Jahrgang 
1904
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Sek. Dauer im Jahre 1846 tief in die Seele eingegraben, doch erſchien jene über ein großes Gebiet Schrecken verbreitende Erſcheinung eine Klei⸗ nigkeit gegen die furchtbare Wucht des Groß⸗Gerauer Hauptſtoßes. Dieſer kam nicht unangemeldet, wie es bisweilen zu geſchehen pflegt. Schon 8 bis 10 Tage vorher hatten viele Bewohner der Gegend rollende oder hummernde(wie ſie vielfach recht plaſtiſch bezeichnet wurden) Geräuſche beſonders abends und gegen Morgen vernommen, die ſie erſt ſpäter deuten lenen Ich ſelbſt hatte am Tage vor dem erſten eigentlichen Erdſtoß 3 ſolcher Rollen beim Arbeiten im Laboratorium wahrgenommen und ſofort als Erdbebenerſcheinung erkannt, nicht ahnend, daß ſo ſchwere Erſcheinungen folgen würden, wie ſie ſchon am nächſten Abend, einem Samstag, um 8⁰⁵ einſetzten. Dieſer ſchon recht anſehnliche Stoß trieb bereits die Aengſt⸗ lichſten der Bewohner auf die Straße, bis ſie ſahen, daß die meiſten in den Wohnungen blieben. Aehnlichen Schreck beketter am andern Mittag um 12 Uhr ein ähnliches Beben. Als aber um halb 6 Uhr ein ſo furcht⸗ bares Getöſe und Wiegen beginnt, daß hie und da Schornſteine einſtürzen, da flüchtet die ganze Bevölkerung auf die Straße und wagt in großer Angſt die Gebäude nicht zu betreten. Die Panik, die alle ergriffen hatte, veranlaßte einzelne Familien, den Ort mit der Bahn zu verlaſſen, was auch jeder zufällig anweſende Beſuch tat.*) Doch folgten erſt wieder am folgenden(Montag) Morgen 407 und um 11s in der folgenden Nacht ſtärkere Stöße. Von hier ab war das Beben während des Dienstags ſtändig rollend und zitternd im Gang mit über 100 Erſcheinungen bis zum Hauptſtoß am Abend, darunter ſehr ſtarke morgens und 6/2 mittags, ſo daß ſich die Bevölkerung daran gewöhnte, bis ſie um ſo furchtbarer wieder aus ihrer gewonnenen Ruhe herausgeriſſen wurde durch die allerſtärkſte Erſchütterung der ganzen Periode abends 9²26 am 2. November 1869.

Mich überraſchte die ſchreckliche Erſcheinung im unteren Saale der Krone links hinten in der Ecke bei einem kleinen Feſte, indem ein Herr unſerer Abendgeſellſchaft eine verlorene Wette zu einer Martinsgans ſervierte. Wir waren mit der erſten Schnitte noch nicht zu Ende, als ich unter furchtbaren Donnerſchlägen die mir gegenüber befindliche Wand ſich anſchickeu ſehe, unſeren Tiſch zu bedecken. Blitzſchnell erhob ich mich, um die ted zu gewinnen, da ſehe ich im Umdrehen wie die Eiſenſäule des Saales ſich nach der Straße umlegen will. Schon glaubte ich im nächſten Augenblic von der Decke begraben zu ſein, als ſich die Säule wieder aufrichtet und im Moment, wo ich an ihr vorbeiflüchte, die Bewegung nach der entgegen⸗ geſetzten Hofſeite beginnt. Als ich mit einem Satze durch die Haustüre flog, tönte mir ein gewaltiges Rauſchen und Klappern von den Ziegeln auf den Dächern und den Schiefern des nahen Kirchturms entgegen, das noch eine ganze Weile anhielt. Als dieſes zu Ende ging und ſomit die Erſcheinung ſchon vorüber gegangen war, hörte ich zahlreiche Haustüren klappen, und in kaum einer Minute befand ſich die geſamte Bevölkerung auf der Straße, die aus den Betten geriſſenen Kinder auf den Armen tragend, alle bleich und verſtört nach Atem ringend und nicht zu reden

) Berichtet doch die Fama, daß die Panik einen Beamten beſtimmte, ſeiner Behörde den ſtarken Stoß telegraphiſch zu melden mit den Worten: Hier Erdbeben! Was machen? Ob er wohl auch dieſe Wel len mit Oel beſchwichtigen zu können hoffte, wie bei dem damals aufkommenden Oelen der Meereswellen?