Jahrgang 
1904
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Die Erfolge der Anſtalt.

Da die wiſſenſchaftlichen Reſultate der Privatrealſchule von denen der nachfolgenden Schulen ſehr bald überdeckt wurden, ſo gab nur allein die Aufnahmeprüfung zu dem Uebertritt in dieſe einen Maßſtab für die Leiſtungen der erſteren. Wie ſchon erwähnt, fiel dieſe Prüfung ſowohl in Gymnaſien wie in Realſchulen oder, was am häufigſten vorkam, in der Darmſtädter Gewerbeſiheile ausnahmslos gut aus. In der Prüfung der letzteren Anſtalt kam das günſtige Urteil über die Gerauer Leiſtungen ganz indirekt zu deutlichem Ausdruck. So oft ich die von der Prüfung zurück— kehrenden Schüler fragte, was ſie examiniert worden ſeien, bekam ich zur Antwort: Wir bekamen leider nur wenige Fragen geſtellt und hätten doch alles beantworten können, was gefragt wurde. Die Lehrer ließen uns dann ſtill ſitzen und examinierten nur noch die Schüler aus anderen Schulen, wobei jedoch nicht alles glatt ging. Dieſe Sicherheit in den erworbenen Kenntniſſen war das unmittelbare Reſultat des Beſtrebens der Schule, den Unterricht nicht nur der mittleren Begabung, ſondern auch der ſehr beſchränkten anzupaſſen, wovon ſich immer drei oder vier Schüler in der Anſtalt befanden. Die hierdurch bedingten ſehr zahlreichen Repetitionen und biere Uebungen machten den begabteren Schülern die Gegenſtände ſo gel änfg, daß ein Lehrer ſchon durch die erſte Antwort die Ueberzeugung bekam, der Schüler beherrſche den Gegenſtand. Dazu kam noch, daß die Wealeuds der Schüler eine recht befriedigende genannt werden konnte, und daß ſich faſt ſtets einige glänzende Talente darunter befanden, wele he von den übrigen ſchweigend als Vorbilder betrachtet wurden, wie aus ihren freudigen Bekenntniſſen hervorging, wenn ſie einmal durch Ausnahme⸗ leiſtungen denſelben nahe kamen.

So beſuchte die Anſtalt ein Knabe, der alles im Gedächtnis behielt, was er einmal vorgetragen bekam oder gele eſen hatte. Dagegen war er ein weniger guter Mathematiker, obgleich ſein logiſches Schlußvermögen nie zu wünſchen übrig ließ. Noch weit größere Begabung zeigte ein Mädchen, das niemals eine Antwort ſchuldig blieb und durch Zuhören ſelbſt diejenigen Gegenſtände in ſich aufnahm, an denen die Mädchen nädt teilnahmen. Dieſe beſuchten damals die höheren mathematiſchen Disziplinen nur ſo lange, als die Begriffslehre dauerte. Sobald deren Rechnenmethoden oder Beweisführungen begonnen, wurden ſie entlaſſen und beſchäftigten ſich in der ſo entſtandenen Zwiſchenſtunde gewöhnlich mit Aufgabenmachen. Dabei konnte ich nun oft in den lächelnden Mienen jener Schülerin die Ver⸗ wunderung leſen, daß ſich ein Knabe einem Lehrſatz gegenüber ſo traurig anſtellte, und ſo kam es vor, daß ich demſelben bemerkte: Ich fürchte, die ihehen könnten dich beſ ſchämen, ohne den Gegenſtand je gelernt zu haben.

s ſcheint mir, als ob die W. den Lehrſatz ganz glatt beweiſen könnte. 8 es nicht ſo, W.?„Es kann vielleicht möglich ſein, ich wills mal verſuchen,“ antwortete ſie. Dabei trat ſie an die Tafel und bewies einen Kongruentſatz der Dreiecke mit einer Klarheit und logiſchen Schärfe, als hätte ſie ſchon längere Zeit darin Unterricht erteilt. Ihre große Begabung erſtreckte ſich nahezu auf alle Gebiete. So machte ſie auf einer Jahres— prüfung einen überwältigenden Eindruck auf die Zuhörer durch die eng— liſche Deklamation einer recht guten egerſeun des Erlkönigs von Göthe, die ich ihr nach der Gottſchild' ſchen Vortragsweiſe eingeübt hatte. Da

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