Jahrgang 
1904
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groben Wolldecke, deren Spuren ſich als ſchwarze Maſſe erkennen ließen, überdeckt, worauf man 2 Meter Letten der Umgebung als Hügel darüber gehäuft hatte. Der nächſt größere Hügel barg ein 1 ¾ Meter großes Weib ohne Waffen und Schmuck und ohne ſonſtige erhaltene Gegenſtände mit Aus⸗ nahme eines eiſernen Toilettgerätes. Die übrigen nur ¾¼ 1 Meter hohen Hügel enthielten ſchlecht erhaltene Skelette mit Armringen ohne Waffen, und in den 3 oder 4 im Wallerſtädter Wald geöffneten Hügeln fanden ſich nur Skelette ohne jede Beigabe, aber von ähnlichem Schädeltypus wie die am Riedhäuſer Hof.

Meine Erhebungen in der Umgegend von Groß⸗Gerau laſſen bei ſyſtematiſcher Durchforſchung noch viele intereſſante Entdeckungen erwarten. So hatte ich auch ſchon die römiſche Vorſtadt des Kaſtells an der Faſanerie auf Eſch an den Fundamenten ihrer Häuſerreihen erkannt. Nicht weit davon fand ſich auch ein ſogenanntes Hockergrab(zuſammengekrümmte Leiche) aus der Zeit der Schnurkeramik, wo man die Gefäßverzierungen mit einer zweidrähtigen Kordel in den weichen Lehm eindrückte. Dieſe Zeit gehört der Periode der jüngeren Steinzeit an, 20004000 Jahre vor Chr., wo man die Metalle noch nicht kannte und nur Geräte aus Stein, Knochen und Holz benutzte. Auch die ſachgemäße Bergung dieſes Schädels mit negerartig vorgezogenen Kiefern danke ich nur der vorzüg⸗ lichen Unterweiſung des Dornberger Taglöhners durch einige Schüler mit klugem Hinweis auf eine entſprechende Belohnung. Weſentlich älter noch als dieſer Fund, wohl aus dem 8. bis 10. Jahrtauſend v. Chr., iſt ein Weib aus einer großen Steinzeitniederlaſſung bei Trebur.

Nach der Reinigung der Gegenſtände und der Zuſammenſetzung der kleineren Urne vom Riedhäuſer Hof aus 245 Stücken wurden die Funde an einem Nachmittage im oberen Saale der alten Poſt zu jedermanns Einſicht aufgeſtellt.)

6) Das große Erdbeben von 18691871.

Ganz ähnliches Intereſſe und die gleiche Bereitwilligkeit zur Mithilfe wie bei meinen prähiſtoriſchen Arbeiten bekundeten die Schüler der Privat⸗ ſchule 2 Jahre ſpäter bei meinen Bearbeitungen des berühmten Erdbebens. Hier wurde dieſes Intereſſe allerdings von den erſchreckenden Erlebniſſen unterſtützt, welche die Schüler in den Tagen und Nächten des Haupt bebens mit ſämtlichen Bewohnern durchgekoſtet hatten. Wer niemals eine ſolche Periode der Schrecken erlebte, der kann ſich von dem Entſetzen keine Vorſtellung machen, das den Menſchen überkommt, wenn er den ſonſt für das Allerfeſteſte gehaltenen Erdboden in Bewegung geraten und die Wohn⸗ gebäude dem Einſturz nahekommen ſieht. Mir ſelbſt hatte ſich zwar als Hjährigem Knaben das große weſtdeutſche Beben von einmaliger 56

*) Seit einigen Monaten(1903) haben die Gegenſtände im Anthropologiſch⸗ ethnologiſchen Muſeum in Frankfurt Aufſtellung gefunden, nachdem ſie 1869 von einem großen Muſeum, in das ſie eigentlich gehörten, abgelehnt worden waren, weil ich die Aufſtellung ſamt Skeletten zur Bedingung gemacht hatte. Damals aber waren meine beiden Steinzeit-Skelette noch ſehr ſeltene Dinge, da man nur erſt den auf dem Hinkelſtein bei Monsheim 1862 gemachten und von Lindenſchmid in Mainz beſchriebenen Fund aus der Steinzeit kannte. Seit jener Zeit wurden jedoch einige 100 ausgegraben, beſonders von Sanitätsrat Dr. Köhl in Worms in ganz Rheinheſſen.

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