Jahrgang 
1904
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in ſeinen Leiſtungen die geringſte Handhabe ließ, um ihn zu entfernen. So verſuchte man es auf gütlichem Wege, indem man mich wiederholt durch harmlos erſcheinende Perſonen auf beſſer dotierte, offene Privat⸗ lehrſtellen aufmerkſam machen ließ, da man von meinen ganz ſchweigend betriebenen techniſchen Arbeiten und dem damit zuſammenhängenden Ziel keine Kenntnis hatte. Ein viel in Darmſtadt verkehrender Beamter ſagte mir ſogar:Machen Sie doch das Staatseramen! Ich weiß ganz beſtimmt, in einigen Jahren ſind Sie Direktor einer höheren Lehranſtalt. Die Re⸗ gierung kennt Ihre Leiſtungen ganz genau! Meine ſtereotype Antwort auf ſolche Winke:Auf dieſem Wege läßt ſich das Intereſſe, das gewiſſe Perſonen an meinem Weggang haben, nicht befriedigen. Ich gehe von bier nur allein in die Technik über, wurde ſtets mit hellem Lachen auf genommen, weil man ſah, daß ich die Abſicht durchſchaut hatte.

Da im Kaſino gewiſſe Methoden endlich dahin geführt hatten, das Präſidium in die Gewalt zu bekommen, ſo zweifelte man nicht an demſelben Erfolg in der Privatrealſchule. Jede neue Wahl zeigte jedoch, daß man

um ſo demonſtrativer zu Küchler zu halten entſchloſſen war, je mehr die Bevölkerung die Machinationen der Gegner durchſchaute. Es blieb daher der Gegenpartei ſchließlich nur noch der Weg des offenen Kampfes, indem man vor allem Hertel zu entfernen ſuchte, der täglich mit dem Bürgertum verkehrte, deſſeen Stimmen die Wahlen immer im Sinne Küchlers ent ſchieden. So traten denn drei Vorſtandsmitglieder der Privatrealſchule in einer Sitzung ganz plötzlich mit dem Antrag auf Entlaſſung Hertels hervor und ſetzten ihn als Majorität auch durch. Die Gründe dafür waren teils geringfügiger Art, teils machten ſie den Eindruck grundloſer Nachreden, da in der Bevölkerung nicht das Geringſte davon bekannt war. Es kann jedoch kaum ein Zweifel walten, daß der eine oder der andere dieſer Herren vermöge der wirkſamen Hilfsmittel, die ihnen zu Gebot ſtanden, ſchon von den bedauerlichen Umſtänden Kenntnis hatte, in die Hertel außerhalb Groß⸗ Geraus geraten war. Doch ſcheute man ſich wohl, offen damit hervorzutreten.

Man ſetzte nun Hertel 24 Stunden Zeit, um ſelbſt zu kündigen, anderenfalls die Generalverſammlung darüber entſcheiden ſollte. Als Hertel am Abend die Erregung ſah, welche die Angelegenheit in der Bevölkerung hervorgerufen hatte, beantragte er die Entſcheidung der Generalverſammlung. In dieſer ging ein ſolcher Sturm der Entrüſtung über die Ueberrumpelung los, daß Hertel ſeine Stellung wieder neu befeſtigt ſah und die drei Vorſtandsmitglieder ſich genötigt ſahen, aus dem Privatſchulverein auszutreten, wodurch ihre Kinder des Unterrichts entbehrten. Einige Wochen ſpäter ſuchte man disziplinär gegen Hertel vorzugehen mit Hilfe eines Ehrenwortſcheines für ein Darlehen, der jedoch durch ſofortige Einlöſung wirkungslos wurde. Dieſes Vorkommnis erfüllte jedoch mich und alle beſonnenen Einwohner mit Beſorgnis, da bei der ſehr beſcheidenen Lebensweiſe Hertels eine ſolche Geldklemme ohne Erklärung blieb. Dieſe Bedenken ſteigerten ſich von jetzt ab immer mehr, da Hertel in ſeinem Aeußeren immer raſcher zurückging und nur noch in ſolchen Lokalen verkehrte, wo die allerbilligſten Preiſe herrſchten. Da Küchler dieſen Rückgang nicht ſehen konnte, blieben alle darauf bezüglichen Winke bei ihm ohne Eindruck.

Um nun die Privatrealſchule pekuniär lahm zu legen und die Teil nehmer jener Generalverſammlung am Geldbeutel zu ſtrafen, gründete man

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