IV. Zur Geſchichte der Anſtalt.
In dem zu Ende gehenden Schuljahre hat unſre Anſtalt einen ſchweren, bedauerlichen Verluſt durch den Tod unſres lieben Kollegen Prof. Dr. Vogel erlitten. Der Verſtorbene konnte ſchon in dem vorhergehenden Winterhalbjahre wegen angegriffener Geſundheit zeitweiſe ſeinen Unterricht nicht vollſtändig erteilen, ließ ſich dann mit Beginn des neuen Schuljahres von Großherzoglichem Miniſterium auf ein halbes Jahr beurlauben und im Herbſte den Urlaub verlängern. Nicht vergönnt war es ihm, ſein Amt wieder zu übernehmen. Am 16. November verſchied er plötzlich infolge eines Schlaganfalls. Lehrer und Schüler gaben dem Verblichenen das Geleite zu ſeiner Ruheſtätte, und am Grabe legte der Unterzeichnete im Namen des Lehrerkollegiums einen Kranz als ein Zeichen dankbarer, treuer Erinnerung nieder. Der Entſchlafene hat 17 Jahre lang an unſrer Schule mit treuem Pflichteifer als tüchtige Lehrkraft gewirkt; unermüdlich hat er mit regem Eifer und voller Hingabe an dem Blühen und Gedeihen unſrer Anſtalt mitgearbeitet. Von wiſſenſchaftlichem Streben getrieben, ſuchte er raſtlos ſeine Kenntniſſe mehr und mehr zu erweitern. Die Schule wird ihm ein treues Andenken bewahren.
Die proviſoriſche Verwaltung der erledigten Stelle wurde Herrn Lehramtsaſſeſſor Dr. Schottler übertragen, der auch ſchon während der Beurlaubung des Herrn Prof. Dr. Vogel deſſen Vertretung an unſrer Schule übernommen hatte.
Lehramtsaſſeſſor Dr. Wilhelm Schottler, geb. am 25. März 1869 zu Mainz, beſtand am dortigen Realgymnaſium im Herbſt 1887 die Reifeprüfung, ſtudierte 1888— 1892 zu Gießen Naturwiſſenſchaften und Mathematik, beſtand daſelbſt am 2. März 1892 das Staatsexamen, war darauf als Acceſſiſt am Real⸗ gymnaſium in Mainz, dann als proviſoriſcher Lehrer an den Realſchulen zu Heppenheim und Gernsheim thätig, ſeit 26. April 1897 an der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule in Groß⸗Umſtadt, erwarb ſich im Juli 1897 durch Promotion an der Landesuniverſität Gießen den Doktortitel.
Am 27. September verſtarb der Rechner unſrer Schule, Herr Stadtrechner Heinrich Münch, der ſeit 1879 mit gewiſſenhafter Pünktlichkeit und freundlichem Entgegenkommen das Rechneramt unſrer An⸗ ſtalt bekleidet hatte. Das geſamte Lehrerkollegium ſchloß ſich dem Leichenzuge des Verſtorbenen an, und am Grabe legte der Unterzeichnete, den biederen, freundlichen Sinn des Entſchlafenen hervorhebend, im Namen des Lehrerkollegiums einen Kranz nieder.
Des Verſtorbenen Sohn Heinrich Münch verſah die Rechnerſtelle proviſoriſch bis zum 23. Januar d. Is. Darauf übernahm dieſelbe unſer Lehrer Stephan, der von Großherzoglichem Miniſterium zum Rechner unſerer Schule ernannt wurde.
Herr Dr. Heil war im Juni auf 14 Tage, Herr Dr. Schottler im Juni und Juli auf 8 Wochen zu einer militäriſchen Übung einberufen.
Die größeren Schulausfluͤge wurden am 24. Juni nach nachſtehenden Orten unternommen:
1 R Niederwald— Bingen, 2 R GaimühleKatzenbuckel— Zwingenberg— Eberbach, 1 L— 3L Gutleuthof— Frankfurt(Schlachtviehhof, zool. Garten, Dom), 3 R Michelſtadt—Ober⸗Moſſau — Lärmfeuer- Marbach- Hetzbach, 4. Kl. Gaimühle—Katzenbuckel— Eberbach, 5. Kl Kailbach —Ernſtthal— Schöllenbach, 6. Kl Michelſtadt— Eulbach— Erbach, Vorſch. Sauſteig-Heubach.
Im Juli wurde, einem Wunſche des Obſtbauverbandes für den Kreis Dieburg entſprechend, von Herrn Dr. Gräfe an 3 Nachmittagen ein Kurſus über Beerenweinbereitung abgehalten, dem dann im Oktober Herr Dr. Gräfe und Herr Dr. Schottler einen weiteren Vortrag, verbunden mit praktiſchen chemiſchen Unterſuchungen, folgen ließen.
Herr Taſché gab für Schüler unſrer Anſtalt einen Kurſus in Gabelsberger⸗Stenographie.
Am 11. Oktober fand durch Herrn Superintendenten Oberkonſiſtorialrat Waas eine Viſitation des evangeliſchen Religionsunterrichtes in den Klaſſen 1 R u. L, 3 R u. L, 5 und Vorſch. ſtatt.
Bei unſerm öffentlichen Feſtaktus am Geburtstage Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin hielt Herr Dr. Heil, bei der am Geburtstage Sr. Majeſtät des Kaiſers in engem Schulkreiſe ſtattgehabten Feier Herr Frey die Feſtrede.
Da die Einübung der Geſänge und Vorträge für einen zweimaligen öffentlichen Feſtaktus im Jahre große Arbeit verurſacht und auch der Beſuch unſrer Feier ſtärker ſein durfte, ſo wird die ſeit⸗ herige öffentliche Feier nur am Geburtstage Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Groß⸗ herzogin beibehalten, während der Geburtstag Sr. Majeſtät des Kaiſers in engem Schulkreiſe gefeiert wird.
Die diesjährige Abgangsprüfung der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule fand unter dem Vorſitze des Herrn Geheimen Oberſchulrats Soldan am 16. März ſtatt.


