Jahrgang 
1895
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das Jahr 1518, durch Götz v. Berlichingen überfallen, vorführte. Nach dem Aktus ſetzte ſich von dem Realſchulgebäude aus ein Feſtzug durch einige Straßen der mit Fahnen geſchmückten Stadt nach dem Gaſthaus zum Lamm in Bewegung. Hier fand unter ſtarker Beteiligung ein Feſteſſen ſtatt, das in gehobener Stimmung unter zahlreichen Toaſten ſchön verlief. Deputationen von der Realſchule in Michel⸗ ſtadt und der höheren Bürgerſchule in Dieburg überbrachten perſönlich die Glückwünſche ihrer Anſtalt. Von einzelnen anderen Schweſteranſtalten, ſowie von ehemaligen Lehrern und Schülern, ferner von Freunden der Schule liefen teils briefliche, teils telegraphiſche Glückwünſche ein. Am Abend veranſtalteten die ehe⸗ maligen Schüler einen ſtattlichen Magneſiumfackelzug, worauf ſich dann bis zur ſpäten Stunde die Feſt⸗ teilnehmer zu einem fröhlichen Kommers im Gaſthaus zur Krone verſammelten und durch eine Reihe von Toaſten ihr Intereſſe und ihre Freude an der Entwicklung der Schule kund gaben. Herr Geheimer Ober⸗ ſchulrat Soldan ſchenkte uns die Ehre, an dem Feſteſſen und dem Schülerkommers teilzunehmen. Ein herzlicher Verkehr zwiſchen Lehrern, ehemaligen Schülern und Freunden der Anſtalt gab dem Feſte ein ſchönes, wohlthuendes Gepräge. Möge derſelbe Geiſt auch in Zukunft zum Segen der Anſtalt erhalten bleiben!

Die früheren Schüler ſtellten den Damen, die durch Widmung des ſchönen Banners ihre freund⸗ liche, wohlwollende Geſinnung der Schule zum Ausdruck gebracht hatten, für den Sommer ein Vergnügen in Ausſicht und löſten in glänzender Weiſe am 4. Auguſt ihr Verſprechen ein, als ſie auf dem Ohl'ſchen Berge Konzert, prächtige Illumination, ſchönes Feuerwerk und Ball veranſtalteten. Zahlreiche Freunde dr Sbul fanden ſich hierzu ein und wohnten mit hoher Befriedigung dem ihnen gebotenen genußreichen

eſte bei.

Die mit Beginn des Schuljahres 1894/95 neu eingetretenen Schüler wurden am 2. April geprüft und aufgenommen. Der Unterricht begann wieder am 3. April.

Realſchule und Landwirtſchaftsſchule, die bisher in geſondertem Budget geführt wurden, werden ſeit 1. April 1894 als eine Anſtalt verwaltet, wodurch in der Verwaltung eine weſentliche Vereinfachung erreicht worden iſt. Alle Zahlungen werden jetzt durch den Rechner der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule, Herrn Stadtrechner Münch, geleiſtet.

Zur weiteren Trennung von Fächern, in denen bisher Realſchule und Landwirtſchaftsſchule ge⸗ meinſchaftlichen Unterricht genoſſen, wurde eine neue Lehrerſtelle bewilligt und dieſelbe durch Herrn Lehr⸗ amtsaſſeſſor Chriſtian Herbeck beſetzt, der hier am 4. Juni in den Dienſt eingewieſen wurde.

Ende Juni wurde Herr Henkelmann an die Realſchule in Alsfeld verſetzt und im Januar Herr Dr. Knapp, der die Stelle eines techniſchen Direktors an der hier in's Leben tretenden Zucker⸗ fabrik übernommen hat, auf ſein Nachſuchen aus ſeinem Dienſte an unſ'rer Schule entlaſſen. Beide wirkten eine Reihe von Jahren, Herr Henkelmann 7 Jahre, Herr Dr. Knapp 6 Jahre lang, als liebe Kollegen, als tüchtige, wohlwollende Lehrer an unſ'rer Anſtalt. Für Herrn Henkelmann erhielten wir Herrn Lehramtsaſſeſſor Reinhard Walz als Nachfolger. Herr Dr. Knapp hatte die Freundlichkeit, im Februar und März täglich eine Stunde landwirtſchaftlichen Unterricht zu übernehmen. Außerdem wurde uns als Aushilfe Herr Lehramtsacceſſiſt Wilhelm Liebrich überlaſſen. Ein neuer Landwirtſchafts⸗ lehrer wird nach Oſtern angeſtellt werden.

MRettei Die beiden an unſ'rer Schule neu eingetretenen Lehrer machten uns über ihren Lebenslauf folgende itteilung:

Chriſtian Herbeck, kathol. Konfeſſion, geboren 10. Februar 1867 zu Worms, abſolvierte 1876 bis 1886 das Gymnaſium zu Mainz, diente 1. April 188687 als Einjährig⸗Freiwilliger in dem Großh. Heſſ. Inf.⸗Regt. 117 in Mainz, beſuchte dann die Univerſitäten Gießen und Berlin, beſtand in Gießen am 1. Auguſt 1891 die Staatsprüfung in Franzöſiſch, Engliſch, Deutſch und Geſchichte, war Herbſt 1891/92 Mitglied des pädagogiſchen Seminars zu Gießen, hiernach als Volontär am Gymnaſium in Mainz und ſpäter am Gymnaſium in Offenbach, wo er gleichzeitig als Lehrer an einer dortigen Privat⸗ ſchule(Goetheſchule) beſchäftigt war, erhielt im Oktober 1893 den Titel Lehramtsaſſeſſor, vertrat im April und Mai 1894 einen erkrankten Lehrer am Gymnaſium zu Offenbach und wurde am 4. Juni als proviſoriſcher Lehrer an der Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule zu Groß⸗Umſtadt eingewieſen.

Reinhard Walz, evang. Konfeſſion, geboren 13. Oktober 1864 in Lich, beſuchte bis zum Jahre 1878 die höhere Bürgerſchule in Lich, 1878 1885 das Gymnaſium zu Laubach, ſtudierte 18851891 auf den Univerſitäten Gießen, Marburg und Berlin klaſſiſche Philologie, Geſchichte und Deutſch und be⸗ ſtand in Gießen Oſtern 1891 das Staatsexamen. Nach Beendigung ſeines Probejahres am Neuen Gymnaſium in Darmſtadt und einer kürzeren Verwendung am Realgymnaſium zu Darmſtadt wurde ihm