Jahrgang 
1937
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der Winterhilfe zu ſtiften. In den nächſten Tagen bekam der Großvater von der Behörde eine Auffor⸗ derung, ſich als Hauswart ausbilden zu laſſen. Als ganz anderer Menſch kehrte er zurück. Er war ſich⸗ der Bedeutung des zivilen Luftſchutzes bewußt geworden. Von jetzt ab half er ſeinem Sohn und ſeinem Enkel die letzten Maßnahmen treffen, und in einem Geſpräch mit ſeinem Nachbar ſagte er:„Wenn alle— Deutſchen, durchdrungen von der Erkenntnis der Notwendigkeit des zivilen Luftſchutzes, mitarbeiten am Aufbau des Selbſtſchutzes, dann wird gemeinſam mit der deutſchen Luftwaffe das größte Maß von Sicher⸗ heit gegen die Wirkung von Luftangriffen gewährleiſtet ſein!“

Wie ſchütze ich mein Haus?

Schon immer iſt in Kriegszeiten verſucht worden, dem Feind durch Anlegen von Bränden großen Schaden zuzufügen. So wird uns ſchon aus dem Altertum von der Anwendung von Brandpſeilen be⸗ richtet. Dieſe Brandpfeile hatten eine Pechſpitze, und ſie wurden dann brennend in die belagerte Stadt geſchoſſen. Wenn ſie dann noch gar einen Nahrungsſpeicher trafen, und dieſer dann vor den Augen der Belagerten in Flammen aufging, dann war neben dem materiellen Schaden die moraliſche Wirkung be⸗ ſonders groß, und die UÜbergabe der Stadt war dann meiſtens die unmittelbare Folge. In der Geſchichte der Neuzeit brauchen wir nur daran zu denken, daß Napoleons Feldzug nach Rußland zu einem nicht geringen Teil durch den Brand Moskaus ſcheiterte, um die Bedeutung zu ermeſſen, die das Feuer bei einem Krieg ſpielt. In einem heutigen Krieg iſt nun die Gefahr von Bränden trotz der Fortſchritte in der Brandbekämpfung noch größer geworden. Dies iſt vor allem der gewaltigen Entwicklung in der Chemie und in dem Flugzeugbau zuzuſchreiben. In jedem Staat ſtehen Flugzeuge bereit, um im Kriegs⸗ falle durch Bombenabwürfe die Bevölkerung im feindlichen Staat allmählich moraliſch zu zermürben und dem Feind außerdem noch Schaden zuzufügen. Wohin es aber führt, wenn die Heimat verſagt, das⸗ hat gerade der Weltkrieg Deutſchland deutlich genug gezeigt.

Es muß alſo in Deutſchland dahin kommen, daß die Brandbomben ihre moraliſche Wirkung ver⸗ lieren. Dies geſchieht nicht dadurch, daß man die Augen vor der Gefahr verſchließt, ſondern daß jeder einzelne ſie genaueſtens in ihren Auswirkungen kennt. Wenn man einmal die Wirkungsweiſe der Brand⸗ bomben kennen gelernt hat, dann kann man die geeigneten Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung treffen. Damit haben aber dann die Luftangriffe einen Teil ihrer Gefährlichkeit verloren.

Die Luftangriffe werden auf der einen Seite nun bereits militäriſch abgewehrt. Dieſe Abwehr iſt zweifellos die richtigſte und auch ſicherſte. Jedoch können nie alle Flugzeuge militäriſch abgewehrt werden, ſondern einzelne werden immer über die Grenzen gelangen. Zu dieſer militäriſchen Art der Abwehr muß alſo noch die aktive Bekämpfung der abgeworfenen Bomben durch die Bevölkerung treten. Es gibt aber noch eine paſſive Art der Abwehr, die eigentlich viel näher liegt: Die Verdunkelung. Die Luftangriffe werden nämlich vorausſichtlich überwiegend in der Nacht durchgeführt werden. Wenn nun aber die Städte und Dörfer völlig verdunkelt ſind, ſo wird die Auffindung des Zieles dem Flieger außerordentlich erſchwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Bei der Verdunklung heißt es aber nicht ſämtliche Lampen im Haus auszulöſchen, ſondern im Haus ſollen abgeblendete Lampen brennen, damit im Falle des Bom⸗ benangriffes keine Panik entſteht. Die teuerſte Art der Verdunklung wäre nun vor jedem Fenſter eine Jalouſie mit ſchwarzem Stoff anzubringen. Aber es können auch die Lampen mit Umhüllung aus ſchwar⸗ zem Papier verſehen werden, denn es genügt völlig, wenn die Lampe ihr Licht nur nach unten wirft. Eine weitere ſehr praktiſche Art der Verdunklung wäre das Einſchrauben von blauen Birnen. Die Verdunk⸗ lung iſt alſo zweifellos die 1. Maßnahme, die bei der Gefahr eines Luftangriffes ergriffen wird. Aber die Bevölkerung muß auch mit dem Gelingen eines Angriffes rechnen, und in dieſem Fall werden dann die aktiven Bekämpfungsmaßnahmen getroffen, die ſich nach der Art der abgeworfenen Bombe richten.

Es gibt nun drei Hauptarten von Brandbomben: Die Phosphorbrandbombe, die Thermit⸗Brandbom⸗ ben und die Elektronthermit⸗Brandbombe.

Wir beſprachen zuerſt die Phosphorbrandbombe und machten hierzu folgenden Verſuch: Wir löſten ein Stück gelben Phosphors in Schwefelkohlenſtoff(C S 2). Mit dieſer Löſung übergoſſen wir zunächſt Holzwolle, Sägmehl und andere leicht brennbare Gegenſtände. Nach einer geraumen Zeit gab es einen dumpfen Knall, und die Holzwolle und das Sägmehl verbrannten. Nun goſſen wir die Löſung auf ein Brett. Nach einiger Zeit entzündete ſie ſich ebenfalls, aber das Brett brannte nicht. In beiden Verſu⸗ chen hatte ſich folgender chemiſcher Vorgang abgeſpielt: Der Schwefelkohlenſtoff der Löſung verdunſtete raſch, und auf der Holzwolle bezw. auf dem Brett war überall feinverteilter gelber Phosphor zurückge⸗ blieben. Nun iſt aber der gelbe Phosphor bekanntlich ſelbſtentzündlich. Wir konnten bei dem Verſuch auch ſehen, wie der Phosphor erſt zu rauchen anfing, und wie er dann ſchließlich nach dem Erreichen ſeiner Entzündungstemperatur verbrannte. Mit dem Phosphor entzündete ſich aber zugleich auch das Schwefelkohlenſtoff⸗Luft⸗Gemiſch und dies gab dann den dumpfen Knall. Nit einer ſolchen Löſung von gelbem Phosphor in Schwefelkohlenſtoff iſt die Phosphorbrandbombe gefüllt. Wie wir aus unſerem Verſuch erſehen haben, iſt ihre Wirkung nicht ſehr groß, denn ſie entzündet nur leicht brennbare Gegenſtände. Außerdem iſt ſie mit einer größeren Waſſermenge löſchbar. Es gibt daher einen ſehr einfachen Schutz gegen dieſe Art von Brandbomben: Die Entrümpelung der Speicher von leicht brennbaren Gegenſtänden. Eine Hauptgefahr der Phosphorbrandbombe liegt allerdings in ihrer moraliſchen Wirkung. Wenn näm⸗