Jahrgang 
1904
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Rheingebiet noch nicht in Beſitz genommen hatten. Vielleicht befand ſich auf dem etwas hoch liegenden Gebiet der alten Schindkaut in jener Zeit ein vorgeſchobener Poſten eines kühnen Führers, wie deren bereits drei oder vier aus dem letzten vorchriſtlichen Jahrhundert bekannt ſind. Die Formen der Gefäße weiſen außerdem kaum bis zum Ende des erſten Jahrhunderts nach Chriſtus, ſo daß die Hütte zu Zeiten des Kaſtells an der Faſanerie nicht mehr bewohnt war.

Das Bekanntwerden dieſes Fundes gab den Bewohnern Veranlaſſung, mit vielen ſelbſt gemachten Beobachtungen herauszurücken, ſo daß ich für nötig fand, die Schüler der Privatrealſchule in die rationelle Behandlung und Bergung von Funden einzuführen, damit ſie die Bevölkerung darin unterrichten könnten. Mit der geſpannteſten Aufmerkſamkeit lauſchten ſie dieſen Erläuterungen und Anweiſungen und trugen ſie mit erſtaunlicher Genauigkeit in weitem Umkreis um die Stadt unter die Bevölkerung. So kam es, daß ſehr bald die ganze Umgegend ſich mit Fragen und Berichten an mich wandte und mir bald einzelne Gegenſtände oder Gruppen von Funden, bald einzelne Skeletteile oder ſachgemäß behandelte Schädel oder auch ganze Körbe voll Scherben überbrachte. Wunderte ich mich dann über die zutreffend geſtellte Frage oder die kunſtgerechte Aufnahme und Behandlung der Gegenſtände, ſo bekam ich jedesmal zur Antwort: Das erfuhr ich von einem Ihrer Schüler, der hat mir die Sache ſo erklärt oder der hat mir ſehr eingeſchärft, worauf es ankäme, und ſo hab' ichs auch gemacht. Ein Landmann, der mir die Scherben einer großen Hallſtatt⸗Urne überbrachte, ſagte dabei:Ich glaube nicht, daß ein Stückchen von Bedeutung fehlt, denn ich habs meinen kleinen Kindern genau ſo ein⸗ geſchärft, wie ichs von Ihrem Schüler mitgeteilt bekam, und ich habe mich überzeugt, daß die Kinder beim Aufſammeln der Scherben meine Weiſungen befolgten. In Wirklichkeit fehlte auch kaum etwas bis auf den eng zulaufenden Boden der Urne. Dieſen hielten die Kinder für den eines alten Milchtopfs, durch deſſen Zufügung ſie doch allzu ſehr ausgelacht zu werden meinten, und ließen ihn in der Grube liegen.

Das ungeahnte Fortſchreiten meiner prähiſtoriſchen Erhebungen ver⸗ anlaßte Kreisarzt Dr. Münch, die Unterſuchung der Hügelgruppe im Riedhäuſer Hofwäldchen ſowie von Hügeln im Walde von Wallerſtädten anzuregen, wozu er auch die Erlaubnis erwirkte. Es wurde daher ein kleiner Fond zuſammen gebracht, um während einer Ferienwoche im Frühling 1867 mit zwei Arbeitern die Grabungen vorzunehmen, wobei ein Teil der älteren Schüler Hilfe leiſtete, während alle kommen und ſehen durften. Auch bei dieſen Ausgrabungen wetteiferten die Schüler beim Reinigen der vielen Skeletteile und Scherben.

Die Hügelgruppe vom Riedhäuſer Hof erwies ſich der ſog. Hallſtatt⸗ Zeit angehörig(von Hallſtatt bei Salzburg, wo großartige Funde zuerſt beſchrieben wurden), als man bereits Eiſen neben der Bronze verwendete, 1500 500 vor Chriſtus. Der größte Hügel enthielt einen 2 Meter langen Krieger von 3035 Jahren, der durch einen Schlag auf den Schädel geſtorben und mit ſeinem Halsringe, Armringe und Eiſenſchwert begraben worden war; man hatte ihm noch ein halbjähriges Schweinchen mit gegeben, in deſſen Bauch ein S⸗förmiges Opfermeſſer ſtack, und außerdem noch 2 große Urnen von 1215 und 5060 Liter Inhalt. Alles war mit dem Toten auf ebener Erde angeordnet und mit einer Fell- oder