a. Hom. Od. XIXVI. 2 8St. Bosing. Herod. VII, 1— 30; Xenoph. Memorab. III, cap. 1—11. 3 St.
b. Wiederholung der Casuslehre und der Präpo- sitionen, dann die Lehre von den Genera verbi, Tem- pora und Modi, nach Curtius. Exercitien oder Ex- temporalien nach Diktaten alle 14 Tage. Mündliches Uebersetzen nach Böhme. 2St. Hillebrand.
FPranzösisch: a. Lektüre: Racine, Athalie; Dau- det, ausgewählte Erzählungen. b. Grammatik;: Plötz, Lektion 66— 79; alle 14 Tage ein Exercitum oder Extemporale. 2 St. Dr. Betram.
Hebräisch: Die Anfangsgründe und das Wich- tigste aus der Formenlehre, besonders das starke Vèrb. Lektüre nach Seffer; kleine schriftliche Ue- bungen. 2 St Dr. Bertram.
Geschichte und Geographie: Geographie von Alt-Italien und römische Geschichte, Lehrbuch: Pütz. Repetitionen der wichtigsten Zahlen aus der deut- schen Geschichte. 3 St. Hillebrand.
Mathematik: a. Arithmetik: Logarithmen, Gleichungen zweiten Grades.(Koppe's Arithmetik, Heis' Aufgaben.) 2 St.


