Jahrgang 
1930
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Zur Geſchichte der Anſtalt.

Das Schuljahr begann am 15. April. Im Lehrkörper traten zunächſt keine Änderungen ein. Im Verlaufe des Schuljahres aber erlitt unſere Anſtalt einen ſchweren Verluſt. In der Frühe des 12. Dezember verſtarb ganz plötzlich und unerwartet an einem Herzſchlag Herr Studienrat Dr. Lenz. Er wirkte ſeit dem 1. Januar 1923 an unſerer Schule. Er war ein Lehrer von vor⸗ bildlicher Pflichttreue und Hingabe an ſein Amt. Voll Begeiſterung für ſeine Fächer, Deutſch und Geſchichte, ſuchte er in ſeinen Schülerinnen dieſelbe Liebe zum deutſchen Volk und Vaterland zu erwecken, die ihn beſeelte. Diejenigen, die mit ihm an unſerer Schule arbeiteten, betrauern in dem ſo früh verſtorbenen Amtsgenoſſen eine ſtarke Perſönlichkeit, einen aufrechten, geraden Charakter. In der Geſchichte unſerer Studienanſtalt wird ſein Name ſtets mit Ehren genannt werden.

Am Morgen des 16. Dezember, dem Tage der Beiſetzung des Herrn Dr. Lenz, fand in der Schule eine Trauerfeier ſtatt, bei der der Direktor des Entſchlafenen und ſeiner Verdienſte um die Schule gedachte. Am Nachmittag legte der Direktor dann im Namen des Kollegiums am Grabe einen Kranz nieder. Für die Oberſekunda, deren Klaſſenführer Herr Dr. Lenz geweſen war, ſprach eine Schülerin. Für unſere erſte Oberprima, die der Verſtorbene geführt hatte, legte Frl. stud. med. Karoline Lucius einen Kranz mit Worten dankbarer Verehrung nieder.

Im Laufe des Winterhalbjahres mußte zunächſt Herr Oberreallehrer Haber und dann Frl. Dr. Block einige Zeit dem Anterricht fern bleiben. Die durch den Tod des Herrn Dr. Lenz und die Erkrankungen nötigen Vertretungen übernahmen Frl. O. Weber, die Herren Dr. Füßler nnd Michell, z. T. auch Amtsgenoſſen.

Frl. Elſe Kutzner wurde der Charakter als Studienrätin verliehen.

Zur freiwilligen Beſchäftigung an unſerer Schule wurden die Studienaſſeſſoren Frl. Dr. Eliſ. Kredel, Frl. Ottilie Weber, Studienreferendar Michell und die techniſche Lehrerin Frl. Hedwig Emmel zugelaſſen.

Dem unſerer Schule angegliederten pädagogiſchen Seminar gehörten an: Frl. Dr. Weiß und die Herren Bauer und Pfaff.

Am 10. Februar fand unter dem Vorſitz des Herrn Staatsrats Block eine Staatsprüfung ſtatt, der ſich die Studienreferendare Frl. Dr. M. Challier und Frl. H. Döll unterzogen.

Zur Belebung des Anterrichts fanden auch in dieſem Jahre eine ganze Reihe von Lehr⸗ ausflügen und Beſichtigungen von induſtriellen Betrieben ſtatt. Das Muſeum und die Kunſt⸗ ausſtellung unſerer Stadt wurden regelmäßig beſucht. Am 8. Juni wurde die AusſtellungDer Menſch beſichtigt. Die Schülerinnen der oberen Klaſſen beteiligten ſich an den Vorträgen, die unſer Elektrizitätswerk über elektriſches Kochen und Bügeln veranſtaltete. Die von der Intendanz unſeres Stadttheaters veranſtalteten Aufführungen klaſſiſcher Werke wurden von unſeren Schü⸗ lerinnen gerne beſucht. Am 16. November hielt Herr Dr. Ritter, der Dramaturg des Theaters, einen einleitenden Vortrag zu Robert Guiscard und Demetrius, der großes Intereſſe erregte. Es iſt uns daher eine angenehme Pflicht, dem Vortragenden auch an dieſer Stelle zu danken.