wieder aufzunehmen und nur schweren Herzens konnte er sich dazu entschießen, um seine Pensionierung einzukommen, die ihm von Allerhöchster Stelle aus unterm 16. Oktober bewilligt wurde. Aus diesem Anlaß haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog allergnädigst geruht, ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. Um mit dem aus der Anstalt Scheidenden eine feierliche Abschiedsstunde zu begehen, fanden sich am 23. Oktober die Herren des Kuratoriums, die Lehrer und Schüler zusammen. Nach einleitendem Gesang wies der Unterzeichnete hin auf den Unterschied zu sonstigen Schulfeiern, auf den ganz anderen Charakter der jetzigen Stunde und ihre Bedeutung im Lebensgange des Gefeierten. Ihm, der nahezu 47 Jahre in dem edlen und hohen Beruf aufgegangen, der 30 Jahre lang in günstigen, aber auch leider dagewesenen trüben Zeiten der Anstalt dieser seine ganze Kraft gewidmet, gebühre der aufrichtigste Dank der Schule in vollem Maße. Zu den Glückwünschen, die der Unterzeichnete im Auftrag Großh. Ministeriums übermitteln dürfe, füge er diejenigen der Schule hinzu. Möchten dem Scheidenden nach harter, ernster Arbeit noch lange Jahre der Ruhe in Gesundheit und Wohlergehen beschieden sein. Herr Bürgermeister Zmmer, der Vorsitzende des Kuratoriums, dankte Herrn Hamburger sodann namens der Stadt für die lang. gjährigen, erfolgreichen Bemühungen im Dienste für die Schule und zum Wohle der Gemeinde. Von innerer Rührung ergriffen erklärte der Scheidende beim Rückblick auf seine amtliche Tätigkeit es als seine höchste Befriedigung, daß er sich sagen könne, gerne seinen Beruf ausgeübt und vor allem freudig und gerne gerade an unserer Anstalt gewirkt zu haben. Daher habe er immer den sehnlichen Wunsch gehegt, den Dienst wieder zu übernehmen und nur schweren Herzens habe er wegen seines Gesundheits- zustandes seine Pensionierung erbeten. Schmerzlich sei ihm der Abschied von den Kollegen und den Schülern; dem Wohle der ihm lieb gewordenen Schule gehöre auch fernerhin sein Herz. Mahnende Worte an die Schüler, die in ihm einen geliebten Lehrer verehren, bildeten den Schluß der ergreifenden Ansprache. Mit einem Schülerchor schloß die ernste, allen Beteiligten unvergeßliche Abschiedsstunde.
Leider durfte sich Herr Hamburger nicht allzu lange gesunden Wohlergehens erfreuen; denn gar bald setzte die alte Krankheit in erschwertem Maße ein. Wir wünschen dem verehrten Herrn eine baldige Genesung.
Eine Anderung in der Zusammensetzung des Lehrkörpers wurde durch das Ausscheiden des Herrn Hamburger nicht verursacht, da laut Verfügung Großh. Ministeriums vom 16. Oktober 1906 der bisherige Vertreter, Herr Kohlbach, zum Verwalter der von ihm seither versehenen Stelle ernannt wurde.
Mit Schluß des Schuljahres wird uns leider Fräulein Snan verlassen, nachdem sie seit Oktober 1905 die dritte, vorher von Herrn Lehrer Wagner innegehabte Stelle verwaltete. Sie wird einen Urlaub zum Aufenthalt im Ausland, zunächst in Frankreich, benutzen, um sich in fremden Sprachen weiter auszubilden. UÜber die künftige Besetzung ihrer Stelle ist noch keine Entscheidung durch Großherzogliches Ministerium getroffen.
Herrn Lehrer Roth an der Stadtschule, der seither den Gesangsunterricht an unserer Schule leitete, wurde wegen der erfolgten Angliederung der Sexta der Unterricht in Erdkunde in zwei Klassen übertragen.
Eine nicht unwesentliche Erweiterung erfolgte in dem Aufbau unserer Schule durch die von Großh. Ministerium am 19. März genehmigte Errichtung der erwähnten Klasse. Der für die Real- schulen des Landes bestehende Lehrplan ist auch für unsere Anstalt Vorschrift. Der seither erst in Quinta, also nach dem 4. Volksschuljahre erfolgte Eintritt unserer Schüler wirkte natürlich störend auf die Einhaltung des Lehrplanes. Denn der Lehrstoff der 4. Volksschulklasse, die unserer neuen Klasse entspricht, steht weit hinter dem einer Sexta zurück, sodaß seither das fehlende Pensum in den Bürgerschulklassen nachgearbeitet werden mußte. Dadurch wurde natürlich in den einzelnen Klassen das Pensum umfangreicher als im Plan vorgesehen und nur durch eine Mehrbelastung der Schüler konnte man die fehlenden Kenntnisse beibringen, wobei allerdings manchem schwächeren Schüler ein richtiges Mitarbeiten nicht gelang. Ein Vergleich des Lehrplanes der höheren Schulen und der Volksschulen zeigt im 4. Schuljahr einen nicht unbedeutenden Unterschied im Rechnen und Deutschen; außerdem fehlt an der Volksschule in diesem Jahre Zeichnen und das Einüben der lateinischen Schrift, die zum französischen Unterricht von vornherein nötig ist. Es war also im abgelaufenen Schuljahr das letzte Mal der Fall, daß ein Teil des für die Sexta vorgesehenen Stoffes erst in Quinta behandelt und dadurch wiederum ein Teil des Quintapensums nach den oberen Klassen verschoben wurde. Den bedeutenden Unterschied erkennt man daraus, daß in diesem Jahre die Quinta und Sexta teilweise denselben Lehrstoff in Deutsch und Rechnen zeigen(Seite 1). Auch der wahlfreie Lateinunterricht wird von jetzt ab dem Lehrplan zufolge in der Sexta, also mit dem 9. Lebensjahr der Kinder beginnen.— Alle Eltern, die ihre Kinder unserer Schule anvertrauen wollen, machen wir auch an dieser Stelle nochmals auf den Unterschied im Lehrstoff der beiden Schularten aufmerksam und empfehlen dringend, den Schulbesuch nach dem 3. Schuljahr zu beginnen, da die Kinder sonst leicht ein Jahr zurückkommen.


