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Eltern, Ihre Kinder werben für den Lufßtſchutz!
Aufſätze im Dienſte der Nationalerziehung von G. Müller und G. B. Gauß.
Wie ſchütze ich mein Elternhaus?
Georg war noch nie in einer Verſammlung geweſen. Daher kann man ſeine Freude verſtehen, als ihm ſein Vater erlaubte, mit ihm eine Kundgebung des Luftſchutzbundes zu beſuchen. Georg konnte kaum den Abend abwarten,— und bis ſeine Mutter das Eſſen richtig auf den Tiſch gebracht hatte, war er mit ſeiner Mahlzeit ſchon fertig. Ungeduldig ſtand er neben ſeinem Vater, ihn am Rockärmel haltend und ihn ermunternd, ſich zu beeilen, damit ſie einen ſchönen Platz bekämen.„Unmittelbar vor dem Redner will ich ſitzen“, ſagte er,„damit mir kein Wort entgeht, und dann werde ich morgen meine Kameraden aufklären, ja noch mehr, nicht nur mit leeren Worten werde ich ſie in Staunen verſetzen, ſondern, wenn es mir irgend möglich iſt, werde ich ihnen auch einiges von dem, was ich heute Abend hören werde, anſchaulich vorfüh⸗ ren!“ Mittlerweile war der Vater fertig geworden. Er hatte kaum Zeit, ſeinen Binder in Ordnung zu bringen, denn Georg ſtand ſchon marſchbereit an der Tür. Er hatte ſeine Zipfelmütze mit einer Schild⸗ mütze vertauſcht, um ſich ebenfalls als Erwachſener zu fühlen. Mit hocherhobenem Kopfe und einer Schritt⸗ länge, die er ſich aufzwang, ging er ſtolz und voller Freude neben ſeinem Vater her. In der Verſamm⸗ lung ſetzte er ſich an deſſen Seite, und kein Wort des Redners entging ihm. Dieſer führte aus: Je mehr die Luftwaffe nach der techniſchen Seite hin vervollkommnet wird, umſo größer wird die Luftgefahr für alle Staaten und um ſo notwendiger werden die Vorbereitungen eines umfaſſenden Luftſchutzes. Die Luftge⸗ fährdung eines Landes iſt abhängig von ſeiner geographiſchen Lage, von der Art ſeiner Beſiedlung, von dem Grad der Induſtrialiſierung und der Nähe luftgerüſteter Staaten. Wenn man alle Umſtände berück⸗ ſichtigt, muß Deutſchland als das luftempfindlichſte Land Europas bezeichnet werden. Jeder deutſche Ort kann binnen einer Stunde durch Bombenflugzeuge von der nächſtgelegenen Grenze aus angegriffen werden. Dringender als für jeden anderen Staat iſt alſo für uns der Luftſchutz. Die Auffaſſung, daß die Wehr⸗ macht der alleinige Träger der Schutzmaßnahmen ſein miüſſſe, iſt völlig unzureichend, denn es iſt klar er⸗ wieſen, daß ſelbſt Flugzeuge und Erdabwehr nicht ausreichen, einen genügenden Schutz zu gewährleiſten, wenn ſich nicht die Bevölkerung durch den zivilen Luftſchutz ſelbſt ſchützt. Hier liegt ſomit eine notwendige Ergänzung der militäriſchen Luftabwehr. Von der geſamten Bevölkerung, von ihrem Lebens⸗ und Behaup⸗ tungswillen hängt die Entſcheidung ab. Der Zweck des zivilen Luftſchutzes iſt, durch Schutzmaßnahmen die verheerende Wirkung von Luftangriffen auf das Heimatgebiet zu verringern. Zu den organiſatoriſchen Vorbereitungen des Selbſtſchutzes gehört in erſter Linie die Ernennung eines Luftſchutzhauswartes in jedem Haus. Dieſer trägt nicht nur im Frieden die Verantwortung dafür, daß alle erforderlichen Vorkehrungen getroffen werden, ſondern er hat auch im Ernſtfall die Alleinverantwortung für den Schutz ſämtlicher Haus⸗ bewohner. Ihm zur Seite ſteht außer ſeinem Vertreter eine Hausfeuerwehr, die etwa ausbrechende Brände möglichſt im Keim erſticken ſoll. Die Entrümpelung der Dachböden von allem überflüſſigen, leicht brenn⸗ baren Hausgerät gehört zu den wichtigſten und dringlichſten Schutzmaßnahmen. Löſchwaſſer muß bereitgeſtellt werden durch Anlage von ſtehenden Gewäſſern oder Brunnen. Es muß Verdunkelungsmaterial vorhanden ſein, um einem Gegner das Angriffsziel unauffindbar zu machen oder wenigſtens die Orientierung auf das äußerſte zu erſchweren. Empfehlenswert iſt der Anſtrich des Dachgebälkes mit feuerhemmenden Mitteln. Ebenſo notwendig iſt die Einrichtung eines Schutzraumes, der gegen die Wirkung einſchlagender Sprengbomben geſichert ſein muß und auch die Laſt des eingeſtürzten Hauſes tragen kann. Darüber hinaus muß er gasdicht gebaut ſein, damit chemiſche Kampfſtoffe von außen her nicht eindringen können. In dem Raum werden Frauen, Kinder, Greiſe und Kranke untergebracht, die nicht für den aktiven Einſatz in Frage kommen. Volksgenoſſen, wenn wir mit dieſen notwendigen Maßnahmen auch nicht einen völligen Schutz erreichen können, ſo ſind wir aber doch imſtande, eine wirkliche Not⸗ und Opfergemeinſchaft zu bilden und durch die Mitarbeit jedes Einzelnen und durch ſeine Selbſtzucht die Wirkung von Luftangriffen auf ein Mindeſtmaß zu beſchränken!—
Georg war wie gebannt von der Rede. Er konnte an dem Abend kaum einſchlafen. Immer wieder beſchäftigten ſich ſeine Gedanken mit den Vorkehrungen, die zu dem Schutze erforderlich ſind.— Wie wird ſich Großvater dazu ſtellen? Wird er es auch nicht als Spielerei anſehen? Der Vater wird hoffentlich zu mir ſtehen und die Durchführung veranlaſſen. Dieſes waren ſeine Gedanken, bis er ſchließlich in tiefen Schlaf fiel. Am nächſten Nachmittag wurde beim Eſſen das Thema vom Luftſchutz behandelt. Ganz wie es Georg erwartet hatte, traf es zu. Der Großvater war dagegen. Er wollte in ſeinen alten Tagen von den Veränderungen ſeines Hauſes nichts wiſſen. Der Vater, der doch ein bißchen von dem Inhalt der Rede mit nach Hauſe genommen hatte, war der Meinung ſeines Sohnes, daß man ſobald als mög⸗ lich anfangen müſſe, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Die Maurer kamen ins Haus, um einen Luftſchutzraum im Keller zu bauen. Georg und ſein Vater räumten den Dachboden auf. Sie fanden alte Möbel, Zeitungen, Kleider, Spielſachen und noch vieles andere und trugen es ſorgfältig in den Hof, zum alles Brauchbare gegen den Willen des Großvaters, der am liebſten Brennholz daraus gemacht hätte,


