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II. Vroſpekit der Landwirtſchaftsſchule.
berech Die Landwirtſchaftsſchule iſt eine Staatsanſtalt, deren Abgangszeugnis zum Einjährigendienſt erechtigt.
Sie hat die Aufgabe, jungen Leuten, die ſich der Oekonomie widmen wollen, diejenige theoretiſche und praktiſche Vorbildung zu geben, die zu einem ſpäteren rationellen Betriebe der Landwirtſchaft befähigt.
Die zur Aufnahme in die unterſte Klaſſe erforderlichen Kenntniſſe, die den zum Eintritt in die 3. Klaſſe einer Realſchule(Obertertia eines Realgymnſiums) geſtellten Forderungen gleich ſind, bilden eine genügende Grundlage für den dreijährigen Kurſus der Landwirſſchaftsſchule.
Unterrichtsgegenſtände ſind: Landwirtſchaftslehre(Ackerbau mit Bodenkunde, Pflanzenbau, Tierzucht, landwirtſchaftliche Betriebslehre mit Buchführung, Volkswirtſchaftslehre), Chemie und Mineralogie, Zoologie und Botanik, Phyſik, Mathematik, Planzeichnen und Feldmeßkunde, Religion, Deutſch, Franzöſiſch, Engliſch, Geſchichte, Geographie, Zeichnen, Turnen, Singen.
Praktiſche Anleitung zum Pflanzenbau findet auf dem Verſuchsfelde ſtatt. In Chemie wird von Schülern der 2. und 1. Klaſſe praktiſch gearbeitet. Reichliche Modelle, Abbildungen und Sammlungen aus dem Gebiete der Landwirtſchaft und der Naturwiſſenſchaften dienen zur Veranſchaulichung des Unterrichtes.
Zu zahlreichen Exkurſionen, die mit dem landwirtſchaftlichen und naturwiſſenſchaftlichen Unterrichte verbunden werden, iſt Groß⸗Umſtadt und ſeine Umgebung vorzüglich geeignet, da der außerordentlich fruchtbare Boden reichlichen Wechſel in Acker⸗, Wieſen⸗, Obſt⸗ und Weinbau bietet, außerdem Bierbrauereien, Brennereien und Molkereien vielfach und gut vertreten ſind
Das jährliche Schulgeld beträgt, wie in der Realſchule, 60 Mark.
Das neue Schuljahr beginnt den 29. April. Anmeldungen werden bei der Großherzoglichen Direktion der Landwirtſchaftsſchule entgegengenommen.
Außer den für die Bibliothek vorgeſehenen Büchern werden in dem Rechnungsjahre 1888/89 nach⸗ ſtehende Lehrmittel für die Landwirtſchaftsſchule angekauft:
a) Botanik und Zoologie:
1. Brendel: Botaniſche Modelle, 25 Stück; 2. Gräſer⸗Herbarium mit Samen und Beſchreibung; 3. Thümen: Präparate der Pilze der landw. Kulturgewächſe; 4. Ahles: Wandtafeln der Pflanzenkrank⸗ heiten, 4 Tafeln; 5. Schreiber: Wandtafeln der landw. ſchädlichen und nützlichen Tiere; 6. Taſchenberg: Wandtafeln der Reblaus, Blutlaus, des Coloradokäfers; 7. Sammlung ſchädlicher Käfer; 8. vollſtändiges Skelet vom Pferd, Schädel vom Rind, Schaf und Schwein ꝛc.
b) Ackerbau:
1. Samenſammlung landw. Kulturpflanzen und Unkräuter; 2. Wandtafeln der wichtigſten Futter⸗ und Wieſengräſer; 3. Sammlung künſtlicher Düngemittel; 4. Ackergeräte⸗Sammlung, 30 Stück.
c) Tierzucht:
1. Rindvieh⸗Raſſen, 40 Modelle; 2. Pferde⸗Raſſen, 12 Modelle; 3. Schafe⸗ und Schweinemodelle, 10 Stück; 4. die Gebiſſe des Pferdes; 5. Pferdeherz, zerlegbares Modell.
d) Chemie: 1. Gläſer von verſchiedener Größe; 2. Sacharimeter; 3. gutes Mikroſkop; 4. feine chemiſche Wage.
Zur praktiſchen Übung wird ein Verſuchsfeld von etwa 1 ½ Morgen angelegt.


