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nicht einwilligen wollte, ſo unterhandelte ich mit chemiſchen Fabriken und begann zugleich gewiſſe ſynthetiſch-chemiſche Arbeiten, welche für die damals ihren Siegeszug beginnenden Kekule'ſchen Anſchauungen von größter Beweiskraft ſein mußten. Als jene Unterhandlungen reſultatlos blieben, glaubte ich nicht beſſer tun zu können, als während der Dauer meiner wiſſenſchaftlichen Arbeiten die angebotene Lehrſtelle in Groß⸗Gerau an⸗ zunehmen. So waren die erſten 1 ½ Jahre nur allein dieſen theoretiſchen Arbeiten gewidmet. Inzwiſchen wurde ich jedoch durch chemiſch-techniſche Fragen der Wolff'ſchen Oelfabrik zu wichtigen Problemen geführt, deren Löſung nach mehrjährigen, überaus mühſamen Arbeiten gelang. Nach vielfachen Unterbrechungen— 1865—67 infolge prähiſtoriſcher Entdeckungen und Ausgrabungen, 1869—70 durch Bearbeitung des berühmten Erdbebens, 1870—71 durch Hinderniſſe des franzöſiſchen Kriegs—, waren meine Arbeiten endlich ſo weit gediehen, daß ich Anfang 1872 zur praktiſchen Durchführung im Großen nach Köln überſiedeln konnte. Als aber die bald einſetzende Induſtriekriſis auch meiner Sache Schwierigkeiten bereitete, folgte ich dem Rufe einer Frankfurter Geſellſchaft, um als techniſcher Leiter ein franzöſiſches Patent praktiſch auszugeſtalten. Nach einiger Zeit verlangte man jedoch auch meine Mitwirkung an der kaufmänniſchen Leitung, und ſo ſtand ich ganz unverhofft vor einer neuen, mir ganz fremden Aufgabe. Im väterlichen Hauſe hatte ich zwar im kleinen Geſchäft mit Hunderten von Gulden umgehen gelernt. Doch konnte mir dies wenig nützen, wo es galt, in großen Zügen zu handeln und mit klarem Geiſte und voller Seelenruhe Hunderttauſende von Mark auf eine Karte zu ſetzen. Mit Hilfe der in Groß⸗Gerau ſtets geübten Ethik der Tat gelang die kaufmänniſche Selbſtſchulung raſcher, als ich vermutete. In 3—4 Jahren war das Geſchäft ſo weit auf die Füße geſtellt und zeitgemäß organiſiert, daß der Jahresumſchlag mehrere Millionen betrug, und die Rentabilität ganz be⸗ ſonders durch Einrichtung von Rohmaterialproduktionen in allen großen Städten ſo erfreulich ſtieg, daß das Anlagekapital alle paar Jahre als Rente zurückbezahlt wurde.“)
Die fieberhafte Energie, welche die Organiſation des neuen Geſchäftes und beſonders der mehr als 100 Agenturen desſelben von mir forderte, ſo daß ich ſtets über die Hälfte des Jahres unterwegs ſein mußte, wirkte auf mein ſich bereits in Groß-Gerau meldendes Magenleiden ſo ſteigernd, daß ich endlich meinen Rückzug vorbereiten mußte und 1891 auch ausführte. Nach meinem Austritt gab das Etabliſſement noch einmal eine zwar nicht glänzende, aber doch immerhin befriedigende Rente, ſeitdem aber nur noch höchſt beſcheidene oder gar keine.
Trotz der jetzt möglichen Schonung machte mein Leiden ungehemmte Fortſchritte, ſo daß die Erreichung der Jahrhundertwende meinem Leben
*) Die reichen Erfahrungen, die ich als akademiſch gebildeter Geſchäfts— mann ſammeln konnte, haben mir zur Genüge gezeigt, wie falſch meine noch in Groß⸗Gerau vertretene Anſicht war, daß der Techniker ebenſo reichlich Geld verdienen kann wie der Kaufmann. Verdient er es tatſächlich ebenſo, dann iſt er unbewußt ein geborener Kaufmann neben ſeiner Ausbildung als Techniker. Auch ich habe nur durch nachträglich erworbene kaufmänniſche Fähigkeiten die angedeuteten Gewinne zu erzielen vermocht und betone ſeitdem die Not⸗ wendigkeit, die kaufmänniſch-wirtſchaftlichen Grundſätze(nicht Krämer⸗ oder Händlerkenntniſſe!) in den Rahmen unſeres allgemeinen Bildungsunterrichtes geradeſo einzureihen wie die volkswirtſchaftlichen.
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