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ſteriums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, und im Auftrag dieſer hohen Behörde durch die Direction in der Darmſtädter Zeitung, ſowie in den amtlichen Organen für die Kreiſe Dieburg und Erbach veröffentlicht.——
Das neue Schuljahr begann am 1. Mai.—
Die Veränderungen im Lehrerperſonal ſind auch in dieſem Jahre noch zahlreich geweſen. Mit dem 1. Mai 1878 trat, wie bereits im vorjährigen Programm angedeutet wurde, Herr Grenz als Lehrer der Vorſchule ein. Dagegen konnte die für das Jahr 1878 vorgeſehene Stelle eines evangeliſchen Religionslehrers noch nicht beſetzt werden, und erſt das neue Schuljahr wird die nach dem vorigen Programm bereits für dieſes Jahr gehoffte dauernde Abhilfe bringen.
Zu Ende des Sommerhalbjahres traten außer dem an das Gymnaſium zu Büdingen verſetzten Herrn Laſerre die proviſoriſchen Reallehrer Staudinger und Landmeſſer aus unſerer Schule aus, erſterer, um ſich behufs ſeiner weiteren beruflichen Ausbildung nach England zu begeben, letzterer, um ſeiner Militär⸗ dienſtpflicht zu genügen. Die durch dieſe Abgänge entſtandenen empfindlichen Lücken wurden zwar alsbald wieder ausgefüllt, indem mit Anfang des Winterhalbjahres an die Stelle des Herrn Staudinger Herr Sturmfels aus Semd und an die Stelle des Herrn Landmeſſer Herr Dr. Müller, der bereits von Oſtern bis Herbſt 1877 dieſe Stelle bekleidet hatte, traten, Herr Laſerre aber durch den proviſoriſchen Reallehrer Strüver aus Braunſchweig erſetzt wurde. Allein Herr Dr. Müller mußte ſchon nach einigen Wochen unſere Schule wieder verlaſſen, da eine ſeit längerer Zeit in ihm keimende Gemüthskrankheit bald nach der Wiederaufnahme ſeiner unterrichtlichen Thätigkeit zum Ausbruch kam und ſeine Verbringung in eine Heilſtalt nothwendig machte, und Herr Strüver ſah ſich ebenfalls nach kurzer Zeit genöthigt ſeine Entlaſſung zu nehmen, da er ſich zur Fortſetzung ſeiner Studien in Leipzig entſchloſſen hatte. Nach einer für die vorhandenen Lehrkräfte ſehr mühevollen Verſehung dieſer beiden Stellen wurde endlich am 22. No⸗ vember Herr Kunz, und am 7. December Herr Dr. Loebell in die vacanten Stellen eingewieſen, worauf der Unterricht wieder ſeinen regelmäßigen Verlauf nehmen konnte.
Die drei genannten Herren geben ihre Perſonalien folgendermaßen an:
Karl Sturmfels, geboren am 14. März 1856 zu Semd, beſuchte die ſtädtiſche Realſchule zu Groß⸗Umſtadt bis zum Jahr 1872, trat im October dieſes Jahres in die allgemeine Schule des Großher⸗ zoglichen Polytechnicums zu Darmſtadt ein, die er im Herbſt 1874 mit dem Zeugniß der Reife verließ. Er bezog zu Anfang des Winterſemeſters 1874/75 die Univerſität Gießen, vervollſtändigte im Februar 1877 ſein Reifezeugniß durch eine Nachprüfung an dem Gymnaſium zu Gießen und verließ die Univerſität im Juli 1878, nachdem er ſeine Facultätsprüfung in den neueren Sprachen, in Geſchichte und Deutſch beſtanden hatte. Im October 1878 übernahm er die proviſoriſche Verwaltung einer Lehrerſtelle an der hieſigen Realſchule.
Wilhelm Kunz, geboren zu Darmſtadt am 4. Juni 1854, beſuchte die Realſchule ſeiner Vaterſtadt, trat im Herbſte des Jahres 1870 in die techniſche Hochſchule daſelbſt über und beſtand nach Abſolvirung der beiden Curſe der nunmehr aufgehobenen allgemeinen Schule im Herbſte des Jahres 1872 ſeine Maturi⸗ tätsprüfung. Er widmete ſich hierauf dem Studium des Baufachs für den höheren Staatsdienſt, legte im Jahre 1874 die Vorprüfung, im Jahre 1876 die Schlußprüfung an genannter Anſtalt ab, beſtand ferner im Jahre 1877 die erſte, im Jahre 1878 die zweite Staatsprüfung und wird ſeit November 1878 als Lehrer für Mathematik an der Großherzoglichen Realſchule dahier verwandt.
Ich Friedrich Otto Richard Loebell bin geboren in Grünheida bei Inſterburg in Oſtpreußen, wo mein Vater evangeliſcher Geiſtlicher war, am 12. März 1852. Meine Vorbildung erhielt ich auf den Gymnaſien zu Raſtenburg und Inſterburg und wurde 1870 mit dem Zeugniß der Reife zur Univerſität entlaſſen. Ich ſtudirte auf den Univerſitäten Königsberg, Berlin und Leipzig claſſiſche Philologie und Philo⸗ ſophie bis Michaeli 1873. Familienereigniſſe verhinderten mich lange, ungeſtört meine Studien durch ein Examen zu einem gewiſſen Abſchluß zu bringen, und als ich endlich im März 1876 das Examen pro facultate docendi vor der Königl. wiſſenſchaftlichen Prüfungs⸗Commiſſion zu Königsberg abgelegt und im Juli deſſelben Jahres in Leipzig promovirt hatte, war meine Anweſenheit zu Hauſe noch ſo dringend noth⸗ wendig, daß ich erſt Michaeli 1878 daran denken durfte, eine Stellung zu ſuchen.
Geſchrieben hat Herr Dr. Loebell: Quaestiones de perfecti Homerici forma et usu. Lipsiae apud J. S. Hinrichsiun 1877, beurtheilt in Zarncke's liter. Centralblatt, 1878, Nr. 4.
Länger andauernde Unterbrechungen des Unterrichtes ſeitens der Lehrer kamen, abgeſehen von dem oben berichteten Lehrerwechſel, nur bei den Herren Landmeſſer, der 4 Tage, und Dr. Loebell, der 10 Tage krank war, ſowie bei dem Director während ſeines 3tägigen Aufenthaltes zur Directoren⸗ Conferenz in Darmſtadt(ſ. d. f. S.) vor. Unter den Schülern traten mehrere leichte Fälle von Diphtherie auf.


