Jahrgang 
1904
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Einiges aus der Organiſation und Methode des Auterrichts.

Wie ſchon angedeutet, hatte die Privatrealſchule der 60er Jahre in manchen Richtungen einen eigenen, über das Herkömmliche hinausgehenden Charakter, da ſie als Privat-⸗Anſtalt jedem Erfordernis, das ſich in den damals ſo erſtaunlichen Wandlungen des Verkehrs und des Wirtſchaftslebens vorausſehen ließ, ſowie jedem für die Jugend geeigneten Forſchungsreſultat ſofort Rechnung tragen konnte. Gottſchild und ich unterſtützten daher Küchler mit allen Kräften, damit im Jahre 1863 die zeitgemäßen Auf⸗ gaben, welche die Anſtalt erfüllen konnte und in der Folge ſtets erfüllte, in einem neuen Lehrplan feſtgelegt wurden. Nach demſelben war es den 14 15jährigen Schülern ermöglicht, zugleich mit dem Beſitz der altersgemäßen Realſchulbildung in die entſprechenden Altersklaſſen eines Gymnaſiums einzutreten. Dieſe Realſchulbildung ging jedoch über den gewöhnlichen Rahmen noch hinaus, weil ſie den ſehr weitgehenden Anforderungen, welche die damalige Darmſtädter Gewerbeſchule(Vorläufer des Polytechnikums) an 14 15jährige ſtellte, angepaßt war oder ſelbſt darüber noch etwas hinausging. Schüler, welche in letztere Anſtalt oder in eine Real- oder Handelsſchule übertraten, beſuchten natürlich den Unterricht in den alten Sprachen nicht. Auch von anderen Unterrichts⸗ marimen, welche damals als berkömmlich galten, wich die Anſtalt ſehr weſentlich ab, und darin gerade möge die Veranlaſſung geſucht werden, hier etwas eingehender auf den damaligen Unterricht zurückzukommen.

Durch die intenſive Berückſichtigung der alten und neuen Sprachen im Sinne des Gymnaſiums kam der humaniſtiſche Lehrer ſchon allein durch das Griechiſche, Lateiniſche, Franzöſiſche und Deutſche auf ſeine vorſchrifts⸗ mäßigen 28 Wochenſtunden. Alles Uebrige fiel dem Reallehrer zu. Hierdurch hatte ich außer den mathematiſchen Disziplinen, der Zoologie, Botanik, Phyſik, Aſtronomie, Geographie, Zeichnen und Turnen auch noch den Unterricht in der Geſchichte und im Engliſchen zu erteilen und kam ſo auf 3233 Stunden wöchentlich.

In ähnlicher Weiſe hatte auch der Lehrer der Vorbereitungsklaſſe ſeine volle Arbeit, da er ebenfalls zwei Jahrgänge vom 8.10. Jahre neben⸗ einander unterrichten mußte. Außerdem fiel ihm der Unterricht im Geſang und im Schönſchreiben bis zum 12. Jahre zu. Die tüchtige ſchriftliche Schulung ſowie diejenige im Rechnen, welche dieſe Vorbereitungsklaſſe erzielte, förderte die ſpäteren Fortſchritte in den Hauptklaſſen ſehr bedeutend.

Während in ſämtlichen Realfächern und ſogar in dem Unterricht der Geſchichte die alten Methoden verlaſſen und zweckmäßigere zur Einführung gelangt waren, erfreuten ſich die Sprachen nicht der gleichen Gunſt. Der heutige gewaltige Reiſeverkehr, der verſchiedenſprechende Menſchen in Menge zuſſammenführt, ſetzte die Eiſenbahnen voraus, die ſich damals erſt in ihren Anfängen befanden und 30 Jahre zu ihrer vollen Ausbildung bedurften. Man empfand daher damals die Sprechübung weit weniger als Bedürfnis wie die Schriftübung, und daher galt es vorwiegend, den Briefſtil zu üben, während man heute in praktiſcher Weiſe die Sprechübung an die Spitze ſtelltt So mußte in den 60er Jahren ſämtlicher Sprachunterricht in der altherkömmlichen grammatiſchen Methode erteilt werden.

In allen übrigen Disziplinen wurde dagegen dem raſchen Fortſchreiten

der Wiſſenſchaften und dem intenſiven wirtſchaftlichen Völkeraustauſch, der

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