Jahrgang 
1904
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bei anderen Begegnungen noch vielfache Vervollſtändigung durch Berührung von unzähligen Schulvorkomniſſen jener Zeit, deren pſychologiſchen und pädagogiſchen Eindrücke dieſer Herr gerade die unauslöſchliche Erinnerung zuſchreibt. Derartige begeiſterte Bekenntniſſe laſſen wohl kaum einen Zweifel, daß es den Lehrern der Privatrealſchule gelang, ihre Schüler auch für die ſittlichen Lebensaufgaben in befriedigender Weiſe vorzubereiten und ſomit das Ziel zu erreichen, das von einer ſolchen Anſtalt gefordert werden mußte.

Beſondere, Schule und Schüler berührende Ereigniſſe von 1861—1871.

1) Schützenfeſt der Groß⸗Gerauer Schützengeſellſchaft.

Der mächtige nationale Zug, der infolge der Einigung Italiens im Anfang der 60Oer Jahre durch die deutſchen Lande ging, übte ſeine zündende Wirkung ganz beſonders auch auf die Bevölkerung des Mittelrheines, deren Erregung umſo höher ſtieg, als die große Bekundung des deutſchen Einigungswillens in dem berühmten J. Deutſchen Bundesſchießen 1862 ſich in Frankfurt abſpielte. Es drängte daher auch die Gerauer Schützen, ihren nationalen Sinn zum Ausdruck zu bringen und ihrem Verein friſches Leben zu geben durch die Feier eines glänzenden Schützenfeſtes. Von der geſamten Bevölkerung wurde dieſe Idee mit Jubel aufgenommen, und bereitwilligſt ſagten der Liederkranz und der neugegründete Turnverein ihre Mitwirkung zu, wobei auch die älteren Schüler der Privatrealſchule und der Volksſchule als Zöglinge der Turnerei nicht fehlen ſollten. Dieſe Mitwirkung vollzog ſich umſo leichter, als Kreisſekretär Küchler bei dieſen drei Vereinen den Vorſitz inne hatte. Durch ſeine Vermittelung ſorgte auch die Forſtbehörde für billiges Holz zu den Turngeräten unter der Bedingung, daß die Geräte den ſämtlichen Schulen unentgeltlich zur Verfügung ſtünden. Die Turn⸗ apparate wurden daher von mir als Turnwart auf dem gänzlich unbenutzten Marktplatz aufgeſtellt und befanden ſich ſo in nächſter Nähe der Privatrealſchule.

Von jetzt ab wurde regelmäßig geturnt und das würdige und im⸗ ponierende Auftreten der geſamten Turnerei bei dem Schiützenfeſtzuge vorbereitet. Dem kam die Kunde eines Schülers ſehr zu ſtatten, daß ſich auf dem Rathauſe drei Trommeln alten Formates aus den Bürgerwehr⸗ zeiten(1848) befänden, zu denen ſich auch noch ein Tambourmajorſtab mit dickem Meſſingknopf geſellte. Bald fanden ſich auch noch in Büttelborn und Wallerſtädten zwei ſolcher Trommeln, ſo daß die Turnerei mit fünf Tambouren und einem Major aufmarſchieren konnte. Nun galt es aber auch, ſicher ſchlagende Trommler zu gewinnen, und ſo zog ich einige Wochen lang jeden Abend bei beginnender Dämmerung mit einigen Schülern auf den Kaninchenberg, zuerſt um die Anſtelligſten herauszufinden und dann, um den Ausgewählten ein halbes Dutzend Märſche, die ich aus meiner Kindheit von der Garniſon in Worms im Gedächtnis behalten hatte, ſicher einzuüben. Natürlich mußte ich dabei auch ſelbſt auf einer Trommel mitſchlagen. Sämtliche Turner und Turnſchüler waren außerdem von mir zu dem Zuge militäriſch präzis einexerziert.

So eröffnete die Turnerei den ſtattlichen Feſtzug mit fünf Tambouren (drei aus der Privatreal⸗ und zwei aus der Volksſchule), die an ihrer

Turnmütze einen handlangen ſchwarzrotgoldenen Flambeau trugen und

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