Jahrgang 
1886
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IV. Chronik der Anſtalt.

1. Das neue Schuljahr begann am 13. April. Die Zahl der mit Beginn desſelben eingetretenen Schüler betrug 45. Im ganzen wurde die Anſtalt von 176 Schülern gegen 153 im vorhergehenden Jahre beſucht.

2. Herr de Salengre ſchied mit Wirkung vom 1. Mai 1885 aus dem Staatsdienſte. Da der⸗ ſelbe jedoch ſchon ſeit dem 27. Januar beurlaubt war und auch ſeinen Dienſt nicht mehr antrat, ſo mußte das Lehrerkollegium noch kurze Zeit, bis zum 1. Mai, deſſen Unterrichtsſtunden übernehmen.

3. Durch Allerhöchſte Dekrete wurden Herr Hauff mit Wirkung vom 18. März und Herr Dr. Günther mit Wirkung vom 15. Mai definitiv angeſtellt..

4. Am 1. Mai trat Herr Philipp Rothermel als proviſoriſcher Reallehrer an unſrer Realſchule ein. Derſelbe machte uns über ſeinen Lebensgang folgende Mitteilung:

Ludwig Philipp Rothermel aus Goddelau, Kreis Groß⸗Gerau, Sohn des Lehrers Philipp Rothermel daſelbſt, evangeliſcher Konfeſſion, wurde am 15. Februar 1858 zu Langen im Kreiſe Offenbach geboren. Von Herbſt 1871 bis Herbſt 1877 beſuchte derſelbe die Realſchule I. Ordnung zu Darmſtadt, welche Anſtalt er am 20. September 1877 mit dem Zeugnis der Reife verließ. Er widmete ſich hierauf dem Studium der neueren Sprachen auf den Univerſitäten Gießen und Marburg. Am 16. Dezember 1881 legte er vor der Königlich Wiſſenſchaftlichen Prüfungskommiſſion für Kandidaten des höheren Lehramts zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi im Franzöſiſchen, Engliſchen, Deutſchen und in der Geographie ab. Am 10. Januar 1882 trat derſelbe ſeinen Acceß an der Realſchule zu Darmſtadt an. Durch hohe Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern wurde demſelben vom 1. Mai 1885 ab die provi⸗ ſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der Realſchule zu Groß⸗Umſtadt übertragen.

5. Am 9. Juni wurde ein Tagesausflug unternommen. Die vier oberen Klaſſen beſuchten unter Führ⸗ ung der Herren Vogel, Glaſer, Rothermel, Albert, Dr. Derſch den Niederwald, während die beiden unteren Klaſſen und die zwei oberen Abteilungen der Vorſchule, geführt von den Herren Sturmfels, Ramge und Stephan, ſich Aſchaffenburg und deſſen Umgebung zum Ziele wählten.

6. Im Juni wurde der Nachmittagsunterricht fünfmal und im Juli zweimal wegen großer Hitze ausgeſetzt.

7. In den Wintermonaten, vom 1. November bis Ende Februar, begann wieder nachmittags der Unterricht um 1 ½ Uhr, ſo daß mit Abkürzung der Pauſen die Schule 5 Min. nach 4 Uhr ſchloß.

8. Durch hohe Verfügung vom 9. Januar wurde Herrn Albert, deſſen Probejahr am 5. Januar zu Ende war, geſtattet, bis auf weiteres in ſeinem ſeitherigen Dienſte zu bleiben, den er dann auch bis zum 20. März weiter führte.

9. Vom 15. März bis zum 10. April nimmt Herr Vogel an einem Turnkurſus in Darmſtadt teil.

10. Herr Hauff iſt zu einer achtwöchentlichen Uebung zum Militär einberufen und hat dort anfangs April einzutreten..

11. Mit Rückſicht auf die unter 9) und 10) angegebenen Störungen werden die öffentlichen Prüfungen diesmal ſchon am 29. und 30. März abgehalten, während die Schlußfeier erſt am 10. April ſtattfindet.

12. Herr Dr. Günther mußte 14 Tage lang wegen Unwohlſeins in der Schule fehlen. Ebenſo konnte Herr Sturmfels 8 Tage wegen Krankheit ſeiner Kinder und 3 Wochen, weil er ſelbſt unwohl war, ſeinen Unterricht nicht übernehmen. Sonſt war der Geſundheitszuſtand der Lehrer im Laufe des Schul⸗ jahres durchſchnittlich gut. Von den Schülern brauchten verhältnismäßig nur wenige wegen Krankheit die Schule zu verſäumen.