— 15—
lich der gelbe Phosphor verbrennt, entſteht ein dicker weißer Nebel von Phosphorpentoxyd(P2 O). Dieſe ge⸗ waltige Nebelentwicklung wirkt einmal für den Unvorbereiteten ziemlich beängſtigend, auf der anderen Seite ruft aber das Einatmen dieſes Nebels, der eigentlich aus kleinen Phosphorſäuretröpfchen beſteht, einen ſtarken Huſtenreiz hervor.(Der Nebel beſteht deshalb aus Phosphorſäure, weil das Phosphorpentoxyd ſtark hygroſkopiſch iſt und ſich daher mit dem Waſſer der Luft zu Phosphorſäure verbindet.) Außerdem ſpritzt beim Explodieren der Bombe natürlich auch Phosphor umher, der auf der Haut tiefe, ſchwer heil— bare Wunden frißt. Man darf ſich alſo auf keiner Weiſe von dem Nebel beeindrucken laſſen, denn wenn er einmal entſteht, dann iſt ja der Phosphor ſchon verbrannt, alſo die Gefahr bereits vorüber. Vor ihm ſchützt man ſich durch ein feuchtes Taſchentuch vor der Naſe.
Die 2. Art von Brandbomben iſt die Thermitbrandbombe. Dieſe Bomben ſind mit einem Thermitgemiſch gefüllt und enthalten außerdem noch eine Zündkapſel. Das Thermitgemiſch wurde 1897 von Goöldſchmidt erfunden und wurde in der Hauptſache zum Schweißen von Straßenbahnſchienen verwandt und zur Darſtellung verſchiedener Metalle(Chrom, Nickel). Es beſteht aus Aluminium und Eiſen— 2, 3— oxyd. Wird dieſes Gemiſch nun zur Entzündung gebracht, dann verbrennt das Aluminium mit Hilfe des Sauerſtoffs des Eiſenoxyds, es entreißt dieſem den Sauerſtoff infolge ſeiner größeren Affinität zu ihm, und es entſteht unter gewaltiger Wärmeentwicklung Alumininmoxyd und flüſſiges Eiſen. Es werden bei dieſem Vorgang Temperaturen bis 30000 C erreicht. Die genaue Gleichung für dieſen Vorgang lautet: 3 Fez O4+ 8 Al.— 4 Al? Os+ 9 Fe.
Durch die ungeheure Wärmeentwicklung wird alſo das Thermitgemiſch in den Brandbomben be— ſonders gefährlich. Um die Bekämpfungsmethoden der Thermitbomben kennenzulernen, machten wir noch einige Verſuche mit Thermitbrandſätzen. Wir zündeten einen Thermitbrandſatz an. Der Brandſatz ver⸗ brannte unter gewaltiger Wärmeentwicklung, und das Brett, auf dem er lag, brannte völlig durch und ſtand bald in Flammen. Aus den Reſten des Brandſatzes konnten wir noch den Eiſenkern, der entſtanden war, erkennen. Einen zweiten entzündeten Brandſatz warfen wir nun in Waſſer. Zu unſerem Erſtaunen konnten wir ſehen, daß er keineswegs erloſch, ſondern daß er mit derſelben Heftigkeit weiterbrannte. Ja, der Boden unſeres Waſſergefäßes ſchmolz ſogar durch. Das Thermitgemiſch kann alſo auch unter Waſſer ruhig weiterbrennen, da der zum Verbrennen nötige Sauerſtoff in dem Eiſenoxyd des Geniiſches enthalten iſt. Bei dem Verſuch ſchlugen außerdem Flammen aus dem Waſſer heraus. Dies iſt folgendermaßen zu erklären: Bei dem Verbrennen des Thermitgemiſches entſteht flüſſiges Eiſen. Dieſes glühende Eiſen vermag das Waſſer zu zerſetzen. Es entreißt ihm den Sauerſtoff, und es bildet ſich Eiſenoxyd, und der Waſſerſtoff des Waſſers entweicht.
3 Fe. 4 H2 O— Fes O4 †. 4 Hꝛ
Der Waſſerſtoff bildet an der Waſſeroberfläche mit Luft zuſammen Knallgas, das infolge der hohen Temperatur explodiert. Die Thermitbomben können alſo auf keinen Fall mit Waſſer gelöſcht werden, ſondern hier iſt es am beſten, wenn man ſie in einen Sandkaſten wirft. Hier können ſie dann ruhig ausbrennen.
Die Thermitbombe ſelbſt hat zwar keinen Luftſauerſtoff zum Verbrennen nötig, wohl aber das Holz des Dachſtuhls. Wenn ich aber den Speicher mit einer Sandſchicht bedecke, ſo kann nicht genügend Luft⸗ ſauerſtoff an das Holz, und es brennt daher nicht. Man belegt alſo zweckmäßig im Kriegsfalle ſeinen Speicher mit einer Sandſchicht.
In den Thermitbomben iſt alſo auf kleinſtem Raum und bei geringem Bombengewicht(1 kg) eine rieſige Wärmemenge aufgeſpeichert. Die Folge davon iſt, daß ein Flugzeug ſehr viele ſolcher Bomben mitführen kann. So kann z. B. ein Geſchwader von 36 Flugzeugen 36 000 Thermitbomben mit ſich führen. Wenn wir nun annehmen, daß bei einem Abwurf auf eine Großſtadt nur jede 10. Bombe ein Haus trifft, und von dieſen 3600 nur jede 4. ſich entzündet, ſo entſtehen immer noch 900 Brände. Es iſt klar, daß die Feuerwehr da nicht mehr von jedem beanſprucht werden kann, ſondern daß jeder ſelbſt zur Hilfe greifen muß. Die Bomben aber ſind deshalb ſo leicht, weil ſie nur das Dach durchſchlagen ſollen. Denn wenn einmal der Dachſtuhl brennt, ſo frißt ſich der Brand ſchon von allein allmählich tiefer. Eine 1 kg Thermitbombe kann alſo in einer längeren Zeit ebenfalls ein großes Haus vernichten, was ſonſt nur noch mit einer 1000 kg Sprengbombe erreicht werden könnte. Die vernichtende Wirkung iſt alſo die gleiche, die Zeitdauer iſt allerdings bei der Brandbombe etwas größer.
Die 3. Art von Brandbomben, die Elektronthermit⸗Brandbombe, iſt noch gefährlicher wie die Ther— mitbombe, und ſie wird dieſe vielleicht verdrängen. Ihr einziger Unterſchied gegenüber der Thermitbombe beſteht darin, daß hier die Elektronhülle ebenfalls noch mitbrennt. Elektron iſt eine Legierung von Alu— minium und Magneſium. Es enthält um 96% Magneſium. Dadurch daß alſo die Hülle noch mit⸗ brennt, wird eine Steigerung der Verbrennungstemperatur der Bombe erreicht. Wir ſpritzten einen ent⸗ zündeten Elektronbrandſatz mit Waſſer an. Der Brandſatz wurde auch nicht gelöſcht, ſondern er brannte nur noch heftiger. Das Magneſium des Elektrons vermag noch viel ſtärker als das Eiſen der Thermit⸗ bombe das Waſſer zu Waſſerſtoff zu reduzieren. Dabei entſteht Magneſiumoxyd und Waſſerſtoff wird frei:
Der mit dem Luftſauerſtoff explodierende Waſſerſtoff ſpritzt Teile der Bombe umher. Alſo wird durch das Beſpritzen der Bombe mit Waſſer die Brandſtelle nur noch vergrößert. Der einzige Schutz iſt auch hier wieder die Sandſchicht auf dem Speicher. Die Entrümpelung allerdings iſt von vornherein eine reine Selbſtverſtändlichkeit..


