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tage⸗ und wochenlang liegen bleiben mußten. Hierbei kam es allerdings vor, daß ſich die Einwohner der armen Tiere eines ganzen Ochſenzuges annehmen mußten, um ſie nicht verhungern und verdurſten zu laſſen. Auch ein Barackenlazarett mit eiederlen brachte einige Berührung. Sonſt beſchränkte ſich alles auf die zahlreich eintreffenden Siegesnachrichten,“) welche die Lehrer ſtets zur Antogur der patriotiſchen Begeiſterung bei den Schülern zu benutzen ſuchten, indem der Geſchichtsunterricht ſichs zur beſonderen Aufgabe gemacht hatte, ſogleich von Anfang an die Schüler in die direkte Urſache dieſes Vergel tungskampfes es ſamt ſeinen weit zurückliegenden indirekten Motiven erneaßdn und jeder neuen Siegesbotſchaft die nötigen Auf— klärungen beizufügen. Es kann daher ſpeziell für Groß⸗Gerau kaum etwas weiteres berichtet werden.)
So häuften ſich in der letzten Dekade der Privatrealſchule eine Reihe von denkwürdigen Ereigniſſen, wie ſie ſich in einem Saſrhnt ſobald nicht wieder zuſammendrängen dürften. Da ſolche Ereigniſſe ihre tiefen Eindrücke auf das jugendliche Gemüt niemals ganz verſeßlen⸗ ſo dürfen die damaligen Schüler der Privatrealſchule ſich glückl ich ſchätzen, dieſen ſeltenen Erlebnis⸗ ſchatz ihr Eigen nennen zu können, der ihren Kindern in ſolcher Fülle verſagt iſt. Vielleicht ſind die vorſtehenden Erinnerungen imſtande, zur Neubelebung dieſes Schatzes beizutragen.
Die Auflöſung der Brivatrealſchule.
Schon um die Mitte der 60Oer Jahre bildete die geringe Möglichkeit der Anſtalt, ſich dem raſch fortſchreitenden Kulturleben anzupaſſen, die häufige nnterfaltun der Lehrer, welche durch beſondere Achtſamkeit und Anſtrengung dieſe Mängel auszugl leichen ſuchten. So waren die engen und niedrigen Schulräume ohne beſonderen Eingang den hygieniſchen Anforderungen, welche Pettenkofer einige Jahre vorher für Schulen aufgeſtellt hatte, ganz und gar widerſprechend. Alle Nebenräume für die Lehrer und Konferenzen fehlten ebenſo wie ſolche für die Hilfsmittel und Vorbereitungen von Demonſtrationen, was weniger empfunden wurde, weil die Hilfsmittel ſelbſt faſt alle mangelten mit Ausnahme einiger Landkarten, die in der Ecke ſtanden, und einiger unbrauchbarer Antiquitäten von Apparaten. Gerade der letztere Mangel machte ſich im Unterricht am meiſten geltend, ſo daß ich mich entſchloß, mit Anlegung von Sammlungen
*) Napoleons Gefangennahme brachte auch einem Schüler der damaligen Privatrealſchule unerwartete Hilfe in harter Bedrängnis. Den pythogoräiſchen Lehrſatz ſollte der betreffende Junge beweiſen, hatte aber die Geheimniſſe des— ſelben nur mangelhaft erfaßt. Der Lehrer wurde ungeduldig und war im Be⸗ griff, ihm ſchlagende Beweiſe ſeiner Unzufriedenheit fuͤr ſeine mangelhafte Vor⸗
bereitung zu geben Der Stock war ſchon eſchwuingen⸗— da rief ein Vorüber⸗ gehender durch das offene Fenſter herein:„Napoleon und die ganze franzöſiſche Armee gefangen.“—„Und der Fauſtſchlag blieb, doch nicht die deutſche Einheit
nur ein ſchön gedacht' Project.“
*) Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß meine Schüler von meinen ungefähr in die gleiche Zeit fallenden techniſchen Arheiten in größerem Maßſtab abſolut ausgeſchloſſen blieben. Nur an idealen Dingen durften ſie teilnehmen. Jene techniſchen Arbeiten waren nur ausführbar durch die ſachkundige Unter⸗ ſtützung von Schloſſer Wirthwein und die meiſterhaften Arbeiten eines taubſtummen Arbeiters bei Spengler Fey.


