I. Zur Geschichte des Gymunasiums.)
Mit dem laufenden Schuljahre ſchließt das hieſige Gymnaſium, ſeit ſeiner Reorganiſation im Mai 1844, ſeinen ſechſten Jahrescurſus ab. Die Schwierig⸗ keiten, welche die Organiſationsperiode einer ſolchen Bildungsanſtalt nothwendig mit ſich führt, ſind allmälig überwunden, und manche ernſte Sorge für Emporkommen und Beſtand derſelben macht ruhigerem Vertrauen für ihre Geſtaltung in der Zu⸗ kunft Platz. Mit Dank müſſen wir erkennen, wie es uns an Fürſorge und Schutz waltender Behörden nie gefehlt hat, nie an Vertrauen betheiligter Eltern, nicht an höherem Segen, unter dem zumeiſt das Gute gedeiht. So hängt, was Treffliches werden kann und ſoll, zunächſt vom tüchtigen Wirken der nächſten Kräfte ab, vom Geiſte der Lehrer und Schüler, der bei Erziehung und Unterricht mehr als ander⸗ wäͤrts dem Werke ſein Gepräge verleiht und ſeinen Werth.
Das Schuljahr wurde eröffnet den 23. April 1849 mit 195 Schülern und dauerte, mit Unterbrechung der vierwöchentlichen Herbſtferien und der Pfingſt⸗ und Weihnachtswoche, bis zum 22. März 1850.
Im Perſonalbeſtande der Lehrer gab es einige weſentliche Veränderungen: drei derſelben traten in andere Wirkungskreiſe über. Profeſſor J. W. Bellinger, welcher ſeit Frühjahr 1848 als gewähltes Mitglied der Naſſauiſchen Stände⸗ kammer ſeinen Dienſt am hieſigen Gymnaſium ausſetzen mußte, wurde im April 1849 ganz demſelben enthoben, und mit der Direction des Schullehrerſeminars in Idſtein proviſoriſch beauftragt. Profeſſor C. Halm folgte einer ehrenvollen Berufung des Königlich Bayeriſchen Miniſteriums in ſein vormaliges Vaterland, und erhielt als Rector in München die Leitung eines dritten neu zu errichtenden Gymna⸗ ſiums, an dem er zugleich als erſter Profeſſor wirkt. Sein Ueberzug geſchah im October, ſo daß wir ſeit Anfang des Winterſemeſters auch ſeiner gediegenen Wirkſamkeit
*) Eine Abhandlung iſt in Folge einer negativen höheren Verfügung nicht beigegeben. —— 1*


