—,-
von einem Tambourmajor(heute ein hoher Staatsbeamter) kommandiert wurden, der einen doppelt ſo großen Flambeau an ſeiner Mütze und eine ſchwarzrotgoldene Schärpe um die Schulter trug, während ſich um ſeinen Kommandoſtab eine gleichfalls dreifarbige Schnur wand. Die Stadt prangte im herrlichſten Blumen- und Flaggenſchmuck, wobei das Haus, in
deſſen Seitenbau ſich die Privatrealſchule befand, ganz beſonders hervor⸗ glänzte, weil die Heſſiſche Ludwigsbahn deſſen Beſitzer(Sektionsingenieur Weiß) von ihren prächtigſten Flaggen zur Verfügung geſtellt hatte. Der Zug durch die geſchmückten Straßen, ſowie das ganze Feſt bis zum Schluſſe desſelben waren von dem bhellſten Sonnenſchein begünſtigt, ſo daß die nationale Begeiſterung für die Einigungsidee, als deren Ausdruck das Feſt für die Gegend aufgefaßt werden mußte, zum vollen Ausdruck kam und ihre Wirkung auf die Jugend nicht verfehlte.
2) 50 jährige Gedenkfeier der Schlacht bei Leipzig.
Es war nur eine natürliche Folge der nationalen Bewegung, daß
man auch die fünfzigſte Wiederkehr des Befreiungstages von der Tyrannei des großen Corſen mit beſonderem Glanze zu feiern ſuchte. Am Abend des 18. Oktober 1863 bewegte ſich daher gleichfalls ein feierlicher Zug nach dem Kaninchenberg, um auf der großen Ebene vor demſelben eine erhebende nationale Feier abzuhalten, wobei der Liederkranz patriotiſche Lieder vortrug und Gottſchild die Feſtrede hielt. Dieſe nicht ſehr lange, aber für die
Entzündung nationaler Begeiſterung vorzüglich berechnete Rede war mit ſo vortrefflich modulierter Ausſprache vorgetragen, daß an dieſem warmen, total windſtillen Abend jedes Wort bis in weite Entfernung verſtanden werden konnte. Zum Schluſſe der Feier wurde unter Abſingung des Liedes„Deutſchland, Deutſchland über alles“ ein großes Freudenfeuer angezündet, wie ſie an jenem Abend zu vielen Tauſenden durch die deutſchen Lande leuchteten und vom Taunus und der Bergſtraße herüberglänzten. Der bald darauf beginnende Kampf um Schleswig-Holſtein bot der nationalen Erregung wieder neue Nahrung und verfehlte ſeine Wirkung auch nicht auf die Schüler, da die Lehrer der Privatrealſchule jede geeignete
Gelegenheit benutzten, die Schüler in die Bedeutung wichtiger Tagesereigniſſe
und ganz beſonders in diejenige dieſes Ehrenkampfes einzuführen.
3) Gottſchilds Tod und Begräbnis.
Bei dem Jubelfeſte der Schlacht bei Leipzig ahnte niemand, daß Gottſchild's Feſtrede an dieſem Abend ſeine letzte Rede ſein ſollte. Um die Mitte des Juni im folgenden Jahre fühlte ſich Gottſchild plötzlich unwohl und ſchleppte ſich über 14 Tage umher, ohne den Unterricht zu unterbrechen. Meine gelegentliche Frage an Kreisarzt Dr. Münch, was G. wohl fehle, beantwortete dieſer mit der Bemerkung:„Das kann man noch nicht ſagen, es kann auch der Vorläufer eines Typhus ſein.“ Einige
Tage ſpäter blieb Gottſchild im Unterricht aus, und bald ging die Kunde
von dem Ausbruch dieſer ſchweren Krankheit durch die Stadt. 3— 4 Tage ſpäter zeigte ſich ſein Zuſtand hoffnungslos, ſo daß er am 11. Juli 1866 verſchied. In feierlichem Trauerzuge wurde der mit Kränzen geſchmückte Sarg von den Schülern der Privatrealſchule und deren Eltern und von
S==


