IV. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Zu unſerm tiefen Bedauern wurde uns zu Beginn des Schuljahres ein lieber Kollege, Herr Heinrich Sturmfels, nach mehrwöchentlichem, ſchwerem Krankenlager durch den Tod entriſſen. Am 23. April, an demſelben Tage, an dem der Unterricht wieder begann, gaben Lehrer und Schüler dem Verblichenen das Geleite zu ſeiner Ruheſtätte. Der Unterzeichnete legte im Namen des Lehrerkollegiums am Grabe einen Kranz als ein Zeichen fortdauernder Liebe und Verehrung nieder. Der Entſchlafene wirkte ſeit 1876 an unſ'rer Schule als ein pflichttreuer, tüchtiger Lehrer, der ſtets ſeine volle Kraft dem Wohle der Anſtalt gewiſſenhaft widmete. Die Schule wird ihm ein treues Andenken bewahren.
Bis zur Ernennung eines Nachfolgers des Herrn Sturmfels blieb Herr Lehramtsacceſſiſt Liebrich, der ſchon ſeit Januar an unſ'rer Schule verwendet war, als Stellvertreter hier.
Am 12. Mai begann Herr Landwirtſchaftslehrer Dr. Gräfe ſeinen ÜUnterricht an unſ'rer Anſtalt. Derſelbe iſt am 29. November 1863 in Prietitz(Königr. Sachſen) geboren, evang., beſuchte die Realſchule in Bautzen, abſolvierte das Realgymnaſium zu Zittau, diente 1. April 1884—1885 als Einjährig⸗Frei⸗ williger in Bautzen, ſtudierte von Oſtern 1885 an Landwirtſchaft und die damit verbundenen Wiſſenſchaften auf der Univerſität Leipzig, promovierte dort am 3. März 1888 und beſtand daſelbſt am 25. Februar 1889 das landwirtſchaftliche Staatsexamen. Vom 17. Oktober 1888 an war er als Lehrer für Land⸗ wirtſchaft und Naturwiſſenſchaften an der landwirtſchaftlichen Schule zu Bautzen thätig und erteilte auch noch an dieſer Anſtalt den Unterricht in Tierzucht weiter, nachdem er am 1. April 1891 zum Zuchtin⸗ ſpektor für den Kreisvereinsbezirk der Oberlauſitz ernannt worden war. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 4. Mai 1895 wurde er zum Lehrer an der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule zu Groß⸗Umſtadt ernannt.
Herr Dietrich verbrachte zu ſeiner weiteren Ausbildung im Franzöſiſchen die Zeit von Oſtern bis Pfingſten in Paris. 1 Vom 15. Juni an waren Herr Dr. Heil und Herr Herbeck zu einer 14tägigen militäriſchen Übung eingezogen. Die größeren eintägigen Schulausflüge wurden am 18. Juni nach folgenden Orten unternommen: 1. Kl. Realſch. Cronberg— Feldberg- Königſtein; 2. Kl. R Rüdesheim- Niederwald-— St. Goar; 3. Kl. R Darmſtadt—Ludwigshöhe— Frankenſtein— Eberſtadt; 1. Kl. L-— 3. Kl. L Aſſenheim— Wickſtadt— Nauheim-Friedberg; 4. Kl. Fränkiſch⸗Crumbach-— Rodenſtein— Neunkirchen Linden⸗ fels—Reichelsheim; 5. Kl. Jugenheim— Felsberg-— Auerbach; 6. Kl. u. Vorſch. Frankfurt(Zool. Garten, Römer). Außerdem fand jeden Monat ein Nachmittagsſpaziergang ſtatt. Mit Schluß des Sommerſemeſters verließ Herr Walz nach einer ¾¾ jährigen erfolgreichen Thätigkeit unſ're Anſtalt, um eine Stelle an der Realſchule zu Friedberg zu übernehmen. Zu ſeinem Nachfolger wurde Herr Engelmann ernannt, der gleichzeitig mit Herrn Frey, dem Nach⸗ folger des verſtorbenen Herrn Sturmfels, zu Beginn des Winterſemeſters, am 16. September, an unſ'rer Schule in den Dienſt eingewieſen wurde..
Heinrich Engelmann, geb. am 21. April 1859 zu Framersheim, evang., abſolvierte das Pro⸗ gymnaſium zu Alzey und die Prima des Gymnaſiums in Worms, wo er Oſtern 1878 die Maturitätsprüf⸗ ung beſtand, ſtudierte auf den Univerſitäten Straßburg und Gießen, diente im 116. Regiment vom 1. Oktober 1882— 1883 als Einjährig⸗Freiwilliger, beſtand an der Landesuniverſität im Sommer 1884 die Staats⸗ prüfung in Geſchichte, Deutſch und in der klaſſiſchen Philologie, machte dann ſeinen Acceß am Gymnaſium und an der Realſchule zu Worms, wurde Oſtern 1886 mit der proviſoriſchen Neiwaltnuß einer Lehrer⸗ ſtelle an der Realſchule zu Bingen betraut, dort am 1. Oktober 1888 definitiv angeſtellt und am 16. September 1895 als Lehrer an die Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule zu Groß⸗Umſtadt verſetzt.
Peter Frey, geboren den 22. März 1866 zu Wiyxhauſen, evang., beſuchte die Präparandenanſtalt zu Lindenfels, dann 1883—1886 das Lehrerſeminar in Alzey, erhielt im Mai 1886 ſeine erſte Anſtellung in Neu⸗Yſenburg, wurde als Schulgehülfe im Sommer 1887 nach Offenbach verſetzt, beſtand im Früh⸗ jahr 1888 die Definitorialprüfung, wurde 1892 definitiv angeſtellt. Nach vorausgegangenen längeren Uebungen an den Kunſtgewerbeſchulen zu Offenbach und Frankfurt a. M. beſuchte er September 1894 bis Auguſt 1895 die Königliche Kunſtſchule in Berlin und wurde mit Wirkung vom 10. September 1895 an an der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule zu Groß⸗Umſtadt angeſtellt.


