—.
Qu.— e=
Freunden und Bekannten des Verſtorbenen aus Darmſtadt zum Grabe geleitet. Die Eltern der Schüler ſchmückten das Grab im Herbſte desſelben Jahres mit einem Denkſtein aus Diezer Marmor. Am Todestage des folgenden Jahres hielt die Privatrealſchule am Grabe Gottſchilds eine Gedenkfeier, indem die Schüler zugleich friſche Kränze auf demſelben niederlegten.
4) Der Kampf um die Mainlinie 1866.
Bei dem großen Hegemoniekampfe im Jahre 1866 waren die Lehrer in der Schule vor eine weit ſchwierigere Aufgabe geſtellt als zwei Jahre vorher bei dem Kriege um Schleswig-Holſtein, da wir alle in unſerer idealiſtiſchen Erziehung der Ueberzeugung nicht entraten konnten, es könne Deutſchland ſchon allein durch die Ethik des guten Willens, durch frohe Sanges-, Turn⸗ und Schützenfeſte geeinigt werden, und ſo Bismarcks Logik der eiſernen Tat nicht zu begreifen vermochten. Die Lehrer hielten es daher für angemeſſen, dieſes ernſte Drama in der Schule möglichſt wenig zu berühren und die Erklärung desſelben dem Entwickelungsgange der Dinge zu überlaſſen, von dem auch die Stadt nicht ganz unberührt blieb.
Schon von den Vorbereitungen zu dem Kampfe ſpielte ſich ein kleiner Teil in Groß⸗Gerau ab, indem eine Feldbatterie zu ihrer Mobilmachung in der Stadt Quartier nahm, für die liebe Jugend herrliche, anregende Zeit. Da wurde exerziert und im Fahren geübt, Geſchütze und Pferde geputzt, neue Remonten dreſſiert, Munition gefaßt, Felddienſt geübt u. ſ. w., bis endlich nach faſt 4wöchiger fieberhafter Haſt zum großen Leidweſen der Schüler ins Feld gerückt wurde, um bald durch beſcheidene Erfolge die Erwartungen ſehr herabzuſtimmen.— Ob nicht die Zurüſtungen doch etwas übereilt waren!—?— 1870 rückte man allerdings ſchon nach 7tägiger Vorbereitung ins Feld, und jetzt ſoll ſogar, wie man hört, die Mobilmachung in 3 Tagen vollendet ſein. Nach dem Abzug der Batterie nahmen auch wiederholt kleine Truppenkörper bayeriſcher Kavallerie aus der Pfalz und der öſterreichiſchen Beſatzung von Mainz kurzes Quartier in Groß-Gerau und geſtatteten den aufmerkſamen Schülern einen unerwarteten Einblick in ihre Gepflogenheiten. Bei den erſteren zerbrachen ſie ſich die Köpfe über den taktiſchen Zweck eines ſonderbaren Exerzitiums zu Beginn der Uebungen oder des Marſches, das ſie für ein Gebet hätten nehmen mögen, wenn ſie im Hinblick auf den unglückſeligen Ausgang der Andreas Hofer'ſchen Kämpfe ſolche nicht immer zeitigen Gebräuche nicht für allzu unklug gehalten hätten. Bei den Oeſterreichern erregte deren gemütliches Beſtreben, Haſt und Eile in ihren Exerzitien und Marſchbewegungen nicht aufkommen zu laſſen, ihre größte Verwunderung. Hörten ſie doch zu ihrem größten Gaudium aus deren Trommelſchlag immer die Mahnung heraus: Nur immer langſam voran! Nur immer langſam voran! während ihnen das ſtramme heſſiſche Tempo ihrer Mitſchüler vom Schiützenfeſte noch in Erinnerung war. Daß dieſer Truppenteil bald darauf in dem Gefecht bei Laufach ſo ſchwer mitgenommen wurde, erregte in Groß⸗Gerau die größte Teilnahme, da ſich die Mehrzahl der Bevölkerung immer noch zur ſchwarzrotgoldenen Fahne bekannte. 8—10 Tage nach dieſem Gefecht erhielten jedoch dieſe Sympathien eine Mahnung zur Reſerve.
An einem Nachmittag hatte ſich, wie täglich in jener Zeit, gegen 7 Uhr ein Kreis von Männern im Gaſthaus zur Alten Poſt(jetzt Marr⸗
G6=D=Z


